SoftBank- vs. Prosus-Aktie: KI-All-In gegen eiserne Disziplin

SoftBank's massive OpenAI gamble contrasts with Prosus's cost-cutting AWS deal and M&A freeze. Investors face a choice between high-risk AI vision and disciplined value creation.

SoftBank Aktie
Kurz & knapp:
  • SoftBank reportedly in talks for a $30B OpenAI investment, potentially valuing it at $830B, raising debt concerns ahead of its Feb 12 earnings.
  • Prosus announces a major AWS cloud deal to cut costs and accelerate AI, while its CEO explicitly rules out large M&A transactions.
  • The clash represents two investment philosophies: SoftBank's high-risk, high-reward AI bet versus Prosus's focus on profitability and NAV discount reduction.

Die globale Technologie-Landschaft erlebt derzeit ein Aufeinandertreffen zweier völlig gegensätzlicher Investment-Philosophien, wie es dramatischer kaum sein könnte. Wir schreiben den 8. Februar 2026, und der Kontrast zwischen der japanischen SoftBank Group und der niederländischen Prosus N.V. war noch nie so scharf gezeichnet wie heute. Auf der einen Seite steht Masayoshi Son, der seine Vision einer „Künstlichen Super-Intelligenz“ (ASI) mit einer kolportierten 30-Milliarden-Dollar-Wette auf OpenAI verdoppelt. Auf der anderen Seite exekutiert Prosus-CEO Fabricio Bloisi eine rigorose Effizienzstrategie, die große Übernahmen explizit ausschließt, um Profitabilität und Asset-Optimierung in den Vordergrund zu stellen.

Für Anleger spitzt sich die Lage zu: Mit den entscheidenden SoftBank-Quartalszahlen, die in nur vier Tagen (12. Februar) anstehen, und Prosus, das frisch eine strategische Cloud-Allianz mit Amazon verkündet hat, stehen Investoren vor einer fundamentalen Wahl. Setzt man auf die hochriskante KI-Zukunftswette oder auf die kalkulierte, wertorientierte Zinseszins-Maschine?

Alles auf Rot oder sichere Bank?

Der Nachrichtenfluss der letzten sieben Tage hat das Schlachtfeld klar definiert. SoftBank dominiert die Schlagzeilen mit Manövern, die nach dem Prinzip „High Risk, High Reward“ funktionieren. Berichte von Ende Januar und Anfang Februar 2026 deuten darauf hin, dass sich SoftBank in fortgeschrittenen Gesprächen befindet, weitere 30 Milliarden US-Dollar in OpenAI zu investieren. Dieser Schritt könnte die Bewertung des KI-Giganten auf atemberaubende 830 Milliarden Dollar treiben. Dieser „All-In“-Ansatz hat jedoch Warnsignale bei Kreditrating-Agenturen ausgelöst. Analysten äußern wachsende Besorgnis über das anschwellende Verhältnis von Schulden zum Unternehmenswert (Loan-to-Value, LTV) des japanischen Konglomerats. Der Markt hält den Atem an und wartet auf den Earnings Call am 12. Februar, in der Hoffnung auf Bestätigung dieser Gespräche und Klarheit über das ominöse Infrastrukturprojekt „Stargate“.

Im krassen Gegensatz dazu hat Prosus mit eiserner operativer Disziplin für Aufsehen gesorgt. Am 4. Februar 2026 verkündete das Unternehmen einen mehrjährigen Deal mit Amazon Web Services (AWS), um seine Cloud-Infrastruktur zu konsolidieren. Dieser Schachzug ist weit mehr als eine bloße Partnerschaft; er ist ein Meisterstreich der Kostensenkung, der zweistellige Einsparungen liefern und die KI-Implementierung im gesamten E-Commerce-Portfolio beschleunigen soll. Um die nervösen Märkte weiter zu beruhigen, erklärte CEO Fabricio Bloisi in einem Aktionärsbrief vom 5. Februar unmissverständlich, dass „keine Pläne für große M&A-Transaktionen“ bestehen. Damit schlägt er die Tür für rücksichtslose Ausgaben zu, um sich voll auf die Verringerung des Abschlags zum Nettoinventarwert (NAV) zu konzentrieren.

