SpaceX beendete am Dienstag eine siebentägige Verlustserie, nachdem Elon Musk öffentlich gegen Leerverkäufer wetterte. Der Kurs legte um 3,24 Prozent auf 108,36 Euro zu. Der RSI von 36,1 signalisiert weiterhin überverkauftes Terrain und stützt die Lesart, dass die Erholung zunächst technischer Natur war.
Musk attackiert wachsende Shortseller-Front
Auslöser der Rally war laut CNBC eine Warnung Musks an Investoren, die gegen SpaceX wetten: Die Überlebenswahrscheinlichkeit von Firmen mit signifikanter Shortposition sei „sehr gering“. Die Aussage traf auf eine zuletzt kräftig gewachsene Wette gegen das Unternehmen. CNBC berichtet, der Anteil leerverkaufter Aktien am Streubesitz sei binnen weniger Wochen von 5 bis 7 Prozent auf 29 Prozent und zuletzt auf 32 Prozent gestiegen, umgerechnet rund 206 Millionen Aktien im Gegenwert von etwa 25 Milliarden US-Dollar. Die Shortseller wetten damit in einem Ausmaß gegen SpaceX, das seit dem Börsengang im Juni beispiellos ist.
Erster Quartalsbericht öffnet Tür für Milliarden an neuen Aktien
Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht der 4. August 2026: An diesem Tag legt SpaceX nach Börsenschluss erstmals seit dem Listing Quartalszahlen vor, der Webcast wird auf X übertragen. Der Termin ist deshalb brisant, weil er automatisch eine Lock-up-Frist auslöst. Zwei Tage später, am 6. August, werden 911,5 Millionen bislang gesperrte Aktien handelbar – rund 20 Prozent der Insiderbestände mit einem Marktwert von mehreren zig Milliarden US-Dollar. Ein weiteres Paket von 455,8 Millionen Aktien könnte zusätzlich freigegeben werden, sofern die Aktie an fünf von zehn Handelstagen vor dem Berichtstermin mindestens 30 Prozent über dem Ausgabepreis von 175,50 US-Dollar schließt – eine Bedingung, die angesichts des aktuellen Kursniveaus deutlich unter dem Ausgabepreis derzeit als unwahrscheinlich gilt. Weitere Tranchen von jeweils rund 319 Millionen Aktien sollen um den 21. August und am 10. September folgen. Musks eigener Anteil von 6,4 Milliarden Aktien bleibt bis Juni 2027 gesperrt, während der aktuelle Streubesitz nach Berichten nur rund 555 Millionen Aktien umfasst – gerade einmal 5 Prozent der Gesamtaktienzahl von etwa 13 Milliarden Stück. Diese enge Angebotslage erklärt, warum jede Lock-up-Stufe das Potenzial hat, den Kurs deutlich zu bewegen.
Analysten zwischen Kaufempfehlung und Bewertungswarnung
Die Einschätzungen zur Bewertung gehen weit auseinander. Macquarie-Analyst Paul Golding hält an seiner Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 250 US-Dollar fest und bezeichnete den derzeitigen Kursrückgang als attraktiven Einstiegspunkt. Der Analystenkonsens liegt nach verschiedenen Erhebungen zwischen 234,78 und rund 241 US-Dollar, die Mehrheit der Analysten stuft die Aktie als Kauf ein. Dem steht eine deutlich skeptischere Stimme gegenüber: Investor David Desjardins bewertet SpaceX mit einem klaren Verkaufsvotum. Er verweist auf eine Bewertung des 41-Fachen des für 2026 erwarteten Umsatzkonsenses und darauf, dass Markterwartungen bis 2035 einen Umsatz von mehr als 2 Billionen US-Dollar unterstellen – eine Verfünfzigfachung gegenüber heute, die er für unrealistisch hält.
Verluste und Starship-Rückschlag belasten die Wachstumsstory
Operativ bleibt SpaceX defizitär. Für das Geschäftsjahr 2025 wird ein Nettoverlust von 4,9 Milliarden US-Dollar ausgewiesen, im ersten Quartal 2026 kamen weitere 4,28 Milliarden US-Dollar Verlust hinzu. Starlink gilt weiterhin als einziges profitables Segment und trägt den überwiegenden Teil des Umsatzes, während das Starship-Programm und das aus der Übernahme von xAI im Februar 2026 hervorgegangene KI-Geschäft SpaceXAI noch keine schwarzen Zahlen liefern. Zusätzliche Unsicherheit bringt der jüngste Startversuch: Flug 13 der Starship-Rakete wurde nach einer fehlgeschlagenen Triebwerkszündung abgebrochen und auf den 23. Juli verschoben. Für Anleger dürfte der 4. August damit zum entscheidenden Termin werden, um zu beurteilen, ob das Unternehmen seine hohen Wachstumserwartungen operativ untermauern kann, bevor die erste große Welle bislang gesperrter Aktien den Markt erreicht.
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