Ein einziger Kunde könnte für rund ein Viertel des SpaceX-Umsatzes stehen. Der Börsenprospekt von Anthropic zeigt, wie viel Rechenleistung der KI-Entwickler beim Konzern bucht. Das stützt die Wachstumsstory, rückt aber zugleich eine Abhängigkeit in den Blick.
Verträge mit Obergrenze
Die Ausgaben können sich laut Prospekt auf bis zu 120,5 Milliarden Dollar summieren. Die Laufzeiten reichen bis 2029, die monatlichen Gebühren belaufen sich auf rund 3,1 Milliarden Dollar, sobald die volle Kapazität bereitsteht. Das wird für Dezember erwartet. SpaceX hatte ursprünglich 1,25 Milliarden Dollar monatlich genannt, die neue Gebühr liegt fast beim Zweieinhalbfachen.
Allerdings ist die Summe eine Obergrenze, keine Garantie. Die anfänglichen unkündbaren Laufzeiten enden im Januar und März 2027. Danach können beide Seiten mit 90 Tagen Frist kündigen.
EvercoreISI-Analyst Kutgun Maral rechnet vor, dass die Gebühren etwa 25 bis 28 Prozent der Umsatzprognose für das erste Quartal 2027 ausmachen. Kurzfristig sieht er kein Umsatzrisiko, weil Anthropics Kapazität begrenzt ist und das Unternehmen über reichlich Liquidität verfügt. Die Frage nach der Abhängigkeit von einem Mieter bleibe aber.
Gewinnsprung und hohe Investitionen
Die Zahlen zum dritten Quartal liefern den Rahmen. Der Umsatz stieg um 161 Prozent auf 14,58 Milliarden Dollar, unterm Strich standen 4,40 Milliarden Dollar Gewinn. Es ist der erste Quartalsgewinn seit dem Börsengang im Juni. Die KI-Sparte steuerte erstmals mehr als die Hälfte der Erlöse bei.
Das Geld verdient jedoch weiter Starlink, mit 2,37 Milliarden Dollar des operativen Gewinns. Dem stehen enorme Ausgaben gegenüber: Im Quartal flossen 19,6 Milliarden Dollar in Investitionen, für das vierte Quartal stellt das Management 35 bis 40 Milliarden Dollar in Aussicht, vor allem für KI-Rechenzentren.
Neu ist zudem der Mobilfunk. SpaceX verhandelt Berichten zufolge über den Zugang zu mindestens 80.000 Funkstandorten, Starlink Mobile soll Anfang 2028 starten. Die Aktien von AT&T, Verizon und T-Mobile gaben nachbörslich um 4 bis 5 Prozent nach.
Analysten bleiben optimistisch
Die Bank of America führt SpaceX seit gestern auf ihrer Liste der stärksten US-Ideen und sieht das Kursziel bei 275 Dollar. Barclays hob das Ziel zuletzt von 254 auf 300 Dollar. Insgesamt reichen die Kursziele von 140 bis 500 Dollar, das Bild ist also weit gefächert. Die Stimmen stammen teils aus der Zeit vor der Anthropic-Offenlegung.
Die Aktie schloss gestern bei 148,58 Dollar, knapp unter der 50-Tage-Linie. Unterstützung liegt zwischen 141 und 145 Dollar. Fällt diese Zone, rückt das August-Tief bei 104,83 Dollar ins Blickfeld. Nach oben markiert das Oktober-Hoch bei 176,42 Dollar den Widerstand. Der nächste Zahlentermin ist vorläufig der 25. Februar 2027. Dann zeigt sich, wie viel der Anthropic-Gebühren im Umsatz ankommt.
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