SpaceX hat am Mittwoch die ersten Quartalszahlen seit dem Börsengang vorgelegt – und die Reaktion der Anleger fiel eindeutig aus. Die Aktie brach im Handel um 8,09 Prozent auf 100,00 Euro ein. Damit nähert sich das Papier wieder seinem 52-Wochen-Tief, von dem es nur noch 9,84 Prozent entfernt notiert. Der Kurseinbruch kommt trotz eines Quartalsberichts, der auf den ersten Blick deutlich besser ausfiel als von Analysten erwartet.

Im zweiten Quartal 2026 steigerte SpaceX den Umsatz um 92 Prozent auf 7,8 Milliarden Dollar und übertraf damit die Konsensschätzungen von rund 6,8 bis 6,9 Milliarden Dollar klar. Der Nettoverlust belief sich auf 541 Millionen Dollar beziehungsweise 9 Cent pro Aktie – deutlich weniger, als Analysten befürchtet hatten, die teilweise von einem Fehlbetrag im Milliardenbereich ausgegangen waren. Der operative Verlust schrumpfte gegenüber dem Vorjahreswert von 970 Millionen Dollar auf 143 Millionen Dollar.

KI-Investitionen schrecken Anleger auf

Der Grund für den Kursrutsch liegt in den Investitionsplänen des Unternehmens. Die Kapitalausgaben schnellten im Quartal auf 18,4 Milliarden Dollar hoch – rund das Sechsfache des Vorjahreswerts. Allein 15,8 Milliarden Dollar davon flossen in Künstliche-Intelligenz-Infrastruktur und lagen damit über den von Analysten erwarteten 13,2 Milliarden Dollar. Konzernchef Elon Musk begründete die hohen Ausgaben unter anderem mit steigenden Preisen für Speicherchips, da das Angebot mit der explodierenden KI-Nachfrage nicht Schritt halte. Musk bekräftigte zugleich das ehrgeizige Ziel, bis 2030 einen Jahresumsatz von einer Billion Dollar zu erreichen – ein Jahr früher als zuletzt kommuniziert. Bis Jahresende soll ein annualisierter Umsatz von 100 Milliarden Dollar erreicht werden.

Starlink und KI-Geschäft wachsen kräftig

Operativ lieferte SpaceX durchaus überzeugende Zahlen. Der Starlink-Umsatz kletterte um 66 Prozent auf 4,29 Milliarden Dollar, die Zahl der Abonnenten verdoppelte sich binnen eines Jahres auf 12 Millionen. Das KI-Geschäft wuchs sogar um 247 Prozent auf 2,56 Milliarden Dollar, während der klassische Raumfahrtbereich um 29 Prozent auf 962 Millionen Dollar zulegte. Der Finanzvorstand des Unternehmens verteidigte die hohen Investitionen mit dem Hinweis, die Amortisationszeit für die KI-Ausgaben liege unter einem Jahr, und stellte für die kommenden beiden Quartale ein ähnlich hohes Investitionsniveau in Aussicht.

Lockup-Ablauf verschärft den Druck

Zusätzliche Unsicherheit bringt der Ablauf der Haltefrist für Insider-Aktien am morgigen Donnerstag. Rund 911,5 Millionen Aktien werden dann handelbar – etwa 20 Prozent der bislang gesperrten Anteile. Das ist ein Vielfaches des aktuellen frei handelbaren Bestands von weniger als 280,1 Millionen Aktien. Der Börsengang im Juni hatte mit 86 Milliarden Dollar das größte Debüt der Geschichte markiert, die Erstnotiz erfolgte zum Preis von 135 Dollar pro Aktie an der Nasdaq unter dem Kürzel SPCX.

Die Analysten reagierten uneinheitlich auf die Kombination aus starkem Umsatz und hohen KI-Ausgaben. Piper Sandler senkte das Kursziel von 156 auf 140 Dollar und stufte die Aktie auf „Neutral“ zurück – als Begründung nannte das Haus die durch den Lockup-Ablauf erhöhte Aktienzahl sowie die Aussicht auf Kapitalausgaben von rund 65 Milliarden Dollar im Jahr 2027. Andere Häuser blieben deutlich optimistischer und siedeln ihre Kursziele je nach Risikobereitschaft zwischen 200 und 800 Dollar an. Für die Aktie bedeutet das: Die fundamentale Wachstumsstory bleibt intakt, doch der Markt bepreist derzeit vor allem die Risiken aus dem massiven KI-Investitionsprogramm und dem drohenden Angebotsschub durch die auslaufende Haltefrist.