SpaceX zieht sämtliche Starlink-Missionen mit der Falcon 9 künftig an die Westküste der USA ab. Der Schritt soll Kapazitäten in Florida für den Erstflug der Starship-Super-Heavy-Kombination freimachen, wie am Samstag bekannt wurde. Die Entscheidung fällt in eine Phase, in der das Unternehmen gleich an mehreren Fronten unter Beobachtung steht.

Die Aktie schloss am Freitag bei 127,36 Euro und gab damit 1,1 Prozent nach. Auf Wochensicht steht dennoch ein Plus von 4,2 Prozent zu Buche, über 30 Tage sogar ein Anstieg von 36 Prozent.

Zum 52-Wochen-Hoch von 194,46 Euro, erreicht Mitte Juni, fehlen dem Papier derzeit 35 Prozent – ein Hinweis darauf, dass trotz der jüngsten Erholung noch deutlich Luft nach oben besteht, sollte sich die operative Lage stabilisieren.

Datencenter-Umbau nach Pannen bei xAI-Partnerschaft

Auslöser für die aktuelle Unsicherheit ist eine Führungsrochade in der KI-Infrastruktursparte. Anfang September berichtete The Information, dass SpaceX sein Datencenter-Management neu aufgestellt hat, nachdem an Standorten in Tennessee und Mississippi über Monate hinweg ohne funktionierende Backup-Kühlung und -Stromversorgung gearbeitet wurde.

Konkret betroffen ist die Memphis-Anlage „Macrohard“ von xAI. Raketen-Produktionsmanager Wesley Salandro und Starbase-Betriebsdirektor Logan McConnell übernehmen nun Führungsrollen im Datencenter-Bereich, während Jake Palmer, Zach Wells und Pablo Mendoza das Unternehmen verlassen. Der bisherige Starlink-Manager Michael Nicolls soll künftig die xAI-Zusammenarbeit überwachen.

Der Zeitdruck ist erheblich: Bis zum 30. September muss SpaceX im Rahmen einer Rechenleistungs-Vereinbarung mit Google im Volumen von rund 920 Millionen Dollar monatlich zugesagte GPU-Kapazitäten liefern. Bleibt das Unternehmen nach einer einmonatigen Nachfrist dahinter zurück, kann Google den Vertrag kündigen oder die Zahlungen anteilig kürzen.

Ende Juni verfügte SpaceX über 1,4 Gigawatt Rechenkapazität, gegenüber 0,4 Gigawatt ein Jahr zuvor – im zweiten Quartal investierte das Unternehmen dafür rund 15,8 Milliarden Dollar. Ob das selbst gesteckte Ziel von mehr als zwei Gigawatt bis Jahresende noch erreichbar ist, gilt nach der Führungsumstrukturierung als offen.

Crew-13 verschoben, Starship-Test rückt näher

Parallel zu den Problemen im Rechenzentrums-Geschäft sorgt auch die bemannte Raumfahrt für Verzögerungen. NASA und SpaceX verschoben die Crew-13-Mission zur ISS, nachdem bei Vorbereitungen ein Oxidator-Leck im Antriebssystem des Dragon-Raumschiffs entdeckt wurde.

NASA-Administrator Jared Isaacman erklärte, Reparaturen könnten zwei bis vier Wochen dauern – der ursprünglich für den 12. September angesetzte Start rückt damit in Richtung Ende September oder Anfang Oktober. An Bord sollen NASA-Astronautin Jessica Watkins, ihr Kollege Luke Delaney, der kanadische Astronaut Joshua Kutryk sowie der russische Kosmonaut Sergey Teteryatnikov reisen.

Auf der Launch-Seite lief das Geschäft dagegen planmäßig weiter: Anfang September absolvierte SpaceX seinen 104. Orbitalstart des Jahres, den 79. Starlink-Flug 2026. Zudem brachte eine Falcon Heavy am Sonntag zuvor das NASA-Weltraumteleskop Roman für eine mit 4,3 Milliarden Dollar veranschlagte Mission ins All.

Für Mitte September wird zudem der 14. Testflug der Starship-Super-Heavy-Kombination erwartet, für den nun offenbar auch die frei werdenden Startkapazitäten an der Ostküste vorgesehen sind.

Expansion in Louisiana als langfristiger Anker

Während die operativen Baustellen kurzfristig für Nervosität sorgen, hält SpaceX an seinen langfristigen Ausbauplänen fest. Gouverneur Jeff Landry hatte Ende August eine Investitionszusage von SpaceX über 100 Milliarden Dollar für einen neuen Weltraumbahnhof in Vermilion Parish, Louisiana, verkündet.

Die Anlage soll nach Angaben der Wirtschaftsförderung Louisianas der größte Weltraumbahnhof der Welt werden, ausgelegt auf tausende Starts jährlich. Baubeginn ist bis Ende 2027 geplant, ein Betriebsstart 2030.

Anfang September hatte Oppenheimer sein Kursziel für SpaceX von 250 auf 280 Dollar angehoben – ein Datum, das den positiven Blick der Analysten auf die langfristige Wachstumsstory unterstreicht, auch wenn die kurzfristigen operativen Schwierigkeiten bei Rechenzentren und Raumfahrtprogramm die Anleger derzeit stärker beschäftigen dürften.