Innerhalb von vier Wochen hat die Sivers-Aktie fast ein Drittel ihres Wertes verloren. Mit einem Freitagsschlusskurs von 5,90 Euro liegt das Papier nun 42 Prozent unter seinem Jahreshoch von 10,23 Euro. Was zählt, ist nicht der Kursrückgang allein — sondern was als nächstes kommt.
LiDAR-Ramp: Q4 2026 ist die entscheidende Marke
Der wichtigste Katalysator für Sivers ist kein neuer Deal. Es ist ein Produktionsstart, der bereits läuft. Ein LiDAR-Kunde hat die Laser und optischen Verstärker von Sivers in seine Plattformen integriert. Ab Q4 2026 startet die Serienproduktion für Automobil- und Industrieanwendungen.
Das Umsatzpotenzial liegt zwischen 53 und 138 Millionen Dollar über den Produktlebenszyklus. Beim Mittelpunkt entspricht das rund 9,5 Millionen Dollar pro Jahr. Zum Vergleich: Sivers erzielt aktuell etwa 33 Millionen Dollar Jahresumsatz, überwiegend aus Entwicklungsprojekten. Der LiDAR-Auftrag wäre also kein Randgeschäft — er könnte das Umsatzprofil des Unternehmens grundlegend verändern.
Der Markt, in den Sivers damit vorstößt, wächst rasant. Laut Yule Group soll der globale Automotive-LiDAR-Markt von 861 Millionen Dollar im Jahr 2024 auf 3,8 Milliarden Dollar bis 2030 wachsen.
Q1 war schwach — Q2 muss Klarheit bringen
Das erste Quartal 2026 war kein guter Start. Der Umsatz fiel auf 61,9 Millionen schwedische Kronen — ein Rückgang von 22 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das bereinigte EBITDA lag bei minus 13,8 Millionen Kronen.
CEO Vickram Vathulya verwies auf den US-Regierungs-Shutdown Ende 2025 und verzögerte Verteidigungsbudgets. Diese hätten erwartete Umsätze aus Q1 und Q2 in die zweite Jahreshälfte verschoben. Das Jahresziel für 2026 hält das Unternehmen dennoch aufrecht.
Ein Datenpunkt stach positiv heraus: Die Auftragspipeline wuchs seit Jahresbeginn um 77 Prozent auf 799 Millionen Dollar. Ob daraus inzwischen gebuchte Umsätze geworden sind, beantwortet der Zwischenbericht am 6. August 2026.
GlobalFoundries und neuer Vorstand
Neben LiDAR gibt es eine zweite strategische Weiche. Sivers arbeitet künftig mit GlobalFoundries zusammen, um Silizium-Photonik-Lösungen für den KI-Infrastrukturmarkt zu entwickeln. Sivers-Laserarrays sollen in Referenzdesigns auf der GF-Plattform integriert werden — für Anwendungen wie Co-Packaged Optics und andere Rechenzentrum-Verbindungsarchitekturen.
Breite Marktdurchdringung erwartet das Unternehmen hier erst ab 2027. Auf kurzfristige Zahlen hat die Partnerschaft kaum Einfluss. Sie stützt aber die langfristige These.
Auf der Hauptversammlung im Juni wurde der Vorstand teilweise neu besetzt. Joakim Nideborn zieht als stellvertretender Vorsitzender ein. Das geplante Mitarbeiteranreizprogramm zog das Board zurück — der neue Vorstand soll zunächst eigene Vorstellungen einbringen. Ein überarbeitetes Programm soll auf einer späteren Hauptversammlung zur Abstimmung kommen.
Technisch neutral, fundamental unter Beobachtung
Die Aktie notiert knapp über ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 5,89 Euro. Der RSI liegt bei 42,2 — technisch neutral. Die annualisierte Volatilität von über 224 Prozent zeigt jedoch: Selbst kleine Nachrichten können große Ausschläge auslösen.
Der 6. August ist der nächste harte Datenpunkt. Bis dahin bleibt der LiDAR-Produktionsstart in Q4 die wichtigste Variable. Bestätigt das Management den Zeitplan, könnte das die Grundlage für eine Neubewertung liefern. Verzögerungen hingegen würden den Druck auf eine Aktie erhöhen, die sich bereits in schwierigem Fahrwasser befindet.
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