Die SpaceX-Aktie gerät zum Ende der Woche weiter unter Druck. Im deutschen Handel notiert das Papier am heutigen Freitag bei 95,23 Euro und verliert 2,37 Prozent. Der Relative-Stärke-Index von 31,7 signalisiert eine überverkaufte Aktie, die nur noch knapp über ihrem 52-Wochen-Tief von 94,05 Euro liegt, das erst am heutigen Tag markiert wurde. Auslöser der jüngsten Talfahrt ist ein Testflug, der eigentlich als technischer Erfolg gilt – die Börse sieht das anders.

Starship-Test gelingt technisch, Anleger bleiben skeptisch

SpaceX hat am Freitag den 13. Testflug seiner Starship-Rakete abgeschlossen. Die Oberstufe wasserte planmäßig weich im Indischen Ozean und setzte dabei Starlink-Satelliten aus. Trotzdem fiel die Aktie im US-Handel um mehr als vier Prozent. Starship soll nach Unternehmensangaben die Kosten pro Orbitflug um 99 Prozent senken – ein zentrales Argument für die langfristige Wirtschaftlichkeit des Konzerns. Anlegern reicht das derzeit nicht: Sie richten den Blick stattdessen auf die massiven Investitionen ins KI-Geschäft. Im ersten Quartal 2026 entfielen 76 Prozent der zehn Milliarden US-Dollar Investitionsausgaben auf KI-Infrastruktur, nach insgesamt 20,7 Milliarden US-Dollar Capex im gesamten Jahr 2025. Auch bei anderen Technologiekonzernen wächst die Sorge über die Rendite solcher Ausgaben – Alphabet etwa wies im ersten Quartal 2026 mit minus 5,9 Milliarden US-Dollar einen negativen freien Cashflow aus.

Die Verunsicherung trifft SpaceX in einer besonders heiklen Phase. Am Dienstag legt das Unternehmen erstmals seit dem Börsengang Quartalszahlen vor. Zwei Tage später, am 6. August, endet die Lock-up-Frist – bis zu eine Milliarde Aktien könnten dann erstmals frei handelbar werden. Morgan Stanley warnte deshalb vor dem „gefährlichsten Moment“ seit dem Debüt, sieht die Aktie aber grundsätzlich unterbewertet, insbesondere mit Blick auf das KI-Geschäft. Das Bankhaus rät, den Ausgang des jüngsten Starship-Tests genau zu beobachten. CNBC-Moderator Jim Cramer riet Anlegern unterdessen, vor dem Lock-up-Ende keine größeren Positionen aufzubauen, da drohende Insider-Verkäufe zusätzlichen Druck erzeugen könnten.

Analysten weit auseinander, Shortseller positionieren sich

Die Einschätzungen am Markt könnten kaum unterschiedlicher ausfallen. Cantor-Fitzgerald-Analyst Colin Canfield hält an seiner Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 246 US-Dollar fest – deutlich über dem aktuellen US-Kursniveau. Andere Analysten sehen die Aktie zwar ebenfalls unter ihrem fairen Wert, verweisen aber auf eine kritische Kombination aus hoher Verschuldung und begrenzter Liquidität: Die Investitionsausgaben sollen von 48,7 Milliarden US-Dollar im laufenden Jahr auf 118,4 Milliarden US-Dollar bis 2028 steigen, während sich die Schulden im selben Zeitraum von 41,7 Milliarden auf 218 Milliarden US-Dollar mehr als verfünffachen könnten. Zudem wird SpaceX aktuell als das am stärksten leerverkaufte Large-Cap-Unternehmen überhaupt gehandelt, wie NBC News berichtete – der Anteil der Shortpositionen liegt Berichten zufolge bei rund 35 Prozent.

Zusätzliche Unruhe brachte ein Bericht des Wall Street Journal, wonach Tesla-Berater eine Abspaltung des China-Geschäfts geprüft haben sollen, um eine mögliche Fusion mit SpaceX zu erleichtern. Elon Musk wies den Bericht als „absurde Falschmeldung“ zurück.

Positive Nachrichten von der Regulierungsseite ändern an der grundsätzlichen Nervosität wenig: Die US-Luftfahrtbehörde FAA hat einen Vorschlag vorgelegt, der Genehmigungsverfahren für kommerzielle Raketenstarts erheblich beschleunigen und dabei mehrere Umweltauflagen aussetzen könnte – ein möglicher Vorteil für SpaceX und Blue Origin bei künftigen Startkampagnen. Für die kommende Handelswoche bleibt der Blick der Anleger jedoch fest auf zwei Termine gerichtet: die erste Bilanz als börsennotiertes Unternehmen am Dienstag und das Ende der Haltefrist am Donnerstag darauf. Beide Ereignisse dürften darüber entscheiden, ob sich die Aktie von ihrem aktuellen Tiefstand lösen kann oder weiter unter Druck bleibt.