SpaceX hat keinen automatischen Anspruch mehr auf die nächste bemannte Mondlandung der NASA. Die US-Raumfahrtbehörde erklärte gestern, dass die Einsatzbereitschaft über die Auswahl zwischen Starship und Blue Origin entscheidet. Für Anleger rücken damit technische Nachweise in den Mittelpunkt: Artemis III soll im Sommer 2027 beide Systeme im Erdorbit erproben, bevor Artemis IV 2028 zur Mondoberfläche fliegt.

Orbitaltests statt Vorentscheidung

Die NASA plant Artemis III als rund zweiwöchige Testmission ohne Mondlandung. Das Raumschiff Orion soll zunächst an den Lander Blue Moon andocken. Die Besatzung soll anschließend dessen Kabine und Lebenserhaltung erproben.

Für Starship sieht das Programm einen anderen Testumfang vor. Orion soll bis zu zwei Stunden angedockt bleiben; die Astronauten betreten das SpaceX-Raumschiff dabei nicht. Die Mission prüft somit beide Anbieter, aber nicht mit identischen Abläufen.

Eine erfolgreiche Kopplung allein sichert keinem Unternehmen den Auftrag für die bemannte Landung. Beide Anbieter müssen außerdem unbemannte Demonstrationen absolvieren und die NASA-Zertifizierung erhalten. Die Behörde hält ihre Auswahl ausdrücklich offen und macht sie von der Bereitschaft der Systeme abhängig.

Für SpaceX bedeutet das: Fortschritte bei Starship bleiben relevant, lassen sich aber nicht unmittelbar mit einer gesicherten Rolle bei der nächsten bemannten Mondlandung gleichsetzen.

Betankung bleibt ein entscheidender Nachweis

Ein wichtiger technischer Schritt steht noch aus. Die NASA plant für das erste Quartal 2027 eine Demonstration des Treibstofftransfers. Dieser Nachweis ist für das Starship-Konzept besonders bedeutsam, weil die Mondmission zusätzliche Tankflüge benötigt.

Wie viele Starts dafür erforderlich sind, bleibt umstritten. Elon Musk nennt sechs bis acht Tankflüge; ein NASA-Sicherheitspanel schätzt den Bedarf auf etwa 22. Die NASA selbst legte sich auf keine Zahl fest.

Die Spannweite verdeutlicht die Unsicherheit bei der operativen Umsetzung. Für die Bewertung des Mondprogramms zählen deshalb nicht nur angekündigte Flugpläne, sondern auch die Ergebnisse der Betankungs- und Kopplungstests. Erst diese Nachweise verringern das technische Risiko.

Begrenzter Ergebnisbeitrag, wichtige Perspektive

Das Raumfahrtgeschäft ist derzeit nicht der größte Umsatzträger von SpaceX. Im dritten Quartal 2026 erzielte das Segment Space einen Umsatz von 1,8 Milliarden Dollar und einen operativen Verlust von 7 Millionen Dollar.

KI-Rechenleistung und das Verbindungsgeschäft prägen die Geschäftsentwicklung inzwischen stärker. Der Wettbewerb um den Mondlander ist deshalb vor allem für die weitere Entwicklung des Raumfahrtsegments wichtig, nicht als Erklärung des jüngsten Umsatzsprungs.

Für Anleger ergibt sich eine klare Trennung: Das laufende Geschäft liefert die wirtschaftliche Basis, während Starship zusätzliche technische und kommerzielle Möglichkeiten eröffnen soll. Die NASA-Entscheidung macht diese Perspektive nicht zunichte. Sie bindet den Zugang zur bemannten Mondlandung aber ausdrücklich an nachgewiesene Einsatzbereitschaft – und an den Vergleich mit Blue Origin.