SpaceX hat eine der volatilsten Handelswochen seit dem Börsengang hinter sich – und schließt sie mit einer kräftigen Erholung ab. Am Freitag legte die Aktie um 15,66 Prozent auf 115,14 Euro zu, nach einem Wochengewinn von 15,84 Prozent. Damit hat sich das Papier deutlich von seinem 52-Wochen-Tief bei 91,04 Euro (erreicht am 3. August) entfernt und liegt inzwischen 26,47 Prozent darüber. Zum bisherigen Jahreshoch von 194,46 Euro bleibt allerdings weiterhin ein großer Abstand von rund 40 Prozent.
Zahlen übertreffen Erwartungen, Kurs bricht trotzdem ein
Ausgangspunkt der Turbulenzen waren die ersten Quartalszahlen von SpaceX als börsennotiertes Unternehmen. Der Umsatz im zweiten Quartal 2026 kletterte um 92 Prozent auf 7,8 Milliarden Dollar und lag damit klar über dem Konsens von 6,9 Milliarden Dollar. Der Verlust pro Aktie fiel mit 0,09 Dollar deutlich geringer aus als die von Analysten erwartete Marke von 0,26 Dollar. Das bereinigte EBITDA verdreifachte sich nahezu auf 3,5 Milliarden Dollar, ein Plus von 191 Prozent. Dennoch verbuchte SpaceX unter dem Strich einen Nettoverlust von 541 Millionen Dollar.
Trotz der überraschend guten Kennzahlen reagierte die Aktie zunächst negativ. Nach der Veröffentlichung am 4. August fiel der Kurs zeitweise um bis zu 14 Prozent, Elon Musk verlor laut Forbes an einem einzigen Tag rund 87 Milliarden Dollar seines Nettovermögens. Grund für die Verkaufswelle waren die massiven Investitionsausgaben: SpaceX gab im Quartal 18,4 Milliarden Dollar für Capex aus, davon allein 15,8 Milliarden Dollar für KI-Infrastruktur. Parallel kündigten SpaceX und Tesla an, gemeinsam zunächst 16,8 Milliarden Dollar in den Chipkomplex „Terafab“ in Grimes County, Texas, zu investieren – mit einer Gesamtfläche von mehr als 100 Millionen Quadratfuß und einem möglichen späteren Ausbau auf bis zu 119 Milliarden Dollar.
Analysten uneins, Lockup ohne Verkaufsdruck
Die Reaktion der Wall Street fiel gespalten aus. Argus Research stufte SpaceX am 7. August von Hold auf Buy hoch und setzte ein Kursziel von 160 Dollar – begründet mit dem starken KI-Umsatzwachstum von 247 Prozent auf 2,56 Milliarden Dollar sowie neuen Cloud-Aufträgen von 14,1 Milliarden Dollar im zweiten Quartal und weiteren 6,7 Milliarden Dollar zu Beginn des dritten Quartals. Morgan-Stanley-Analyst Adam Jonas sieht das Papier sogar bei bis zu 300 Dollar, gestützt auf das KI-Wachstum und die Starlink-Expansion. Piper Sandler bleibt dagegen neutral und nennt ein Kursziel von 140 Dollar.
Für zusätzliche Nervosität sorgte die erste Lockup-Freigabe am 6. August, bei der 911,5 Millionen Aktien handelbar wurden – ein Sprung des Streubesitzes von 4,9 auf 11,8 Prozent. Anders als von vielen Beobachtern erwartet, blieb der befürchtete Verkaufsdruck aus: Die Aktie legte an diesem Tag sogar um 6,14 Prozent zu, bei einem gegenüber dem Drei-Monats-Schnitt um 109 Prozent erhöhten Handelsvolumen. Der Short-Interest-Anteil am Streubesitz stieg dennoch auf 36 Prozent, ein Hinweis darauf, dass ein Teil des Marktes weiterhin auf fallende Kurse setzt.
Starlink treibt das Wachstum
Während das KI-Geschäft operativ noch Verluste von 1,3 Milliarden Dollar einfährt, liefert die Satellitensparte Starlink bereits solide Gewinne. Die Abonnentenzahl verdoppelte sich binnen eines Jahres auf 12 Millionen, der operative Gewinn lag bei 1,66 Milliarden Dollar. Die Konnektivitätserlöse wuchsen um 66 Prozent auf 4,29 Milliarden Dollar. Investor David Friedberg bezeichnete Starlink als „Cash-Maschine“ mit einem möglichen Jahresumsatzpotenzial von 40 Milliarden Dollar. Musk selbst ging in seiner Reaktion noch weiter und stellte Erlöse von über 500 Milliarden Dollar in Aussicht, sollte Starlink außerhalb Chinas ein Viertel des Kommunikationsmarktes erobern – bei einem Anteil von mehr als der Hälfte des weltweiten Internetverkehrs seien sogar über eine Billion Dollar möglich.
Das Management bekräftigte sein Ziel, bis Ende 2026 eine annualisierte Umsatzrate von 100 Milliarden Dollar zu erreichen. Angesichts einer Marktkapitalisierung von umgerechnet 1.516,79 Milliarden Euro und einer annualisierten 30-Tage-Volatilität von knapp 90 Prozent bleibt die Bewertung ambitioniert. Die jüngste Erholung zeigt zwar, dass Anleger dem langfristigen Wachstumspfad von KI-Infrastruktur und Starlink vertrauen – die hohen Investitionsausgaben und der wachsende Schuldenberg dürften die Kursschwankungen aber vorerst begleiten.
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