Solidion Technology bessert seine Offerte für die Vermögenswerte von Polar Power nicht nach. Der Vorstand des Anbieters von Energielösungen hatte das reine Barangebot zuvor zurückgewiesen. Das Management von Solidion begründet das Festhalten an der ursprünglichen Bewertung mit der prekären Finanzlage des Zielunternehmens, dessen Fortbestand nach Einschätzung der eigenen Wirtschaftsprüfer gefährdet ist.
Solidion-Chef Jaymes Winters betonte, das Kaufangebot beruhe auf disziplinierter Finanzmodellierung und einer strikten Prüfung der Vermögenswerte. Man werde nicht zu viel bezahlen, nur um einen Abschluss zu erzwingen. Winters stuft Polar Power als Unternehmen in schwerer Schieflage ein, dessen Aktionären zunehmend Verwässerung drohe.
Schrumpfende Liquidität und rote Zahlen
Der Blick in die Bücher des Übernahmeziels stützt die harte Haltung. Im ersten Halbjahr bis Ende Juni 2026 verzeichnete Polar Power einen operativen Mittelabfluss von rund 2,2 Millionen Dollar. Der Nettoverlust belief sich im selben Zeitraum auf etwa 2,0 Millionen Dollar. Zum Stichtag lag der Kassenbestand bei lediglich 183.000 Dollar.
Um den laufenden Betrieb aufrechtzuerhalten, griff Polar Power zu kostspieligen Finanzierungsschritten. Ende Juli sicherte sich das Unternehmen eine Eigenkapitalfazilität über bis zu 25 Millionen Dollar. Parallel dazu wurden Wandelanleihen begeben, deren Umtauschkonditionen an den Börsenkurs gekoppelt sind. Sollten diese Papiere bei Fälligkeit nicht getilgt werden, droht die Wandlung zum niedrigeren Wert aus 80 Prozent des volumengewichteten Fünftagedurchschnitts oder 1,00 Dollar je Aktie.
Die jüngste Umwandlung von Verbindlichkeiten gegenüber dem Vorstandschef in Höhe von rund 614.700 Dollar in Vorzugsaktien verschafft zwar bilanziell Luft. Sie bringt dem Unternehmen jedoch keine frische Liquidität für das operative Geschäft ein.
Frist der Nasdaq läuft ab
Erschwerend kommt der regulatorische Druck von der Börse hinzu. Die Technologiebörse Nasdaq beanstandete bereits Ende 2025, dass Polar Power mit einem ausgewiesenen Eigenkapital von nur rund 144.000 Dollar die Mindestanforderungen für eine Notierung verfehle. Die Prüfer des Unternehmens äußerten im Bericht zum zweiten Quartal erhebliche Zweifel an der Fortführungsfähigkeit.
Polar Power verbleibt nun wenig Spielraum: Bis zum 28. Oktober 2026 muss das Unternehmen der Nasdaq nachweisen, dass die Eigenkapitalvorgaben wieder erfüllt werden, um ein Delisting abzuwenden. Ob es vor Ablauf dieser Frist noch zu Verhandlungen mit Solidion kommt, ist völlig offen – eine bindende Vereinbarung existiert bislang nicht.
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