Starke Zahlen, schwacher Kurs: SpaceX hat mit seinem ersten Quartalsbericht als börsennotiertes Unternehmen die Erwartungen bei Umsatz und Verlust übertroffen — und wurde dafür mit Kursverlusten abgestraft. Der Grund liegt nicht im operativen Geschäft, sondern in der Kapitalintensität des KI-Ausbaus.

Zahlen schlagen Prognosen, Investitionen schlagen Alarm

Im zweiten Quartal setzte SpaceX 7,81 Milliarden Dollar um, deutlich mehr als die von Analysten erwarteten 6,93 Milliarden Dollar. Der Verlust je Aktie fiel mit 9 Cent ebenfalls geringer aus als die prognostizierten 26 Cent Minus. Das bereinigte EBITDA kletterte auf 3,5 Milliarden Dollar.

Was die Bilanz kippen ließ, waren die Investitionen. SpaceX gab im Quartal rund 18,4 Milliarden Dollar aus — mehr als sechsmal so viel wie im Vorjahr und deutlich über der Analystenschätzung von 13,22 Milliarden Dollar. Der Großteil floss in die KI-Infrastruktur, wo das Unternehmen im Wettbewerb mit OpenAI, Anthropic und Google noch deutlich zurückliegt.

Die neue Sparte SpaceXAI verbuchte 2,56 Milliarden Dollar Umsatz, aber einen operativen Verlust von 1,26 Milliarden Dollar. CFO Bret Johnsen argumentierte, die Kapitalrendite falle inzwischen binnen eines Jahres an, unter anderem dank neuer Cloud-Verträge mit Google, Anthropic und Reflection AI. Die Aktie reagierte auf diese Botschaft mit einem nachbörslichen Rückgang von 7,5 Prozent und notiert damit rund 20 Prozent unter dem ersten Handelskurs vom Börsengang im Juni.

Starlink bleibt der verlässliche Motor

Während das KI-Geschäft noch Geld verbrennt, liefert Starlink weiter solide Zahlen. Der Satelliten-Internetdienst setzte 4,29 Milliarden Dollar um, das operative Ergebnis stieg um 80 Prozent. Die Kundenzahl wuchs binnen drei Monaten von 10,3 auf 12 Millionen — auch getrieben durch neue Vereinbarungen mit Fluggesellschaften.

Elon Musk bekräftigte auf dem Earnings Call das Ziel von 100 Milliarden Dollar annualisiertem Umsatz bis Jahresende, eingerechnet ist bereits der geplante Abschluss der Cursor-Übernahme im Volumen von 60 Milliarden Dollar. Kritische Stimmen verweisen jedoch auf rechtliche Risiken: Für mögliche Umweltverstöße an den Memphis-Rechenzentren hat SpaceX bereits eine Rückstellung von 354 Millionen Dollar gebildet.

Lockup-Frist als nächste Belastungsprobe

Noch bevor sich der Kurs von den Zahlen erholen konnte, rückt der nächste Termin ins Blickfeld: Am Donnerstag läuft die erste Lockup-Frist aus, bis zu 912 Millionen Aktien von Mitarbeitern und Frühinvestoren werden dann handelbar. Weil die Banken die Sperrfristen über fast ein Jahr gestaffelt haben, dürften bis Mitte 2027 weitere 12,9 Milliarden Aktien freigegeben werden.

Schon die erste Freigabe könnte die aktuell verfügbare Streubesitzmenge mehr als verdoppeln, bei Auslösung einer kursabhängigen Sonderklausel sogar verdreifachen. Ob Insider tatsächlich in großem Stil verkaufen, gilt als entscheidender Stimmungstest für die kommenden Wochen — unabhängig von den operativen Zahlen.