SpaceX kommt nicht zur Ruhe. Nach dem 13. Testflug der Starship-Rakete und einer düsteren Analystenwarnung zur KI-Bewertung ist die Aktie des Raumfahrtkonzerns tief in den Korrekturmodus gerutscht. Am Freitag schloss das Papier bei 101,18 Euro, ein Minus von 2,60 Prozent an einem einzigen Handelstag. Auf Monatssicht steht ein Verlust von 25,71 Prozent zu Buche – ein Ausmaß, das die Debatte um die Bewertung des Unternehmens neu entfacht.
Starship-Flug Nummer 13 verläuft mit gemischter Bilanz
Am Donnerstagabend hob die 407 Fuß hohe Super-Heavy-Starship-Kombination vom Starbase-Gelände in Texas ab. Wie AP News berichtete, setzte die Oberstufe erstmals 20 funktionsfähige Starlink-V3-Satelliten aus und führte anschließend eine kontrollierte Wasserung im Indischen Ozean durch. SpaceNews beschrieb die Landung als intakt, nachdem ein 14-sekündiges Wiederzünden der Raptor-Triebwerke im All gelungen war. CBS News und Reuters bestätigten, dass sechs der Satelliten mit Kameras ausgestattet waren, um den Zustand des Hitzeschilds zu dokumentieren – nach eigenen Angaben von SpaceX die „weichste Wasserung“ der Ship-Testreihe bislang.
Weniger glatt lief es beim Booster: Von 13 Triebwerken zündeten für die Landung nur ein Bruchteil erneut, die Folge war eine harte Wasserung im Golf von Mexiko. The Times of India ordnete das Manöver in den Kontext vorheriger Verzögerungen ein – der Start war ursprünglich für den 16. Juli angesetzt, wurde aber wegen eines Triebwerksabbruchs und später wegen des Tropensturms Bertha verschoben. Laut CNBC handelte es sich um den ersten Starship-Test seit dem Börsengang des Unternehmens. Die NASA beobachtet das Programm laut CBS News weiter im Hinblick auf den Einsatz von Starship als Mondlander für die Artemis-Mission, während ein Bericht des US-Rechnungshofs GAO Risiken bei Treibstoffübergabe und Triebwerksentwicklung anmahnt.
Morgan Stanley: Kurs von 100 Dollar würde KI-Sparte auf null setzen
Parallel zum Raketentest sorgte eine Einschätzung von Morgan Stanley für Wirbel. Analyst Adam Jonas rechnete vor, dass ein Aktienkurs von 100 US-Dollar am Markt faktisch keinerlei Wert für das KI-Geschäft von SpaceX unterstellen würde – bei einem Kurs, der laut US-Handelsdaten zeitweise bis auf 110,85 Dollar gefallen war. Jonas hält trotz der Talfahrt an seinem Kursziel von 300 Dollar fest und begründet dies mit einem KI-Anteil von mehr als der Hälfte des von ihm veranschlagten Unternehmenswerts. Morgan Stanley geht laut eigener Schätzung von KI-Erlösen von rund 190 Milliarden Dollar bis 2030 aus.
Nicht alle Häuser teilen diesen Optimismus. HSBC startete die Coverage mit einem Hold-Rating und einem Kursziel von 115 Dollar und musste dafür, wie berichtet wurde, von klassischen Bewertungsmethoden abweichen und stattdessen eine Summe-der-Teile-Rechnung mit einem Aufschlag für Elon Musk ansetzen. Insgesamt bewerten rund 80 Prozent der Analysten die Aktie weiterhin mit Kaufempfehlungen, das durchschnittliche Kursziel liegt Berichten zufolge im Bereich von 232 bis 239 Dollar – eine Spanne, die die Unsicherheit über die richtige Bewertung des jungen Börsenwerts unterstreicht.
Lock-up-Ablauf und erste Quartalszahlen als nächste Belastungsprobe
Die eigentliche Nervosität am Markt speist sich aus zwei bevorstehenden Terminen. Am 6. August läuft die erste Sperrfrist für Altaktionäre aus, wodurch nach Berichten bis zu 911,5 Millionen Aktien handelbar werden könnten. Morningstar erwartet demnach eine Verkaufswelle, sobald Frühinvestoren ihre Positionen liquidieren dürfen. Zusätzliche Tranchen von jeweils rund sieben Prozent sollen Ende August und Anfang September folgen. Nur zwei Tage vor dem Lock-up-Ende, am 4. August, legt SpaceX zudem seine ersten Quartalszahlen als börsennotiertes Unternehmen vor – Schätzungen gehen von einem Umsatz um 6,8 Milliarden Dollar und einem Verlust von 0,22 Dollar je Aktie aus.
Auch die Kapitalstruktur großer Anteilseigner rückt in den Fokus: Alphabet bezifferte seinen SpaceX-Anteil in einer Offenlegung zum zweiten Quartal auf 94,1 Milliarden Dollar, wovon rund 80 Milliarden Dollar kurzfristig gesperrt sind und weitere 14,1 Milliarden Dollar bis ins dritte Quartal 2027 hinein gebunden bleiben. Der Google-Mutterkonzern verbuchte daraus einen nicht realisierten Gewinn von 99 Milliarden Dollar, kann derzeit aber keine einzige Aktie verkaufen.
Zusätzliche Fantasie – und Unsicherheit – liefert die Spekulation um eine mögliche Fusion mit Tesla. Musk hatte bei der Tesla-Telefonkonferenz von „immer mehr Überschneidungen“ beider Unternehmen gesprochen, etwa über das gemeinsame Chip-Projekt Terafab, ohne eine Zusammenlegung auszuschließen. Mit einem RSI von 33,9 signalisiert die Aktie inzwischen eine überverkaufte Lage, während die Schwankungsbreite mit einer annualisierten Volatilität von rund 67 Prozent auf ein weiterhin nervöses Handelsumfeld bis zu den beiden Schlüsselterminen im August hindeutet.
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