Für Aktionäre von SpaceX wird diese Woche zur ersten echten Belastungsprobe seit dem Börsengang. Am Dienstag, dem 4. August, legt der Raumfahrtkonzern seine ersten Quartalszahlen als börsennotiertes Unternehmen vor. Zwei Tage später, am 6. August, laufen Haltefristen für rund 911,5 Millionen Insider-Aktien aus. Der Kurs hat diese Aussicht bereits vorweggenommen: Am Freitag schloss das Papier bei 93,96 Euro, ein Minus von 3,48 Prozent an einem einzigen Handelstag.
Kurssturz drückt Bewertung deutlich unter IPO-Niveau
Der Rückgang ist kein Ausrutscher, sondern Teil eines monatelangen Abwärtstrends. Binnen 30 Tagen hat die Aktie 32,10 Prozent verloren, zum Rekordhoch vom 16. Juni beträgt der Abstand mittlerweile 51,68 Prozent. Damit hat sich der Marktwert von SpaceX seit dem Höhepunkt mehr als halbiert. An der Nasdaq, wo das Papier unter dem Kürzel SPCX notiert, war die Aktie im Sommer noch bis auf 225,64 Dollar gestiegen, bevor sie zuletzt auf ein neues Jahrestief rutschte. Der Ausgabepreis beim Börsengang im Juni hatte bei 135 Dollar gelegen, das Emissionsvolumen von 555,6 Millionen Aktien spülte SpaceX rund 75 Milliarden Dollar in die Kasse.
Auslöser der jüngsten Schwäche waren neben allgemeiner Nervosität auch operative Rückschläge: Ein Starship-Start scheiterte im Juli an Triebwerksproblemen, bei einer späteren Landung explodierte ein Booster. Hinzu kommt die milliardenschwere Übernahme des Softwareunternehmens Cursor für rund 60 Milliarden Dollar, die bei Anlegern Verwässerungssorgen auslöste.
Erste Bilanz und Lockup-Ablauf als doppelte Hürde
Die anstehenden Zahlen dürften zeigen, wie stark SpaceX von seinem Satellitengeschäft Starlink abhängt, das nach Einschätzungen rund 60 Prozent des Konzernumsatzes ausmacht und mit mehr als 30 Prozent wächst. Im ersten Quartal hatte SpaceX 4,69 Milliarden Dollar Umsatz ausgewiesen, ein Plus von 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr, bei gleichzeitig auf 10,1 Milliarden Dollar mehr als verdoppelten Investitionsausgaben. Für das Gesamtjahr 2025 hatte der Konzern 18,7 Milliarden Dollar Umsatz und einen Verlust von 4,9 Milliarden Dollar gemeldet. Die KI-Sparte xAI, an der SpaceX beteiligt ist, soll 2026 um 433 Prozent wachsen, verbrannte zuletzt aber binnen neun Monaten 7,8 Milliarden Dollar und bleibt defizitär.
Parallel zu den Zahlen wächst der Verkaufsdruck: Das Short-Interesse kletterte bis Ende Juli auf 219,3 Millionen Aktien und damit auf 34 Prozent des frei handelbaren Bestands, nach nur 23,3 Millionen sechs Wochen zuvor. Mit dem Lockup-Ablauf am 6. August werden schrittweise bis zu 911,5 Millionen weitere Aktien handelbar, der Streubesitz dürfte sich dadurch etwa verdoppeln. Optionsmärkte preisen für die Berichtswoche eine Kursbewegung von rund 13 Prozent ein.
Kuriose Anlegerfragen statt Bilanzdetails
Für die erste Telefonkonferenz als Publikumsgesellschaft hatte SpaceX eine Online-Plattform eingerichtet, auf der Aktionäre Fragen einreichen und bewerten konnten. Das Ergebnis überraschte: Ganz oben rangierten Fragen nach zusätzlichem Filmmaterial vom Mondlander Starship HLS für das Artemis-Programm, nach orbitalem Betanken, nach pink lackierten Raketen und nach Sponsoring für Hitzeschutzkacheln. Auch ein Shiba-Inu-Maskottchen namens „Asteroid“ samt 35-Dollar-Plüschtier für Bildungs- und Wohltätigkeitszwecke fand reges Interesse. Fragen zu KI-Rechenzentren landeten dagegen erst auf Platz 183, eine mögliche Fusion mit Tesla erhielt kaum Stimmen. Nach Angaben aus dem Umfeld des Börsengangs stellen Privatanleger rund 30 Prozent der IPO-Aktionäre.
Analysten uneins über den fairen Wert
Die Einschätzungen zur Bewertung gehen deutlich auseinander. Morningstar beziffert den fairen Wert von SpaceX auf 780 Milliarden Dollar, deutlich unter der zuletzt am Privatmarkt gehandelten Bewertung. Die Analysten von Morgan Stanley warnten zugleich, dass bei einem Kurs von 100 Dollar das komplette KI-Geschäft rechnerisch mit null bewertet wäre. Der Konsens der Analystenziele signalisiert dennoch erhebliches Aufwärtspotenzial, sollte SpaceX die Wachstumserwartungen bei Starlink und im KI-Geschäft erfüllen. Bis dahin bleibt der Kurs mit einer annualisierten 30-Tage-Volatilität von 54,45 Prozent und einem RSI von 31 in überverkauftem Terrain – ein Zeichen dafür, wie nervös der Markt die Woche zwischen Zahlen und Aktien-Flut erwartet.
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