SpaceX baut in Louisiana den nach eigenen Angaben größten Weltraumbahnhof der Welt. Die Ankündigung des 100-Milliarden-Dollar-Projekts sorgt diese Woche für Bewegung bei Analysten, die die Bewertung des Raumfahrt- und KI-Konzerns nach der Investition neu einordnen.

Starbase Louisiana als Wachstumstreiber

Gemeinsam mit Louisianas Gouverneur Jeff Landry stellte SpaceX am Dienstag Pläne für „Starbase Louisiana“ in Vermilion Parish vor. Auf einem rund 500 Quadratkilometer großen Gelände bei Pecan Island sollen fünf Startkomplexe mit zehn Starttischen sowie Anlagen zur Treibstoffproduktion und Energieerzeugung entstehen.

Der Baubeginn ist für 2027 vorgesehen, der Betrieb soll um das Jahr 2030 starten. Elon Musk rechnet dann mit mehr als 30 Starts pro Tag. Lokale Behörden erwarten mehr als 3.000 direkte Arbeitsplätze mit einem Durchschnittsgehalt von 92.000 Dollar, dazu eine Zahlung von 850 Millionen Dollar an den Bezirk trotz gewährter Steuerbefreiungen.

In Lafayette hoffen Verantwortliche zudem, dass das Projekt den Ausbau der Verkehrsanbindung I-49 beschleunigt, für die allerdings noch zwei Milliarden Dollar Finanzierung fehlen. Parallel dazu hat die Umweltprüfung für das Vorhaben begonnen – Kritiker aus der Region verweisen auf ökologische Bedenken und rechtliche Sonderregelungen.

Morgan Stanley bewertet die Aktie nach der Ankündigung als „attraktiv bewertet“ und bekräftigte damit seine positive Einschätzung des Konzerns. Die Bank sieht in der Spaceport-Investition einen Beleg für die Kapazitätserweiterung, die künftiges Umsatzwachstum stützen soll.

Bewertungsspanne bleibt außergewöhnlich weit

Die Einschätzungen zum fairen Wert von SpaceX klaffen derzeit stark auseinander. Morgan Stanley nennt ein Kursziel von 300 Dollar, JPMorgan sieht die Aktie bei 240 Dollar und begründet dies mit dem KI-Wachstum rund um Grok und Cursor sowie einem Quartalsumsatz von 7,81 Milliarden Dollar, ein Plus von 92 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Am anderen Ende der Skala steht Morningstar: Die Analysten dort taxieren den fairen Wert auf lediglich 780 Milliarden Dollar und damit deutlich unter der privaten Marktbewertung von 1,5 bis 1,8 Billionen Dollar, mit der Musk zuletzt ein Ziel von 2 Billionen Dollar verband. Morningstar begründet die zurückhaltende Einstufung mit einem unklaren Ausblick und einem nur schmalen Wettbewerbsvorteil.

Diese Diskrepanz spiegelt sich auch im operativen Geschäft wider: Während das Connectivity-Geschäft rund um Starlink profitabel wächst, verbucht die KI-Sparte SpaceXAI weiterhin hohe Verluste, die einen Großteil der Investitionsausgaben des Konzerns binden. Anleger müssen daher zwischen einem etablierten, kassenwirksamen Raumfahrt- und Satellitengeschäft und einem margenschwachen, aber schnell wachsenden KI-Segment abwägen.

Kursreaktion bleibt verhalten

Von der Euphorie einzelner Kursziele ist an der Börse bislang wenig zu spüren. Die Aktie notiert aktuell bei 120,76 Euro und damit rund 38 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 194,46 Euro, das im Juni erreicht wurde. Auf Sicht von 30 Tagen steht dennoch ein Plus von 18 Prozent, ein Zeichen dafür, dass sich die Aktie von ihrem Tief bei 91,04 Euro deutlich erholt hat.

Der RSI von 53,5 signalisiert derzeit weder Über- noch Unterkauf – der Markt scheint die widersprüchlichen Bewertungssignale vorerst auszubalancieren, während das Louisiana-Projekt als langfristiger Katalysator im Raum steht.