Fünf Tage vor Ablauf der Management-Sperrfrist greifen Vorstand und Chef von Sivers Semiconductors zu eigenen Aktien. Normalerweise ist der Ablauf einer Lock-up-Periode ein Moment, in dem Insider verkaufen. Bei Sivers kaufen sie stattdessen zu.
Vorstand kauft geschlossen
Die Board-Mitglieder Bami Bastani, Karin Raj, Helena Svancar, Todd Thomson und Joakim Nideborn haben ihre auf der Hauptversammlung genehmigten Aktienkäufe abgeschlossen. Die Papiere müssen mindestens zwölf Monate gehalten werden. Zusätzlich zum Vorstand hat auch der CEO weitere Aktien erworben.
Der Zeitpunkt sticht heraus. Die Management-Sperrfrist des schwedischen Chipentwicklers endet am 16. Juli 2026 — ab dann könnten Insider theoretisch verkaufen. Stattdessen bauen Führungskräfte ihre Position kurz vor Fristende aus. Marktbeobachter werten das als Signal von Vertrauen in die eigenen Geschäftsaussichten.
Die Aktie reagierte am Dienstag mit einem Plus von 1,93 Prozent auf 3,80 Euro, nach einem Schlusskurs von 3,73 Euro am Montag. Auf Wochensicht steht ein Zuwachs von 1,39 Prozent zu Buche.
Nasdaq-Pläne verzögern Quartalszahlen
Die Käufe fallen in eine Phase, in der Sivers seine Finanzberichterstattung grundlegend umbaut. Der Konzern hat die Vorlage der Zweitquartalszahlen bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr verschoben — neuer Termin ist der 27. August 2026. Grund ist die Vorbereitung interner Kontrollsysteme für ein geplantes Zweitlisting an der Nasdaq in den USA.
Sivers hat seine Rechnungslegung bereits auf US-Standards umgestellt und peilt ein New-York-Debüt zum Jahreswechsel an. Der Wechsel zu den strengeren Vorgaben des Public Company Accounting Oversight Board zwingt das Unternehmen, seine konsolidierten Ergebnisse für 2024 und 2025 neu aufzustellen. Das hat den Berichtskalender in diesem Jahr bereits zweimal durcheinandergebracht.
Kurs nach steiler Talfahrt am Boden angekommen
Der aktuelle Kaufimpuls trifft auf eine Aktie, die zuletzt massiv gefallen ist. Auf 30-Tage-Sicht steht ein Minus von fast 54 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 10,23 Euro, erreicht am 3. Juni, liegt der Kurs rund 63 Prozent entfernt.
Der 50-Tage-Durchschnitt von 6,18 Euro bleibt weit außer Reichweite, aktuell notiert die Aktie 38,44 Prozent darunter. Der 100-Tage-Durchschnitt von 3,79 Euro liegt dagegen fast exakt auf dem heutigen Niveau. Ein RSI von 37 deutet auf überverkauftes Terrain hin, die annualisierte 30-Tage-Volatilität von rund 154 Prozent zeigt: Hier bleibt das Handelsrisiko hoch.
Bilanz wird in Windeseile saniert
Vor den Insiderkäufen hatte Sivers bereits zwei große Hebel zur Bilanzsanierung gezogen. Der Konzern wandelte einen Kredit über 12 Millionen Dollar in Eigenkapital um. Parallel schloss er eine überzeichnete Kapitalerhöhung über knapp 700 Millionen schwedische Kronen ab.
Der Vorstand beschloss dafür eine gerichtete Emission von 12.280.701 Stammaktien zu einem Preis von 57 schwedischen Kronen je Aktie, platziert über ein beschleunigtes Bookbuilding-Verfahren. Die Emission war mehrfach überzeichnet, teilnehmende Investoren kamen sowohl aus Schweden als auch aus dem Ausland. Frisches Kapital soll nun in den Ausbau der Bereiche KI-Rechenzentren, Satellitenkommunikation und Verteidigung fließen.
Nächster Test im August
Die eigentliche Bewährungsprobe steht noch aus. Sivers meldet einen Auftragsbestand von rund 800 Millionen Dollar, das Management erwartet höhere Liefervolumen ab 2027. Am 27. August zeigt sich, ob die verschobenen Quartalszahlen diese Ankündigungen mit echten Umsatzzahlen unterlegen können.
Ob der Vertrauensbeweis aus der Chefetage mehr ist als ein einmaliges Signal, hängt davon ab, wie schnell Sivers seinen Auftragsbestand in abrechenbare Umsätze verwandelt — und ob der Nasdaq-Listing-Prozess wie geplant zum Jahreswechsel abgeschlossen wird.
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