Die SpaceX-Aktie gerät auch am Ende dieser Woche nicht zur Ruhe. Am deutschen Handelsplatz schloss das Papier am Freitag bei 101,18 Euro, ein Minus von 2,60 Prozent. Auf 30-Tage-Sicht steht ein Rückgang von 25,71 Prozent zu Buche, der RSI-Wert von 33,9 signalisiert eine überverkaufte Marktlage. Im US-Handel schloss die Aktie am Freitag bei 115,07 Dollar und rutschte damit erneut unter den Ausgabepreis von 135 Dollar, zu dem SpaceX Mitte Juni an die Börse gegangen war.
Booster-Problem überschattet erfolgreichen Satellitenstart
Auslöser der jüngsten Verkaufswelle war der 13. Testflug des Starship-Systems am Donnerstag. Die Oberstufe setzte erfolgreich 20 Satelliten der neuen Starlink-V3-Generation aus und wasserte weich und intakt im Indischen Ozean – nach Angaben mehrerer Berichte das erste Mal, dass ein Starship-Oberstufenmodul eine Wasserlandung überstand. Der Super-Heavy-Booster hingegen konnte beim Landeanflug nicht alle Triebwerke wieder zünden und setzte hart im Golf auf. Es war bereits der zweite Booster-Fehlschlag bei einem V3-Flug. Vor dem Start hatte SpaceX sechs Triebwerke ausgetauscht, nachdem ein erster Versuch am 16. Juli wegen eines Triebwerksausfalls abgebrochen worden war; ein weiterer Anlauf verzögerte sich wetterbedingt. Nach eigenen Angaben strebt SpaceX bis Jahresende die vollständige Wiederverwendbarkeit des Systems an, in dessen V3-Version bislang mehr als 15 Milliarden Dollar investiert wurden.
Erste Quartalszahlen und Lockup-Ende rücken näher
Anleger blicken bereits auf zwei kommende Termine, die den Kurs zusätzlich unter Druck setzen könnten. Am 4. August legt SpaceX seinen ersten Quartalsbericht seit dem Börsengang vor. Nur zwei Tage später, am 6. August, endet die reguläre Haltefrist für 911,5 Millionen Aktien – ein Volumen, das laut Berichten den gesamten Streubesitz aus dem Börsengang übersteigt. Eine weitere, an Kursbedingungen geknüpfte Freigabe von 455,8 Millionen Aktien würde voraussetzen, dass das Papier vor dem Berichtstermin an fünf von zehn Handelstagen über 175,50 Dollar notiert – bei Kursen deutlich unter 120 Dollar gilt dieses Szenario als unwahrscheinlich. Parallel dazu ist die Zahl der Leerverkaufspositionen zuletzt spürbar gestiegen: Nach Angaben vom 21. Juli kletterte das Short-Interest auf rund 206 Millionen Aktien, das entspricht etwa 32 Prozent des Streubesitzes und einem Marktwert von rund 25 Milliarden Dollar. Musk kommentierte die wachsenden Wetten gegen sein Unternehmen unverblümt: Die Überlebenswahrscheinlichkeit von Firmen mit großen Short-Positionen gegen SpaceX sei sehr gering.
Analysten uneins über den fairen Wert
Die Einschätzungen am Markt gehen weit auseinander. Morgan-Stanley-Analyst Adam Jonas hält an einem Kursziel von 300 Dollar fest und sieht in der aktuellen Schwäche eine Kaufgelegenheit – mehr als die Hälfte seines Kursziels begründet er mit dem KI-Geschäft rund um Grok und die kürzlich übernommene Software-Firma Cursor. Fiele die Aktie bis auf 100 Dollar, würde der Markt das gesamte KI-Geschäft rechnerisch mit null bewerten, so Jonas. Rund vier von fünf Analysten stufen die Aktie insgesamt mit Kauf ein, das durchschnittliche Kursziel liegt bei etwa 232 Dollar. Gegen diesen Konsens stellte sich am Freitag das Analysehaus Wall Street Zen, das seine Einstufung von „Halten“ auf „Verkaufen“ senkte.
Bewertung bleibt trotz Kursverlusten hoch
Trotz des Kursrutsches gilt SpaceX weiterhin als ambitioniert bewertet: Bei einem Umsatz von weniger als 19 Milliarden Dollar entspricht die Marktkapitalisierung von zuletzt umgerechnet 1.335,07 Milliarden Euro etwa dem 85-Fachen des Jahresumsatzes. Für das laufende Jahr plant das Unternehmen Investitionen von rund 40 Milliarden Dollar, profitabel ist SpaceX bislang nicht. Zusätzliche Fantasie – aber auch Verwässerungsrisiko – bringt Spekulationen über eine mögliche Fusion mit Tesla ins Spiel, die Musk beim Tesla-Quartalsbericht am 22. Juli angedeutet hatte. Durch den parallelen Kursverfall beider Werte hätte SpaceX inzwischen deutlich mehr eigene Aktien ausgeben müssen als noch vor Wochen, um Tesla zu übernehmen – ein Umstand, der ein solches Szenario für SpaceX-Aktionäre zunehmend unattraktiv macht.
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