Nach Wochen der Talfahrt hat die SpaceX-Aktie am Montag an der Wall Street kurzzeitig wieder den Ausgabepreis von 135 US-Dollar erreicht – zum ersten Mal seit Mitte Juli. Auslöser sind überraschend starke Quartalszahlen und eine überstandene große Aktiensperrfrist, die viele Anleger zuvor als Belastung gefürchtet hatten.
Q2-Zahlen übertreffen Erwartungen deutlich
SpaceX legte am Mittwoch überraschend starke Quartalszahlen vor. Der Umsatz kletterte um 92 Prozent auf 7,81 Milliarden Dollar und übertraf die Analystenschätzung von 6,93 Milliarden Dollar deutlich.
Auch auf der Kostenseite überraschte das Unternehmen positiv. Der Verlust je Aktie lag bei 0,09 Dollar und damit klar unter der Konsenserwartung von 0,26 Dollar Miese – ein Signal, dass die milliardenschweren Investitionen in künstliche Intelligenz die Profitabilität der Kernsegmente noch nicht ausbremsen.
Bei der Aufteilung nach Segmenten zeigt sich, wie ungleich das Wachstum verteilt ist. Starlink bleibt der einzige verlässliche Gewinnbringer: Das Connectivity-Geschäft erzielte einen operativen Gewinn von 1,656 Milliarden Dollar bei einem Umsatz von 4,291 Milliarden Dollar, getragen von inzwischen 12 Millionen Abonnenten – wenngleich der Umsatz pro Nutzer im Zuge des schnellen Wachstums zurückging.
Das KI-Geschäft dagegen bleibt tief in der Verlustzone, wenn auch mit sichtbarer Verbesserung: Bei einem Umsatz von 2,561 Milliarden Dollar stand ein operativer Verlust von 1,257 Milliarden Dollar, verglichen mit noch 2,5 Milliarden Dollar Verlust im Vorquartal. Das kleinere Raumfahrtsegment schrieb ebenfalls rote Zahlen, allerdings bei deutlich geringerem Umsatzvolumen.
Treiber der KI-Verluste sind massive Infrastrukturausgaben. Die Kapitalausgaben schnellten im Quartal auf 18,4 Milliarden Dollar, allein 15,8 Milliarden Dollar davon flossen in Rechenzentren und Chips für das KI-Geschäft.
Finanzchef Bret Johnsen verteidigte die Summe mit einer Amortisationszeit von unter einem Jahr für die KI-Rechenkapazitäten und bekräftigte das Ziel, bis Jahresende einen annualisierten Umsatz von 100 Milliarden Dollar zu erreichen.
Sperrfrist-Ende ohne Kurssturz
Parallel zu den Zahlen stand am Donnerstag die erste große Lockup-Expiration seit dem Börsengang im Juni an: 911,5 Millionen Aktien wurden handelbar, der frei handelbare Anteil verdoppelte sich auf rund 1,55 Milliarden Aktien. Viele Anleger hatten deshalb einen Ausverkauf erwartet.
Stattdessen sprang die Aktie am Freitag um fast 16 Prozent – der größte Tagesgewinn seit dem Börsengang. Die nächste Sperrfrist läuft am 20. August aus, weitere folgen bis Dezember und schließlich für Elon Musks eigene Anteile bis Juni 2027.
Analysten uneins, aber überwiegend zuversichtlich
Argus Research stufte die Aktie von Hold auf Buy hoch und nannte ein Kursziel von 160 Dollar, gestützt auf optimistische Umsatzschätzungen für die kommenden Jahre. Deutsche-Bank-Analyst Edison Yu bezeichnete das 100-Milliarden-Dollar-Umsatzziel des Unternehmens als erreichbar, senkte sein Kursziel aber von 255 auf 235 Dollar und beließ es bei einer Kaufempfehlung.
Der Konsens von rund 39 Analysten liegt insgesamt spürbar über dem aktuellen Kursniveau, wenngleich die Einschätzungen breit streuen – von einer neutralen Haltung bei rund 140 Dollar bis zu optimistischen Zielen von 300 Dollar. Diese Spannbreite spiegelt, wie unterschiedlich Investoren die milliardenschweren KI-Wetten des Unternehmens bewerten.
Kleinanleger werden erstmals zu Verkäufern
Ein Detail sorgt für Aufmerksamkeit: Am Freitag verkauften Privatanleger erstmals seit dem Börsengang im Juni per Saldo SpaceX-Aktien, netto im Umfang von 4,5 Millionen Dollar. Institutionelle Investoren zeigten sich davon unbeeindruckt – Cathie Woods ARK Invest erwarb am selben Tag rund 115.000 SpaceX-Aktien im Wert von etwa 13,2 Millionen Dollar.
Auch außerhalb der klassischen Fondswelt wächst das Interesse an einem Engagement in SpaceX: Die an der Nasdaq gelistete Autozi Internet Technology kündigte am Montag an, über ihre Hongkonger Tochter eine bedeutende wirtschaftliche Beteiligung an SpaceX als strategisches Treasury-Asset aufbauen zu wollen – vorbehaltlich Due Diligence und Finanzierung.
Im deutschen Handel notiert das Papier aktuell bei 114,34 Euro, ein leichter Rücksetzer von 0,69 Prozent am heutigen Montag. Auf Wochensicht steht dennoch ein Plus von 15,03 Prozent – Spiegelbild der Erholung, die mit den Quartalszahlen und der überstandenen Sperrfrist einsetzte.
Ob die Rally über den Ausgabepreis hinaus anhält, dürfte davon abhängen, wie glaubwürdig SpaceX sein selbstgestecktes Ziel von 100 Milliarden Dollar Jahresumsatz bis Dezember untermauern kann.
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