Heute laufen rund 911,5 Millionen Class-A-Aktien von SpaceX aus der Haltefrist nach dem Börsengang aus – Papiere im Wert von etwa 101,6 Milliarden Dollar, die bislang bei Mitarbeitern und frühen Investoren lagen. Das Ende der Lock-up-Periode fällt in eine Phase, in der der Konzern zugleich ein starkes Quartal und eine milliardenschwere KI-Übernahme präsentiert hat.
Im deutschen Handel notiert die SpaceX-Aktie am heutigen Donnerstag bei 95,30 Euro und legt um 1,97 Prozent zu. Auf Monatssicht bleibt dennoch ein Rückgang von 27,24 Prozent stehen – ein Beleg dafür, wie stark der Titel zuletzt unter Druck stand, bevor sich am heutigen Tag eine erste Gegenbewegung zeigt.
Rekordumsatz und Milliardenübernahme
Am Dienstag legte SpaceX seine Zahlen für das zweite Quartal 2026 vor: Der Umsatz stieg auf 7,8 Milliarden Dollar, ein Plus von 92 Prozent gegenüber dem Vorjahr und deutlich über der Konsensschätzung von 6,7 Milliarden Dollar. Der Nettoverlust schrumpfte von 1,0 Milliarden auf 541 Millionen Dollar, das bereinigte EBITDA erreichte 3,5 Milliarden Dollar. Zum Quartalsende verfügte das Unternehmen über eine Kassenposition von 100 Milliarden Dollar und einen Auftragsbestand von 47,5 Milliarden Dollar.
Am selben Tag kündigte SpaceX die Übernahme des KI-Unternehmens Cursor für 60 Milliarden Dollar an, um die Infrastruktur für sein Geschäftsfeld künstliche Intelligenz auszubauen. Allein im zweiten Quartal flossen 18 Milliarden Dollar in Investitionen, davon 15,83 Milliarden Dollar speziell in KI-Rechenleistung und Rechenzentren. Das Konnektivitätsgeschäft Starlink zählte zum 30. Juni 12 Millionen zahlende Abonnenten – eine Verdopplung binnen eines Jahres.
Analysten streiten über die Kapitalausgaben
Die enormen Investitionssummen spalten die Wall Street. JPMorgan erhöhte das Kursziel gestern auf 240 von zuvor 225 Dollar und verwies auf die „extreme vertikale Integration“ des Konzerns sowie ein mögliches KI-Umsatzvolumen von 100 Milliarden Dollar bis 2027. Wells Fargo senkte hingegen gestern das Ziel auf 215 von 230 Dollar und äußerte Vorsicht gegenüber den nach eigener Einschätzung „explosionsartigen“ Ausgaben für die KI-Infrastruktur.
Weitere Häuser bewegen sich in einer breiten Spanne zwischen 200 und 250 Dollar: Oppenheimer bestätigte gestern ein Kursziel von 250 Dollar, UBS und Mizuho nannten am Dienstag 210 beziehungsweise 200 Dollar. Piper Sandler senkte sein Ziel gestern unter Verweis auf die Kapitalausgaben-Prognose von 65 Milliarden Dollar für das Fiskaljahr 2027 sowie den heutigen Lock-up-Ablauf, ohne eine konkrete Zahl zu nennen.
Starship-Testflug und weitere Termine
Operativ bleibt der Kalender dicht gefüllt. Ende Juli gelang mit Flug 13 der Starship-Rakete eine sanfte Wasserung der Oberstufe im Indischen Ozean samt Aussetzung von 20 Starlink-V3-Testsatelliten. Für Ende August ist Flug 14 angesetzt, bei dem SpaceX erstmals einen „Ship Catch“ mit dem Startturm versuchen und eine Betriebsbahn zur Aussetzung weiterer Starlink-V3-Satelliten ansteuern will.
Zudem soll das Nancy Grace Roman Space Telescope der NASA frühestens am 30. August an Bord einer Falcon-Heavy-Rakete starten. Die US-Luftfahrtbehörde FAA schlug Ende Juli vor, Umweltprüfungen nach 13 Bundesgesetzen auszusetzen, um Genehmigungen für kommerzielle Raumfahrtstarts zu beschleunigen – die öffentliche Kommentierungsfrist dazu läuft bis zum 31. August. Für September ist außerdem die Crew-13-Mission zur Internationalen Raumstation im Auftrag der NASA vorgesehen.
Für Anleger bleibt die Gemengelage anspruchsvoll: Das zusätzliche Angebot aus der auslaufenden Aktiensperre trifft auf ein operativ wachsendes Unternehmen, das gleichzeitig immer größere Summen in seine KI-Ambitionen steckt. Genau dieses Spannungsfeld spiegelt sich in den gegensätzlichen Einschätzungen von JPMorgan und Wells Fargo bereits deutlich wider.
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