Sivers Semiconductors steckt in einer tiefen Krise. Die eigenen Wirtschaftsprüfer zweifeln offen am Fortbestand des Unternehmens. Parallel dazu wetten Leerverkäufer massiv gegen den schwedischen Photonik-Spezialisten. Ein hochgefährlicher Mix für Aktionäre.
Bilanzen im Rückwärtsgang
Die Prüfer greifen im jüngsten Jahresbericht hart durch. Sie haben einen sogenannten „Going-Concern“-Vermerk erteilt. Sie bezweifeln also, dass Sivers ohne externe Finanzspritzen überlebt.
Dafür passte das Management die Bilanzen der vergangenen drei Jahre massiv an. Das Ziel: eine Notierung an der US-Börse Nasdaq. Diese Korrekturen belasten die Zahlen stark. Der Nettoverlust für 2025 stieg nachträglich auf 222,6 Millionen Schwedische Kronen. Zuvor standen hier nur 186,5 Millionen in den Büchern.
Fronten verhärten sich
Am Markt tobt derweil ein struktureller Machtkampf. Sivers stieg im Juni in zwei wichtige Indizes auf. Indexfonds müssen die Papiere nun blind kaufen. Das stützt den Kurs künstlich.
Auf der Gegenseite formieren sich die Leerverkäufer. Die Leerverkaufsquote sprang seit März von 1,6 auf 17 Prozent der ausstehenden Aktien. Die Wette gegen Sivers wird allerdings extrem teuer. Nordea Bank hob die Zinsmarge für entsprechende Short-Zertifikate drastisch an. In der Spitze fallen nun 228,5 Prozent an. Die Bank begründet dies mit der schlechten Liquidität im Markt.
Juristischer Druck wächst
Die Warnung der Prüfer folgt auf schwere Vorwürfe. Der Leerverkäufer Ningi Research zweifelt rund 31 Prozent der ausgewiesenen Umsätze für 2025 an. Dabei geht es um knapp 97 Millionen Kronen. Angeblich verbuchte Sivers staatliche Forschungsgelder als kommerzielle Einnahmen. Das Management schweigt bislang dazu.
Die Folge: Zwei US-Kanzleien bereiten bereits Klagen von Aktionären vor. Sie werfen dem Unternehmen irreführende Informationen vor. Parallel ermitteln schwedische Behörden wegen Marktmanipulation. Details zur geplanten Nasdaq-Notierung waren vorab im Internet aufgetaucht.
Diskrepanz im operativen Geschäft
Operativ klafft eine große Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Der jüngste Quartalsumsatz fiel um 22 Prozent auf 61,9 Millionen Kronen. Der operative Cashflow lag bei minus 49,2 Millionen Kronen.
Dem steht eine prall gefüllte Vertriebspipeline gegenüber. Diese wuchs seit Jahresbeginn auf 799 Millionen US-Dollar. Ein wichtiger Baustein ist ein Auftrag des britischen Satellitenanbieters ALL.SPACE. Dieser Deal bringt 8,2 Millionen Dollar ein. Sivers liefert die Technik bis 2027 aus.
Am 6. August präsentiert Sivers die Ergebnisse des ersten Halbjahres. Der Bericht fungiert als harter Realitätscheck für die späten US-Aufträge. Liefert das Management keine echten Umsätze, droht der Aktie bei der aktuellen Leerverkaufsquote ein massiver Einbruch. Die Zeit für reine Absichtserklärungen ist abgelaufen.
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