Die SpaceX-Aktie testet neue Tiefstände, noch bevor der erste Quartalsbericht seit dem Börsengang vorliegt. Am heutigen Mittwoch fällt das Papier um 3,61 Prozent auf 98,59 Euro. Der Relative-Stärke-Index von 33,6 signalisiert eine überverkaufte Aktie – ein Hinweis darauf, wie stark der Abverkauf der vergangenen Wochen bereits fortgeschritten ist.

Kursrutsch seit dem Börsengang

Der Fall ist bemerkenswert, weil er einer der spektakulärsten Bewertungsverluste der jüngeren Börsengeschichte ist. SpaceX ging am 11. Juni zu einem Ausgabepreis von 135 US-Dollar an die Nasdaq und kletterte bis zum 16. Juni auf ein Rekordhoch von 225,64 Dollar. Seither hat die Aktie an der Nasdaq mehr als die Hälfte ihres Wertes eingebüßt, Marktbeobachtungen zufolge sind seit dem Höchststand über eine Billion Dollar Marktkapitalisierung verschwunden. Für Anleger, die zum Ausgabepreis eingestiegen sind, bedeutet das inzwischen ebenfalls ein deutliches Minus gegenüber ihrem Einstand.

Die Volatilität von annualisiert 65,13 Prozent unterstreicht, wie nervös der Handel mit dem Papier derzeit verläuft. Der Optionsmarkt rechnet vor den anstehenden Ereignissen mit außergewöhnlich starken Ausschlägen, während Leerverkäufer inzwischen rund 32 Prozent des frei handelbaren Streubesitzes shortselling betreiben – ein ungewöhnlich hoher Wert für ein Unternehmen dieser Größenordnung.

Quartalszahlen und Lockup als nächste Belastungsproben

Am 4. August legt SpaceX seinen ersten Geschäftsbericht seit dem Börsengang vor. Analysten rechnen mit rund 6,9 Milliarden Dollar Umsatz und einem Verlust von etwa 0,28 Dollar je Aktie. Das Starlink-Geschäft gilt dabei als tragende Säule: Es soll 2025 gut 61 Prozent des Konzernumsatzes gestellt haben, die Abonnentenzahl wird mit 10,3 Millionen angegeben, ein Plus von rund der Hälfte gegenüber dem Vorjahr.

Nur zwei Tage nach den Zahlen, am 6. August, endet zudem die Haltefrist für Insider und Frühinvestoren. Dann werden 911,5 Millionen Aktien handelbar, ein erheblicher Teil des Grundkapitals. Elon Musks eigener Anteil bleibt davon ausgenommen und ist bis Juni 2027 gesperrt. Jim Cramer riet im US-Sender CNBC Anlegern, vor dieser Doppelbelastung aus Zahlen und Lockup keine großen Positionen aufzubauen, obwohl er das Unternehmen langfristig positiv sieht.

Analysten tief gespalten über den fairen Wert

Selten klaffen Kurszielspannen so weit auseinander wie bei SpaceX derzeit: Sie reichen Analystenschätzungen zufolge von 62 bis 800 US-Dollar. Morgan-Stanley-Analyst Adam Jonas bekräftigt sein Overweight-Rating mit einem Kursziel von 300 Dollar und erwartet vom Zahlenwerk am 4. August eine positive Überraschung – getragen vom KI-Geschäft rund um Grok und Cursor sowie Deals mit Anthropic und Alphabet, die zusammen jährlich bis zu 26 Milliarden Dollar generieren könnten. Sollte die Aktie unter 100 Dollar fallen, wäre das laut Jonas ein Signal, dass der Markt diese KI-Aktivitäten komplett ignoriert.

Auf der anderen Seite steht Morningstar mit einer Verkaufsempfehlung und einem fairen Wert von lediglich 63 Dollar – ein Bruchteil der aktuellen Bewertung. Die Mehrheit der Analysten bleibt dennoch bei Kaufempfehlungen, das durchschnittliche Kursziel liegt Berechnungen zufolge deutlich über 200 Dollar. Trotz des Auseinanderklaffens der Einschätzungen kaufte der Vermögensverwalter ARK Invest zuletzt weiter zu, während parallel Warnungen vor einem Rutsch unter die runde 100-Dollar-Marke lauter werden.

FAA will Genehmigungen beschleunigen

Neben der Bilanzsaison sorgt eine regulatorische Nachricht für Aufmerksamkeit. Die US-Luftfahrtbehörde FAA schlug gestern eine Regel vor, die Ausnahmen von Vorgaben aus 13 Bundesgesetzen erlauben soll, darunter dem Endangered Species Act, dem Clean Water Act und dem Clean Air Act. Ziel ist es, Genehmigungsverfahren für kommerzielle Raketenstarts zu beschleunigen, die aktuell bis zu 36 Monate dauern können. SpaceX führte 2025 nach Behördenangaben 165 orbitale Starts durch und peilt binnen fünf Jahren bis zu 10.000 Starts pro Jahr an. Das Unternehmen wurde 2024 bereits mit 150.000 Dollar wegen Verstößen gegen den Clean Water Act belegt. Umweltverbände wie das Center for Biological Diversity kündigten bereits rechtliche Schritte gegen den Vorstoß an und bezeichneten ihn als unangemessenes Zugeständnis an die Branche.