Nach einem turbulenten Börsendebüt steht SpaceX vor einer unbequemen Wahrheit: Die Aktie notiert weit unter ihrem Eröffnungshoch, und der erste kritische Analystenkommentar seit dem IPO stellt die Bewertung grundsätzlich infrage.

Argus setzt ein Fragezeichen

Argus Research initiierte die Aktie am 26. Juni mit einem Hold-Rating — ohne Kursziel. Analyst Steve Silver begründete die Zurückhaltung mit der Bewertung zum Börsengang: rund das 95-Fache des für 2025 erwarteten Umsatzes, bei fehlender nachhaltiger Profitabilität. Silver warnte, dass eine Normalisierung der Bewertung Jahre dauern könnte.

Das steht im Kontrast zur breiteren Analystengemeinde. Aus zehn Einschätzungen ergibt sich ein Konsens von Kaufen und ein durchschnittliches Kursziel von 187,80 Dollar.

Eine Woche, die es in sich hatte

SpaceX schloss am 18. Juni noch bei 185,00 Dollar. Bis Freitag, den 26. Juni, fiel die Aktie auf 153,23 Dollar — ein Rückgang von rund 17 Prozent in einer verkürzten Handelswoche.

Den schärfsten Einbruch gab es am Montag, dem 22. Juni: minus 16,4 Prozent auf 154,60 Dollar bei einem Volumen von 169,2 Millionen Aktien. Danach stabilisierte sich der Kurs zwischen 153 und 156 Dollar.

Gemessen am IPO-Preis von 135 Dollar liegt die Aktie noch immer rund 13,5 Prozent im Plus. Allerdings notiert sie unter dem Schlusskurs des ersten Handelstages von 160,95 Dollar.

Index-Nachfrage als Gegengewicht

Zwei Indexaufnahmen könnten kurzfristig mechanische Kauforders auslösen. Nasdaq gab am 26. Juni bekannt, dass SpaceX ab dem 7. Juli Bestandteil des Nasdaq-100 wird. Mehr als 200 Anlageprodukte mit einem verwalteten Vermögen von über 800 Milliarden Dollar bilden diesen Index ab.

FTSE Russell nahm SpaceX zeitgleich in die Russell US Indexes auf — darunter den Russell 1000 und den Russell Top 200. Die Marktkapitalisierung lag zum Wochenschluss bei rund 2,02 Billionen Dollar.

Passive Indexfonds müssen die Aktie kaufen. An der Bewertungsfrage ändert das nichts.

Operatives Geschäft läuft, Markt zweifelt

Das operative Tempo bleibt hoch. Am 24. Juni startete eine Falcon 9 von der Vandenberg Space Force Base mit 24 Starlink-Satelliten — der 74. Falcon-9-Start im Jahr 2026 und der 59. Starlink-Einsatz des Jahres.

Kein Wunder, dass Bullen auf die Wachstumsdynamik verweisen. Allerdings lautet die eigentliche Frage, ob Startfrequenz und Satelliten-Breitband das aktuelle Bewertungsniveau rechtfertigen können — und genau hier setzt die Argus-Einschätzung an.

Technische Orientierungspunkte

Die kurze Börsengeschichte seit dem 12. Juni lässt klassische gleitende Durchschnitte noch nicht zu. Als kurzfristige Unterstützung gilt der Bereich um 150 Dollar, wo die Aktie am Donnerstag und Freitag ihre Tagestiefs markierte. Darunter liegt ein weiterer Referenzpunkt bei 147,11 Dollar. Nach oben beginnt Widerstand bei rund 158 bis 161 Dollar; das Monatshoch vom Montag bei 176,75 Dollar wäre die nächste größere Hürde.

Die Nasdaq-100-Aufnahme am 7. Juli liefert einen konkreten Termin, an dem passive Nachfrage sichtbar werden sollte. Ob das ausreicht, um die Bewertungsdiskussion zu überlagern, bleibt das zentrale Spannungsfeld der kommenden Handelswoche.