Spätestens mit den jüngsten Weichenstellungen hat SpaceX endgültig die Grenze zwischen einem Raumfahrtpionier und einem globalen Telekom- und Infrastrukturkonzern überschritten. Für mich markiert diese Phase einen Wendepunkt in der Wahrnehmung des Unternehmens: Die Zeit der reinen Technologiebegeisterung weicht einer harten Debatte über Kapitalbedarf, regulatorische Hürden und reale Margen.

Während am morgigen 13. Oktober bereits die nächste Falcon-9-Rakete zur CRS-35-Versorgungsmission für die NASA abheben soll, ringt der Markt mit der Frage, wie die rasant wachsende Plattform künftig bewertet werden muss.

Der Spagat zwischen Mobilfunk und Rechenpower

Die strategische Richtung ist ambitioniert, wirft aus Anlegersicht aber gravierende Fragen auf. Nach der behördlichen Genehmigung für den Ausbau des Mobilfunknetzes vor gut einer Woche und dem anschließenden Zukauf landesweiter 800-MHz-Frequenzen greift das Unternehmen etablierte Netzbetreiber direkt auf deren Heimatmarkt an.

Das Management strebt offen danach, Starlink Mobile zu einem maßgeblichen Mobilfunkanbieter in den USA zu formen. Doch dieser Vorstoß in das terrestrische Geschäft ist alles andere als risikolos.

Gleichzeitig verhandelt SpaceX Medienberichten zufolge über Fremdkapital in Höhe von 40 Milliarden $ für die Beschaffung von Nvidia-Halbleitern. Unterm Strich zeichnet sich damit ein gigantischer Kapitalbedarf ab.

Die Vision, orbitale Netze mit hochleistungsfähigen Rechenzentren zu verschmelzen, ist technologisch faszinierend. Sie bindet jedoch enorme Mittel, noch bevor die ersten Renditen aus dem Massenmobilfunk fließen können. Wer hier investiert, setzt darauf, dass SpaceX zwei extrem kapitalintensive Industrien – Telekommunikation und künstliche Intelligenz – parallel dominieren kann.

Analysten uneins über das Kurspotenzial

Wie tief die Skepsis und die Euphorie an der Wall Street auseinanderklaffen, zeigen die jüngsten Einschätzungen der Analystenhäuser. Am 6. Oktober bekräftigte Morgan Stanley die Einstufung Outperform und setzte ein Kursziel von 300 $.

Analyst Adam Jonas hob hervor, dass die Marktteilnehmer das Potenzial von SpaceX in den Bereichen Rechenleistung und KI unterschätzen. Zudem verwies er auf den bevorstehenden 15. Testflug von Starship als wichtigen operativen Impulsgeber.

Ganz anders bewertet man die Lage bei Susquehanna. Analyst Charles Minervino hob am 7. Oktober sein Kursziel zwar von 144 $ auf 173 $ an, blieb jedoch bei seiner neutralen Haltung. Für mich ist diese Zurückhaltung gut nachvollziehbar: Ein Kursziel knapp über dem aktuellen Niveau spiegelt genau jene Vorsicht wider, die angesichts regulatorischer Unsicherheiten bei Frequenzfreigaben und der enormen Integrationskosten angebracht ist.

Kursbild mahnt zur Disziplin

An den Börsen spiegelt sich dieses Tauziehen deutlich wider. Der Schlusskurs vom Freitag lag bei 145,20 €, womit der Wert komfortabel über seinem 50-Tage-Durchschnitt von 126,20 € notiert. Gleichzeitig trennt die Notierung noch ein Abstand von 25 % von ihrem 52-Wochen-Hoch bei 194,46 €. Die Erholung der letzten Wochen zeigt zwar, dass die Fantasie an den Markt zurückgekehrt ist, die bisherigen Höchststände bleiben jedoch ein Stück entfernt.

Meiner Ansicht nach sollten Anleger die aktuellen Risiken nicht zugunsten reiner Zukunftsvisionen ausblenden. Die kommenden Tage und Wochen dürften zeigen, ob die massiven Expansionspläne operativ getragen werden können.

Solange die Finanzierung der Halbleiter-Milliarden nicht final geregelt ist und die FCC über die Spektrumsverträge entscheidet, spricht vieles für anhaltende Volatilität. Die Chancen auf langfristiges Wachstum sind zweifellos gewaltig, doch die Bewertungsprämie verlangt nun auch lückenlose operative Lieferfähigkeit.