Wie reagiert das Parkett auf die Strategien?

Doch wie verdauen die Aktien diese gegensätzlichen Nachrichtenströme?

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  • SoftBank Group: Die Aktie handelt derzeit unter einer dunklen Wolke der Ungewissheit. Zwar bietet die „KI-Prämie“ einen gewissen Boden, doch die schiere Dimension der gerüchteweise geplanten Kapitalbindung an OpenAI hat konservative Investoren verschreckt. Der Aktienkurs in Tokio zeigt sich volatil und pendelt nervös zwischen Optimismus für das anhaltende Wachstum der Tochter Arm Holdings und der Angst vor einer Liquiditätsklemme. Das technische Setup deutet auf eine klassische „Wait-and-See“-Haltung hin – Händler zögern, sich vor der Veröffentlichung der Quartalszahlen festzulegen.
  • Prosus: Hier ist die Reaktion von vorsichtigem Optimismus geprägt. Die Aktie verzeichnet starke Handelsvolumina und einen sich stabilisierenden Preistrend im Bereich von 45 bis 54 Euro (je nach Börsenplatz). Der Markt beginnt, die „langweilige“, aber effektive Strategie aus Aktienrückkäufen und operativer Effizienz zu honorieren. Der AWS-Deal wurde als konkreter Schritt in Richtung Profitabilität der Nicht-Tencent-Assets wahrgenommen. Dies hilft der Aktie, in puncto Stabilität die Achterbahnfahrt von SoftBank deutlich auszustechen.

Der Blick unter die Motorhaube: Fundamentaldaten

Um das wahre Potenzial und die Risiken abzuwägen, müssen wir tiefer in die Strukturen blicken.

MerkmalSoftBank GroupProsus N.V.
Kernstrategie„Cluster der Nr. 1“ im Bereich KI (ASI-Fokus)Aufbau profitabler E-Commerce-Marktführer
Haupt-AssetArm Holdings (~90% Anteil) + Vision FundsTencent (~25% Anteil)
Jüngster SchachzugGerücht über $30 Mrd. Aufstockung bei OpenAIAWS Cloud/KI-Effizienz-Deal
RisikoprofilExtrem hoch (Gehebelte Tech-Wetten)Moderat (Geopolitik + Fokus auf Discount)
KapitalallokationAggressive Investitionen (Offensive)Rückkäufe & Effizienz (Defensive)
Größte SchwächeHohe Schulden / LTV-VolatilitätAbhängigkeit von China-Regulierung (via Tencent)
NAV-AbschlagVolatil (oft 40-50%)Hartnäckig (oft 30-40%)

Die Bilanz von SoftBank gleicht einem komplexen Netz aus Hebelwirkungen, das stark von der Bewertung von Arm Holdings abhängt. Wenn Arm niest, bekommt SoftBank eine Lungenentzündung. Die Vision Funds bleiben für viele eine „Black Box“, auch wenn sich jüngste Erfolge in den Bereichen Robotik und autonomes Fahren abzeichnen.

Prosus hingegen bietet eine sauberere, wenn auch stark China-lastige Bilanz. Das Portfolio abseits von Tencent (Essenslieferungen, Kleinanzeigen, Fintech) nähert sich rasant der konsolidierten Profitabilität. Das aggressive Aktienrückkaufprogramm des Unternehmens dient als direkter Mechanismus, um Wert für die Aktionäre zu schaffen – völlig unabhängig von der Marktstimmung.

Burggraben oder offenes Feld?

