Ein Solarkonzern kehrt nach drei Jahren endlich in die operative Gewinnzone zurück – und der Aktienkurs bricht trotzdem ein. Genau das ist SolarEdge Technologies in dieser Woche passiert, und die Geschichte dahinter erzählt mehr über den Zustand der US-Solarbranche als jede einzelne Kennzahl für sich.

Am Mittwoch legte das Unternehmen Zahlen für das zweite Quartal 2026 vor. Der Umsatz kletterte auf 346,2 Millionen US-Dollar, ein Plus von 19,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. CEO Shuki Nir sprach von einer Rückkehr zur non-GAAP operativen Profitabilität – zum ersten Mal seit dem zweiten Quartal 2023. Die starke Nachfrage im gewerblichen und industriellen Segment in den USA habe die anhaltende Schwäche im privaten Wohnbereich mehr als ausgeglichen, so Nir.

Was die Anleger tatsächlich umtrieb, war jedoch der Ausblick. Für das dritte Quartal stellte SolarEdge einen Umsatz von 325 Millionen US-Dollar in Aussicht – der Analystenkonsens hatte mit 371,8 Millionen US-Dollar gerechnet. Die Guidance verfehlte die Erwartungen damit um 12,6 Prozent. Ein operativer Meilenstein trifft auf eine düstere Vorschau, und die Börse entschied sich für Letzteres als Maßstab.

Die Reaktion war brutal: Medienberichten zufolge stürzte die Aktie im US-Handel um rund 30 Prozent auf 33,90 US-Dollar ab. Auch im europäischen Handel setzte sich der Ausverkauf fort. Am Freitag schloss das Papier bei 27,45 Euro, ein Tagesminus von 2,83 Prozent. Binnen einer Woche summierte sich der Verlust auf 23,22 Prozent – ein Ausmaß, das selbst für eine ohnehin schwankungsanfällige Aktie ungewöhnlich ist.

Ein Rückgewinn mit Fragezeichen

Wer genauer hinschaut, erkennt schnell, warum der Markt der Gewinnmeldung misstraut. Die non-GAAP-Bruttomarge lag bei 28,6 Prozent, enthielt aber einen Sondereffekt von 13,3 Millionen US-Dollar aus einer Zollrückerstattung im Rahmen des IEEPA-Verfahrens. Für das dritte Quartal rechnet das Management ohne neue Rückerstattungen nur noch mit einer Marge zwischen 22 und 26 Prozent. Die Rückkehr zum Gewinn steht also zu einem erheblichen Teil auf dem Fundament eines einmaligen Zollbescheids, nicht auf einer nachhaltig verbesserten Kostenstruktur.

Gleichzeitig zeigt sich, wohin sich das Geschäft strukturell verschiebt: In Europa lieferte SolarEdge bereits Nexis-Dreiphasenprodukte im Wert von mehr als 60 Millionen US-Dollar aus, in den USA laufen erste Finanzierungsfreigaben für die gleiche Produktlinie an. Das US-Wohnimmobiliensegment bleibt schwach, während sich das Wachstum zu Gewerbe- und Industriekunden sowie ins Ausland verlagert – ein Muster, das die gesamte US-Solarbranche derzeit prägt.

Analysten uneins über den Boden

Die Reaktion der Analysten fiel entsprechend gespalten aus. Goldman Sachs senkte am Donnerstag sein Kursziel von 34 auf 30 US-Dollar und beließ es bei einer Verkaufsempfehlung. Mizuho kappte ebenfalls sein Ziel und bezeichnete den Margengewinn aus der Zollrückerstattung explizit als Ergebnis „schwacher Qualität“ – die Analysten verweisen zudem auf eine erwartete langsamere Erholung des US-Marktes und einen geringeren Wert der noch frühen Solid-State-Transformatoren-Technologie.

Auch Susquehanna, RBC Capital und Barclays kappten ihre Kursziele merklich, auf Marken zwischen 24 und 38 US-Dollar, blieben aber bei neutralen beziehungsweise ausgewogenen Einstufungen. Einen Gegenpol setzte TD Cowen: Das Haus senkte sein Ziel von 85 auf 75 US-Dollar, hielt aber an seiner Kaufempfehlung fest – ein Hinweis darauf, dass nicht alle Beobachter die aktuelle Schwäche als strukturell einstufen.

Alte Klagen, neue Sorgen

Als wäre die operative Gemengelage nicht genug, holt SolarEdge zudem die Vergangenheit ein. Ein Vergleich über 55 Millionen US-Dollar soll Betrugsvorwürfe rund um Aktienkäufe zwischen dem 13. Februar und dem 19. Oktober 2023 beilegen. Betroffene Anleger können ihre Ansprüche noch bis zum 17. August anmelden, die gerichtliche Anhörung zum Vergleich ist für den 24. August angesetzt.

Damit steht SolarEdge an einem doppelten Scheideweg: operativ zwischen einem fragilen Turnaround und einer enttäuschten Wall Street, rechtlich zwischen einem Kapitel aus 2023, das sich gerade erst schließt, und einer Gegenwart, die neue Zweifel weckt. Reicht ein einmaliger Zollbonus, um aus einer strukturellen Delle im US-Geschäft wieder tragfähiges Wachstum zu machen? Die Antwort darauf dürfte sich erst in den kommenden Quartalen zeigen, wenn die Sondereffekte auslaufen und die reine Nachfrage nach Wechselrichtern und Speichertechnik übrig bleibt.