Während die Aktie von Sivers Semiconductors binnen eines Monats fast zwei Drittel ihres Wertes verloren hat, kaufen ausgerechnet Vorstand und Chef weiter Anteile zu. Der Photonik- und Funktechnik-Spezialist meldete am 13. Juli abgeschlossene Aktienkäufe des Boards – nur Stunden bevor eine wichtige Verkaufssperre für Insider ausläuft. Zwei gegenläufige Signale treffen damit fast zeitgleich auf einen ohnehin stark unter Druck stehenden Kurs.
Vorstand und CEO kaufen Aktien
Die Vorstandsmitglieder Bami Bastani, Karin Raj, Helena Svancar, Todd Thomson und Joakim Nideborn haben ihre Aktienkäufe abgeschlossen. Die Hauptversammlung hatte den Kauf zuvor genehmigt. Alle erworbenen Papiere unterliegen einer Haltefrist von mindestens zwölf Monaten.
Zusätzlich kaufte auch der Firmenchef weitere Aktien. Das Timing ist auffällig: Die Käufe fallen in eine Phase, in der die Aktie massiv gefallen ist. Management und Board setzen damit ein Signal der Zuversicht, gerade wenn der Kurs am Boden liegt.
Lock-up-Frist läuft aus
Kurz nach den neuen Käufen endete eine andere, weitaus größere Sperrfrist. Im Zusammenhang mit einer gerichteten Aktienemission vom 16. April 2026 hatten sich mehrere Insider verpflichtet, keine Aktien zu verkaufen. Betroffen waren die Vorstandsmitglieder Bastani, Raj und Thomson sowie CEO Vickram Vathulya und CFO Heine Thorsgaard.
Diese Sperre lief am 16. Juli 2026 aus. Insider dürfen ihre Aktien aus der damaligen Kapitalerhöhung nun grundsätzlich verkaufen. Genau dieser Umstand dürfte die Stimmung zusätzlich belastet haben – selbst wenn die frischen AGM-Käufe in die entgegengesetzte Richtung weisen.
Kapitalerhöhung im Hintergrund
Die ausgelaufene Sperrfrist geht auf eine umfangreiche Finanzierungsrunde zurück. Der Vorstand hatte, gestützt auf ein Mandat der Hauptversammlung vom 15. Juni 2026, eine gerichtete Emission von rund 12,3 Millionen Aktien beschlossen. Das entsprach einem Volumen von etwa 700 Millionen schwedischen Kronen zu einem Zeichnungspreis von 57 Kronen je Aktie.
Die Emission war mehrfach überzeichnet. Schwedische und internationale institutionelle Investoren beteiligten sich, darunter sowohl neue als auch bestehende Aktionäre. Parallel dazu hat Sivers seinen Finanzberichtskalender angepasst – ein Schritt, den das Unternehmen mit der Vorbereitung auf US-amerikanische PCAOB-Prüfanforderungen im Zuge seines Zweitlistings begründet.
Kursverlauf: Extreme Schwankungen
Der jüngste Kurssturz ist beträchtlich. Die Aktie schloss am Freitag bei 3,19 Euro, ein Plus von 2,84 Prozent auf Tagesbasis. Auf Wochensicht steht dennoch ein Minus von 25,86 Prozent, über 30 Tage sind es sogar 64,77 Prozent.
Vom 52-Wochen-Hoch bei 10,23 Euro, erreicht am 3. Juni 2026, liegt der Kurs mittlerweile 68,84 Prozent entfernt. Mit einer annualisierten 30-Tage-Volatilität von 141,8 Prozent zählt Sivers derzeit zu den schwankungsintensivsten Werten am Markt. Der RSI von 34,2 signalisiert eine Annäherung an überverkauftes Terrain – ein möglicher Erklärungsansatz für die leichte Erholung am Freitag.
Die Marktkapitalisierung des Unternehmens liegt trotz des Kursverfalls noch bei rund 1,01 Milliarden Euro. Ob die Insider-Käufe reichen, um die extreme Volatilität der vergangenen Wochen zu dämpfen, dürfte sich in den kommenden Handelstagen zeigen – vor allem daran, ob die Personen aus der ausgelaufenen Lock-up-Vereinbarung tatsächlich Aktien auf den Markt bringen.
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