SoftBank: Der Architekt der Infrastruktur
SoftBank positioniert sich als der ultimative Infrastrukturanbieter für das KI-Zeitalter. Durch Arm (Chip-Design) und den potenziell massiven Anteil an OpenAI (Modelle) sowie Investitionen in erneuerbare Energien und Robotik baut Masayoshi Son die physischen und intellektuellen Schienen für die künstliche Superintelligenz. Dies verleiht SoftBank einen einzigartigen, fast monopolistischen Burggraben im Bereich Chip-IP, setzt das Unternehmen jedoch einem immensen Ausführungsrisiko aus. Sollte die KI-Blase platzen oder sich das Wachstum verlangsamen, hat SoftBank kein Sicherheitsnetz.

Prosus: Die Anwendungsebene
Prosus operiert näher am Endverbraucher. Das Unternehmen besitzt führende Plattformen im Bereich Essenslieferung (iFood, Swiggy, Delivery Hero) und Kleinanzeigen (OLX). Der Burggraben besteht hier aus „Netzwerkeffekten“ in spezifischen Schwellenländern wie Indien oder Brasilien. Doch dieser Burggraben wird durch generative KI angegriffen. Ein alarmierender Bericht vom 6. Februar 2026 hob hervor, wie die Nutzung der Prosus-Beteiligung Stack Overflow durch Coding-Assistenten wie ChatGPT „dezimiert“ wurde. Dies illustriert ein kritisches Risiko: Während SoftBank die Disformatoren (OpenAI) finanziert, besitzt Prosus einige der Disrupierten.

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Das sagen die Experten

Die jüngsten Analystenkommentare spiegeln die divergierenden Pfade wider:

  • SoftBank: Die Experten sind gespalten. Die Bullen sehen die potenzielle 830-Milliarden-Dollar-Bewertung von OpenAI als Bestätigung von Sons Vision und prognostizieren eine massive Ausweitung des Nettoinventarwerts (NAV). Die Bären, insbesondere Kreditanalysten, warnen jedoch davor, dass eine weitere Ausgabe von 30 Milliarden Dollar eine Herabstufung auslösen und die Kreditkosten in die Höhe treiben könnte. Der Konsens lautet „Halten“, bis die Ergebnisse am 12. Februar Klarheit über die Finanzierungsquellen schaffen.
  • Prosus: Die Stimmung kippt von „frustriert“ zu „konstruktiv“. CEO Bloisis Fokus auf Fundamentaldaten statt auf Imperiums-Bau hat institutionelle Investoren überzeugt. Analysten merken an: Wenn das E-Commerce-Portfolio 2026 seine profitablen Wachstumsziele erreicht, wird das Argument für einen massiven Holding-Abschlag schwächer. Der AWS-Deal wird als echter „Margen-Treiber“ gesehen.

Was verraten die Charts?

Ein Blick auf die technische Analyse zeigt unterschiedliche Muster:

  • SoftBank (9984): Der Chart zeigt ein Kompressionsmuster (Dreieck), das sich auf die Quartalszahlen zuspitzt. Der Widerstand bei den jüngsten Höchstständen ist massiv, während die Unterstützung um die wichtigsten gleitenden Durchschnitte hält. Ein Ausbruch über den Widerstand bei guten Nachrichten könnte eine heftige Rallye auslösen. Enttäuscht jedoch der Ausblick zum LTV, könnte die Aktie schnell 10 bis 15 Prozent gen Süden rauschen.
  • Prosus (PRX): Die Aktie befindet sich in einem graduellen Aufwärtstrend, charakterisiert durch höhere Tiefs. Sie testet derzeit Widerstandsniveaus, die Ende 2025 etabliert wurden. Der Relative-Stärke-Index (RSI) ist neutral, was Raum für Aufwärtsbewegungen lässt, ohne überkauft zu sein. Das stetige „Gebot“ durch die Aktienrückkäufe unter dem Preis fungiert als weicher Boden, der die Volatilität dämpft.

Wer hat die besseren Karten?

Die Entscheidung zwischen SoftBank und Prosus hängt letztlich von Ihrem Zeithorizont und Ihrem Risikoappetit ab.

