Zwei Tage vor einer massiven Aktienflut aus Mitarbeiterbeständen legt SpaceX am Dienstag nach US-Börsenschluss die erste Quartalsbilanz seit dem Börsengang vor. Die Aktie sprang am Montag um 5,67 Prozent nach oben, nachdem sie zuvor auf ein neues 52-Wochen-Tief von 91,04 Euro gefallen war. Der Erholungsversuch wirkt fragil: Zum bisherigen Rekordhoch von 194,46 Euro aus dem Juni fehlen der Aktie noch immer knapp 49 Prozent.

Der erste echte Blick in die Bücher

SpaceX ist seit Juni an der Nasdaq notiert. Der Bericht zum zweiten Quartal 2026 ist die erste Gelegenheit für Investoren, die tatsächlichen Finanzzahlen hinter einer der meistbeachteten Aktien des Jahres zu sehen.

Analysten erwarten einen Quartalsumsatz von 6,87 Milliarden Dollar – ein deutlicher Sprung gegenüber den 4,7 Milliarden Dollar im ersten Quartal. Der bereinigte Verlust je Aktie soll bei 0,25 Dollar liegen, das bereinigte EBITDA bei 2,03 Milliarden Dollar. Zum Vergleich: 2025 stand unterm Strich ein Nettoverlust von 4,9 Milliarden Dollar, im ersten Quartal 2026 kamen weitere 4,28 Milliarden Dollar Verlust hinzu.

Im Zentrum der Analyse steht Starlink. Der Dienst zählte zum 31. März 2026 rund 10,3 Millionen Abonnenten in 164 Ländern – ein Plus von 105 Prozent gegenüber dem Vorjahr. 2025 erwirtschaftete Starlink damit 11,4 Milliarden Dollar Umsatz. Für das Connectivity-Segment erwarten Analysten eine Marge von 35,9 Prozent. Diese Marge soll die operativen Verluste in den Bereichen Raumfahrt und KI ausgleichen.

Der eigentliche Belastungstest kommt erst am Donnerstag

Der Kursanstieg vom Montag fällt in ein heikles Zeitfenster. Nur zwei Tage nach den Zahlen, am Donnerstag, dürfen SpaceX-Mitarbeiter und einige Frühinvestoren erstmals Aktien verkaufen. Konkret geht es um 911,5 Millionen Aktien – zwölf Prozent des Gesamtbestands und mehr, als derzeit überhaupt am Markt gehandelt wird.

Diese Aussicht hat die Wetten gegen SpaceX in ungewöhnliche Höhen getrieben. Das Volumen der Shortpositionen liegt bei rund 23,6 Milliarden Dollar und übertrifft damit sogar die Shortwetten gegen Tesla von etwa 22 Milliarden Dollar. Leerverkäufer halten schätzungsweise 206 Millionen SpaceX-Aktien – das entspricht 32,2 Prozent des frei handelbaren Streubesitzes.

Sam Pierson, Research-Direktor bei S3, bringt die Marktlogik auf den Punkt: „Die eigentliche Wette läuft auf die Aktienfreigabe. Man setzt darauf, dass die Quartalszahlen nichts liefern, was das Volumen der freigegebenen Aktien aufwiegen kann.“

Eine teure Aktie unter Beobachtung

Die Bewertung bleibt der Knackpunkt. Bei einem Kurs-Umsatz-Verhältnis von 49 muss Starlink mit Abonnentenzahlen und Margen liefern, die dieses Niveau rechtfertigen. Die Wall Street ist gespalten: Seit dem Börsengang stehen 23 Kaufempfehlungen sechs Halteempfehlungen und zwei Verkaufsempfehlungen gegenüber – in Summe ein moderat positives Bild, aber kein einheitliches.

Skeptiker verweisen auf die Kostenseite. SpaceX gibt wie andere Tech-Konzerne mit KI-Ambitionen enorme Summen aus – schätzungsweise 40 Milliarden Dollar jährlich fließen in KI-Infrastruktur und das Raketenprogramm.

Der technische Blick auf den Kurs stützt das Bild einer überverkauften Aktie: Der 14-Tage-RSI liegt bei 37,1, die annualisierte Volatilität der letzten 30 Tage bei 57,29 Prozent. Beide Werte zeigen, wie heftig die Ausschläge seit dem Listing im Juni ausgefallen sind.

Ob der Montagssprung eine echte Bodenbildung markiert oder nur eine Verschnaufpause vor der Aktienflut am Donnerstag war, entscheidet sich an diesem Dienstagabend. Die Quartalszahlen müssen überzeugend genug ausfallen, um die Sorgen um Profitabilität und Cash-Verbrauch zu zerstreuen, die die Aktie seit ihrem Rekorddebüt begleiten.