Während der Kurs von Sivers Semiconductors in den letzten vier Wochen mehr als die Hälfte an Wert verloren hat, greifen Vorstand und Führung zu. Der komplette Vorstand sowie CEO Vickram Vathulya haben Aktien des schwedischen Photonik- und Funktechnik-Unternehmens gekauft. Der Zeitpunkt wirkt auffällig — mitten im schärfsten Kursrutsch seit Monaten.

Die Aktie schloss zuletzt bei 3,76 Euro, ein Minus von 11,53 Prozent an einem einzigen Tag. Auf Monatssicht steht ein Verlust von 54,64 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 10,23 Euro, erreicht Anfang Juni, trennen das Papier inzwischen mehr als 63 Prozent.

Käufe im Rahmen eines Aktienprogramms

Die Transaktionen sind kein spontaner Vertrauensbeweis, sondern Teil eines strukturierten Programms. Die Hauptversammlung im Juni 2026 hatte es beschlossen. Jedes Vorstandsmitglied erhält demnach eine Million schwedische Kronen, wovon etwa die Hälfte für Aktienkäufe vorgesehen ist. Der Rest deckt die anfallende Einkommensteuer.

An den Käufen beteiligten sich die Vorstandsmitglieder Bami Bastani, Karin Raj, Helena Svancar, Todd Thomson und Joakim Nideborn. Einzelne Transaktionen lagen Anfang Juli bei rund 41.800 bis 45.000 Euro. CEO Vathulya kaufte zusätzlich Aktien im Wert von etwa 950.000 schwedischen Kronen.

Eine Bedingung verschärft die Aussage der Käufe: Die erworbenen Aktien unterliegen einer Sperrfrist von mindestens zwölf Monaten. Vorstand und CEO können kurzfristig nicht wieder verkaufen, selbst wenn der Kurs weiter fällt.

Ein Unternehmen zwischen Wachstumsplänen und Kurschaos

Sivers Semiconductors entwickelt energieeffiziente Photonik- und RF-Beamformer-Technologien für Rechenzentren, Satellitenkommunikation, Verteidigung und Telekommunikation. Das Unternehmen baut parallel seine Finanzberichterstattung aus, um künftige US-Prüfstandards nach PCAOB zu erfüllen. Ziel ist ein möglicher Zweitlisting an der Nasdaq in New York.

Diese Pläne stehen in scharfem Kontrast zur aktuellen Kursentwicklung. Der RSI von 36,4 signalisiert eine überverkaufte Aktie, die annualisierte Volatilität von über 152 Prozent zeigt das Ausmaß der Schwankungen der letzten Wochen. Der 50-Tage-Durchschnitt liegt bei 6,20 Euro — der aktuelle Kurs damit fast 40 Prozent darunter.

Bemerkenswert bleibt die Distanz zum 52-Wochen-Tief von 0,27 Euro, erreicht Anfang März. Von dort aus hat sich die Aktie um mehr als das 13-Fache erholt, bevor der jüngste Ausverkauf einsetzte. Die Insiderkäufe fallen damit in eine Phase extremer Kursschwankungen — nicht in eine ruhige Konsolidierung.

Ob die Sperrfrist von zwölf Monaten den Kurs stabilisiert, bleibt offen. Fest steht: Vorstand und CEO haben sich mit eigenem Geld an die Aktie gebunden, zu einem Zeitpunkt, an dem der Markt dem Unternehmen wenig Vertrauen entgegenbringt.