Das Plädoyer für SoftBank (Die Zukunftswette):
Sie kaufen SoftBank, wenn Sie glauben, dass wir uns erst in den frühen Phasen einer KI-Revolution befinden, die die Weltwirtschaft umkrempeln wird. Sie kaufen im Grunde einen gehebelten ETF auf die Singularität. Wenn OpenAI das wertvollste Unternehmen der Welt wird und Arm die dominante Chip-Architektur bleibt, könnte SoftBank Vervielfacher-Renditen liefern. Allerdings müssen Sie das Risiko einer erheblichen Kapitalvernichtung akzeptieren, falls der aggressive Hebel nach hinten losgeht.

Das Plädoyer für Prosus (Das Value-Play):
Sie kaufen Prosus, wenn Sie Engagement im globalen Tech-Wachstum mit einer Sicherheitsmarge suchen. Sie erhalten Tencent – eines der besten Unternehmen der Welt – mit Rabatt, plus ein Portfolio von E-Commerce-Marktführern, die gerade die Kurve zur Profitabilität kriegen. Die „Bloisi-Doktrin“ aus Effizienz und Rückkäufen bietet einen vorhersehbaren Katalysator für Aktionärsrenditen. Es ist das sicherere, stetigere Spiel, auch wenn ihm das explosive „Unendlichkeits-Potenzial“ der ASI-Wette von SoftBank fehlt.

Fazit:
Im Februar 2026 ist SoftBank die Aktie für den Träumer, der bereit ist, für den nächsten Paradigmenwechsel alles zu riskieren. Prosus ist die Aktie für den Pragmatiker, der die Früchte der digitalen Ökonomie durch disziplinierte Exekution ernten will. Da SoftBanks Zahlen nur wenige Tage entfernt sind, ist Volatilität für den japanischen Riesen garantiert, während Prosus einen ruhigeren Hafen in der stürmischen Tech-See bietet.

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Über Dr. Robert Sasse 1461 Artikel

Dr. Robert Sasse: Ökonom, Unternehmer, Finanzexperte

Dr. Robert Sasse ist promovierter Ökonom, erfahrener Unternehmer und anerkannter Experte für Finanzmärkte. Mit über zwei Jahrzehnten Erfahrung in der Analyse von Aktienmärkten und wirtschaftlichen Zusammenhängen verbindet er wissenschaftliche Fundierung mit unternehmerischer Praxis. Er unterstützt Anleger, die langfristigen Vermögensaufbau und finanzielle Unabhängigkeit durch fundierte Strategien anstreben.

Werdegang und Erfahrung

Dr. Sasses Laufbahn ist geprägt von akademischer Exzellenz und praktischer Marktkenntnis. Er promovierte in Wirtschaftswissenschaften und hält einen Master of Science in Marketing und Sales sowie einen Abschluss als Betriebswirt. Bereits während und nach dem Studium sammelte er in renommierten Analystenhäusern und Unternehmen tiefgreifende Erfahrungen in der Bewertung von Aktien und Fonds.

Als Gründer und Geschäftsführer der YES Investmedia GmbH ist er unternehmerisch im Bereich der Finanzpublikationen tätig. Seine Expertise umfasst die Analyse komplexer wirtschaftlicher Themen wie demographischer Wandel oder globaler Markttrends sowie deren Auswirkungen auf die Finanzmärkte. Durch seine langjährige Tätigkeit hat er sich als Autor zahlreicher Analysen und Kommentare zu wirtschaftlichen und börsenrelevanten Themen etabliert.

Philosophie und Ansatz

Dr. Sasse ist überzeugt, dass eine freiheitlich-marktwirtschaftliche Ordnung die Basis für Wohlstand und Innovation ist. Er betrachtet Aktien als einen zentralen Baustein für finanzielle Unabhängigkeit und eine moderne Altersvorsorge. Seine Mission ist es, wirtschaftliche Zusammenhänge verständlich zu machen und Anlegern die Vorteile eines langfristigen, systematischen Vermögensaufbaus näherzubringen.

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