Mit 2,65 Billionen Dollar Marktkapitalisierung hat SpaceX Amazon überholt und Microsoft kurzzeitig herausgefordert. Das klingt nach einer Erfolgsstory. Die Zahlen dahinter erzählen eine andere Geschichte.
Milliardenverluste, Billionenbewertung
Im Geschäftsjahr 2025 erzielte SpaceX 18,7 Milliarden Dollar Umsatz — und schrieb dabei knapp 4,9 Milliarden Dollar Verlust. Amazon, das SpaceX in der Marktkapitalisierung nun hinter sich lässt, kam im selben Jahr auf 717 Milliarden Dollar Umsatz. Der Abstand ist enorm.
Investor Michael Burry, bekannt für seine Wetten gegen den Immobilienmarkt 2008, bezeichnet SpaceX bei aktuell rund 2,8 Billionen Dollar Bewertung als „kleines Raumfahrtunternehmen“ und „Nischen-Telekommunikationsanbieter“. Er zieht Parallelen zur Dotcom-Blase — lehnt eine Short-Position aber ab, weil Put-Optionen schlicht zu teuer sind.
Retailanleger treiben den Kurs
Seit dem Börsengang zu 135 Dollar ist die Aktie um rund 56 Prozent gestiegen. Den Treiber liefern vor allem Privatanleger. Am 16. Juni allein flossen 93 Millionen Dollar Nettokäufe von Retailinvestoren in SpaceX — das entsprach 73 Prozent aller Einzelaktien-Käufe dieser Gruppe an diesem Tag.
Analysten wie Charlie Bilello von Creative Planning warnen vor einer Meme-Stock-Dynamik, vergleichbar mit den Verwerfungen von 2021. CFRA-Analyst Keith Snyder hält an seinem Verkaufsurteil fest und setzt das Kursziel auf 115 Dollar — ein implizites Abwärtspotenzial von 46 Prozent gegenüber dem aktuellen Niveau.
Knappes Angebot, große Risiken
Nur vier bis fünf Prozent der SpaceX-Aktien befinden sich im freien Umlauf. Diese Knappheit verstärkt die Kursbewegungen erheblich und begünstigt laut Marktbeobachtern einen sogenannten Gamma-Squeeze — besonders seit dem Start des Optionshandels.
Institutionelle Investoren bewerten das Unternehmen deutlich konservativer:
- Morningstar: Fairer Wert bei 62 bis 63 Dollar je Aktie
- Oppenheimer: Kursziel 190 Dollar
- KGI: Bullischsches Ziel von 227 Dollar, gestützt auf langfristiges Wachstum
Der eigentliche Stresstest kommt im August und September 2026. Dann laufen die ersten Lock-up-Perioden für frühe Investoren und Mitarbeiter ab. Mehr als zehn Milliarden Aktien könnten auf den Markt strömen. Im ersten Quartal 2026 verbrannte SpaceX bereits 4,28 Milliarden Dollar — für den Ausbau der Starlink-Konstellation und KI-Infrastruktur. Ob der Kurs diesen Angebotsschock verkraftet, wird sich spätestens im Herbst zeigen.
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