Der erste Rausch ist vorbei. SpaceX-Aktien gaben am Montag im vorbörslichen Handel um rund 3,5 bis über 5 Prozent nach und notierten dabei um die 177 bis 178 Dollar. Vom IPO-Preis bei 135 Dollar ist das Papier jedoch noch weit entfernt.

KeyBanc bremst die Erwartungen

Ausgerechnet zum Beginn der Konsolidierung startete KeyBanc mit einer Erstbewertung — und wählte bewusst die Mitte. Analyst Michael Leshock vergab ein neutrales „Sector Weight“-Rating. Seine Begründung: Das Chance-Risiko-Verhältnis sei bei aktuellen Kursen ausgewogen. KeyBanc erkennt SpaceX zwar als dominanten Marktführer im Raketengeschäft an. Starlink treibe profitables Wachstum. Allerdings spiegele die aktuelle Marktbewertung von rund 2,44 Billionen Dollar bereits einen Großteil des erwarteten Wachstums wider.

Der breitere Wall-Street-Konsens bleibt bei „Moderate Buy“, mit einem durchschnittlichen Kursziel von 235,25 Dollar. Marktbeobachter wie Jim Cramer sehen den anfänglichen Meme-Aktien-Schwung der ersten Handelstage allerdings als weitgehend erschöpft an.

Institutionelle kaufen, Retail zieht sich zurück

Das Bild am Markt ist gespalten. Retail-Käufe brachen von über 300 Millionen Dollar in den ersten drei Handelssitzungen auf nur noch 9,1 Millionen Dollar am 18. Juni ein. Währenddessen kaufte ARK Invest kräftig zu: Cathie Woods ARK Innovation ETF erwarb am 21. Juni rund 1,69 Millionen Aktien. Das entspricht etwa 2,12 Prozent des Fondsportfolios — eine klare Wette auf SpaceX als KI- und Orbital-Infrastrukturkonzern.

Anleihen, KI und eine Billionen-Rechnung

SpaceX plant eine Anleiheemission von mindestens 20 Milliarden Dollar. Das Geld soll in KI-Rechenzentren und orbitale Infrastruktur fließen — sowie in die Refinanzierung von Brückenkrediten aus jüngsten Akquisitionen. Die größte davon: die 60-Milliarden-Dollar-Übernahme des KI-Startups Anysphere, Entwickler des Coding-Assistenten Cursor. Der Deal soll im dritten Quartal 2026 abgeschlossen werden. KI soll langfristig über 90 Prozent des adressierbaren Markts des Unternehmens ausmachen.

Die Kapitalbedürfnisse sind enorm. Goldman Sachs, Evercore ISI und Oppenheimer rechnen damit, dass die Investitionsausgaben bis 2031 die Marke von einer Billion Dollar übersteigen könnten. Oppenheimer erwartet, dass die Nettoverschuldung von derzeit rund 13 Milliarden Dollar auf über 400 Milliarden Dollar innerhalb von fünf Jahren steigt.

Das Kreditrating bleibt vorerst im Investment-Grade-Bereich: BBB von S&P, BBB+ von Fitch und Baa1 von Moody’s. MSCI hingegen vergab ein „CCC“-ESG-Rating — mit Verweis auf mangelnde Governance-Transparenz und die Umweltbelastung durch häufige Raketenstarts.