Heute rutscht die SpaceX-Aktie um 4,59 Prozent auf 114,32 Euro ab. Der Rückschlag kommt nur wenige Tage, nachdem das Unternehmen ein Rekordquartal vorgelegt und ein Analysehaus seine Einstufung angehoben hatte. Der eigentliche Grund für die Schwäche liegt nicht im operativen Geschäft, sondern in der Marktstruktur: SpaceX steckt mitten in einer Serie von Lock-up-Ablauffristen, die fortlaufend neue Insider-Anteile handelbar machen.

Rekordquartal mit Umsatzsprung und schrumpfendem Verlust

Am 4. August hatte SpaceX Zahlen für das zweite Quartal 2026 vorgelegt, die die Erwartungen deutlich übertrafen. Der Umsatz kletterte auf 7,81 Milliarden Dollar und lag damit klar über der Analystenschätzung von 6,93 Milliarden Dollar – ein Plus von 92 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal.

Der Nettoverlust sank auf 541 Millionen Dollar beziehungsweise 9 Cent je Aktie, deutlich weniger als die von Analysten erwarteten 26 Cent Verlust je Aktie. Treiber war vor allem die neue KI-Sparte, deren Umsatz sich um 250 Prozent auf 2,6 Milliarden Dollar erhöhte. Die Starlink-Sparte steuerte mit 4,3 Milliarden Dollar den größeren Umsatzanteil bei und wuchs ebenfalls kräftig.

Die Zahl der Starlink-Abonnenten kletterte auf 12 Millionen, ein Zuwachs von 17 Prozent gegenüber dem ersten Quartal und mehr als eine Verdopplung binnen eines Jahres. Finanzchef Bret Johnsen sagte, das Unternehmen sei auf Kurs, bis Jahresende eine annualisierte wiederkehrende Umsatzrate von 100 Milliarden Dollar zu erreichen, und verwies auf zusätzlich vertraglich gesicherte 6,7 Milliarden Dollar an Cloud-Umsätzen über ein Halbjahr ab Oktober.

Die Kehrseite der Wachstumsstory sind massiv steigende Investitionen. Die Kapitalausgaben schnellten im zweiten Quartal auf das Sechsfache und erreichten 18,37 Milliarden Dollar, wovon 15,83 Milliarden Dollar in KI-Infrastruktur flossen. Gleichzeitig wuchs die Barreserve deutlich auf 93,5 Milliarden Dollar, während sich Schulden und Finanzierungsleasing auf 36,8 Milliarden Dollar erhöhten.

Lock-up-Ablauf setzt den Kurs unter Druck

Parallel zur Berichtssaison begann am Donnerstag die erste große Lock-up-Ablauffrist seit dem Börsengang: 911,5 Millionen Insider-Aktien wurden erstmals handelbar, ein Volumen von rund 100 Milliarden Dollar. Trotz dieser Angebotsflut legte die Aktie an jenem Tag um 6,1 Prozent zu, mehr als 255 Millionen Aktien wechselten den Besitzer.

Unter den Verkaufswilligen meldete sich öffentlich Jessie Bates III, Safety der Atlanta Falcons und SpaceX-Aktionär. Er kündigte an, seine gesamte Position aufzulösen, um Gewinne zu sichern.

Der Ablauf am Donnerstag ist jedoch erst der Auftakt einer längeren Serie: Am 20. August werden weitere 319 Millionen Aktien handelbar, im September folgen rund 700 Millionen, im Oktober noch einmal etwa 700 Millionen. Dieser stufenweise Zufluss potenziell verkaufsbereiter Anteile dürfte die Schwankungsbreite der Aktie in den kommenden Wochen hoch halten – die 30-Tage-Volatilität liegt bereits bei 88,40 Prozent.

Argus Research hebt Kursziel an

Am Freitag hatte das Analysehaus Argus Research seine Einstufung von Hold auf Buy angehoben und ein Kursziel von 160 Dollar ausgegeben. Zur Begründung verwiesen die Analysten auf die rasche Amortisation der KI-Infrastrukturinvestitionen angesichts des robusten Wachstums der Rechenkapazität.

Startprogramm und KI-Partnerschaft laufen unterdessen weiter

Unabhängig vom Kursgeschehen hält SpaceX sein dichtes Startprogramm aufrecht. Am heutigen Dienstag brachte eine Falcon 9 im Rahmen der Mission Starlink 10-19 vom Cape Canaveral aus weitere Satelliten ins All – bereits der 72. Starlink-Flug des Jahres 2026. Am Samstag hatte eine weitere Falcon 9 mit der Mission Starlink 17-38 den 50. Start von Kalifornien aus in diesem Jahr absolviert und 24 Satelliten ausgesetzt, am Mittwoch zuvor startete zum dritten Mal eine Nutzlast für das Direct-to-Device-Netzwerk von AST SpaceMobile.

Strategisch treibt SpaceX zudem seine Partnerschaft mit Nvidia voran: Beide Unternehmen entwickeln gemeinsam „Space Compute“-Hardware für KI-Modelle auf Satelliten, darunter den Compute-Payload Starmind AI1 mit Nvidia-Rubin-Grafikprozessoren und Vera-CPUs.

Elon Musk kündigte an, künftige KI-Rechenzentren ausschließlich mit Nvidia-Chips zu bestücken; das Unternehmen peile bis Jahresende über zwei Gigawatt Rechenleistung an und strebe bis Ende 2027 rund zehn Gigawatt an. Für den weiteren Jahresverlauf ist zudem der Erstflug der neuen Starship-V3-Version geplant, bei dem erstmals ein Fangversuch des Oberstufenschiffs möglich sein könnte.