Innerhalb von sechs Wochen haben Leerverkäufer ihre Wetten gegen SpaceX fast verzehnfacht. Der Grund: Zwei Ereignisse treffen in dieser Woche fast zeitgleich aufeinander und könnten die Aktie in beide Richtungen katapultieren. Am 4. August legt SpaceX seinen ersten Quartalsbericht als börsennotiertes Unternehmen vor, zwei Tage später läuft eine gewaltige Lockup-Frist aus.

Die Leerverkaufsquote bei Space Exploration Technologies Corp. ist auf rund 34 Prozent des frei handelbaren Streubesitzes geklettert. Ende Juli waren etwa 219,3 Millionen Aktien leerverkauft, Mitte Juni waren es noch 23,3 Millionen. Der Gesamtwert dieser Wetten auf fallende Kurse liegt inzwischen bei über 24 Milliarden Dollar und übertrifft damit die entsprechenden Short-Positionen gegen Tesla.

Kurs nahe Jahrestief

Die Aktie schloss am Freitag bei 93,96 Euro, ein Tagesverlust von 3,48 Prozent. Damit liegt der Kurs nur noch 0,59 Prozent über seinem 52-Wochen-Tief. Binnen 30 Tagen hat das Papier über 33 Prozent verloren und damit einen Großteil des Werts seit dem Hoch im Juni eingebüßt.

Der Auslöser für den Ansturm der Leerverkäufer liegt in der Terminlage. Am Dienstag nach Börsenschluss meldet SpaceX seine Zahlen für das zweite Quartal 2026 – der erste offizielle Bericht seit dem milliardenschweren Börsengang im Juni. Zwei Handelstage später, am 6. August, läuft die erste Lockup-Tranche aus. Dann kommen rund 911,5 Millionen Aktien potenziell auf den Markt, eine Zahl, die den ursprünglichen Streubesitz aus dem Börsengang um 64 Prozent übersteigt.

Eine zweite, kursabhängige Tranche mit 455,8 Millionen Aktien bleibt vorerst gesperrt. Sie greift erst, wenn die Aktie die Marke von 175,50 Dollar erreicht – aktuell liegt der Kurs weit darunter.

Starlink und KI-Ausgaben im Blick

Für das zweite Quartal erwarten Analysten einen Umsatz zwischen 6,7 und 6,9 Milliarden Dollar. Das wäre ein deutlicher Sprung gegenüber den 4,69 Milliarden Dollar aus dem ersten Quartal. Der Konsens rechnet dennoch weiterhin mit einem Nettoverlust je Aktie zwischen 0,26 und 0,29 Dollar.

Investoren richten ihren Blick vor allem auf zwei Kennzahlen bei Starlink: Abonnentenwachstum und Umsatz pro Nutzer. Der Satelliten-Internetdienst gilt als wichtigster Wachstumstreiber des Konzerns. Der Markt reagiert zudem zunehmend skeptisch auf die massiven Investitionen in künstliche Intelligenz und Rechenzentren. Jede neue Information zu Kapitalausgaben oder Fortschritten beim Starship-Raketensystem kann die Stimmung deutlich verschieben.

Überverkauft, aber unter Druck

Trotz des fundamentalen Gegenwinds signalisieren technische Indikatoren eine mögliche Übertreibung nach unten. Der 14-Tage-RSI ist auf 31,0 gefallen und zeigt damit eine deutlich überverkaufte Aktie an. Bei einer annualisierten 30-Tage-Volatilität von 54,45 Prozent reicht bereits eine positive Überraschung im Quartalsbericht, um Leerverkäufer zum Eindecken zu zwingen – mit entsprechend schnellem Kursanstieg.

Die kommenden Handelstage entscheiden, welches Szenario eintritt. Fallen die Zahlen am 4. August schwächer aus als erwartet, dürfte der Lockup-Ablauf zwei Tage später zusätzlichen Verkaufsdruck erzeugen. Übertrifft SpaceX dagegen die Erwartungen bei Umsatz oder Starlink-Wachstum, treffen positive Nachrichten auf eine der am stärksten short-positionierten Aktien am Markt.