SpaceX hat am Sonntag seinen ersten Quartalsbericht als börsennotiertes Unternehmen veröffentlicht – und liefert damit die Antwort auf die Frage, die den Markt seit Wochen umtreibt: Trägt das Wachstum im KI-Geschäft die hohe Bewertung des Raumfahrt- und Satellitenkonzerns? Der Finanzdienst The Motley Fool bezeichnete die veröffentlichte Kennzahl als die entscheidende Größe für Anleger, blieb bei den Details aber vage.
Umsatz wächst um 92 Prozent, KI-Sparte verdreifacht sich
Im zweiten Quartal erzielte SpaceX einen Umsatz von 7,8 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 92 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen kletterte auf 3,5 Milliarden Dollar. Größter Wachstumstreiber war das KI-Geschäft mit 2,6 Milliarden Dollar Umsatz – nahezu eine Verdreifachung. Starlink, das Satelliteninternet-Geschäft, steuerte 4,2 bis 4,3 Milliarden Dollar bei und zählt inzwischen 12 Millionen Abonnenten. Gegenläufig steht ein hoher Investitionsbedarf: Allein im zweiten Quartal gab SpaceX 18,4 Milliarden Dollar für Investitionen aus, vor allem in Rechenzentrumskapazität für künstliche Intelligenz. In der ersten Jahreshälfte 2026 stand insgesamt ein Verlust von 2 Milliarden Dollar in den Büchern – ein Kontrast, den The Motley Fool in einem separaten Beitrag dem Quartalsgewinn des Speicherchip-Herstellers Micron von 28 Milliarden Dollar gegenüberstellte, ohne daraus eine eindeutige Kaufempfehlung für eine der beiden Aktien abzuleiten.
Der Bericht kommt nur wenige Tage nach dem Ablauf der ersten Lockup-Frist seit dem Börsengang. Am 6. August wurden 911,5 Millionen Aktien für den Handel freigegeben, wodurch sich der Streubesitz von 4,9 auf 11,8 Prozent mehr als verdoppelte. Weitere Freigabetranchen folgen bis Dezember. Ein befürchteter Verkaufsdruck blieb jedoch aus – im Gegenteil, die Aktie legte in der vergangenen Woche kräftig zu. Ein ehemaliger SpaceX-Ingenieur kündigte zwar an, seine Anteile „ein bisschen mehr“ abzustoßen, konkrete Details dazu blieben allerdings offen.
Kursreaktion fällt deutlich aus
Im deutschen Handel schloss die Aktie am Freitag bei 115,14 Euro, ein Tagesplus von 15,66 Prozent. Auf Wochensicht summiert sich der Zuwachs auf 22,53 Prozent. Trotz der jüngsten Rally bleibt das Papier 40,79 Prozent von seinem 52-Wochen-Hoch entfernt, das im Juni erreicht wurde – ein Hinweis darauf, wie stark der Kurs seit dem Rekordhoch unter Druck stand, bevor Quartalsbericht und Lockup-Ablauf für neue Kauflaune sorgten.
Analysten zwischen Euphorie und Skepsis
Die Reaktionen der Analysten fallen gespalten aus. Morgan Stanley-Analyst Adam Jonas hob sein Kursziel nach den Zahlen und dem Lockup-Ablauf auf 300 Dollar an und begründet mehr als die Hälfte dieses Ziels mit dem KI-Geschäft. Das Analysehaus Argus stufte die Aktie derweil von Hold auf Buy hoch und nennt ein Kursziel von 160 Dollar. Insgesamt bewerten 31 Analysten das Papier mit einem durchschnittlichen Kursziel von 229,54 Dollar, die Einschätzungen reichen von 24 Kaufempfehlungen über fünf Halteempfehlungen bis zu zwei Verkaufsempfehlungen. Die Zielspanne der Häuser ist mit 75 bis 800 Dollar ungewöhnlich breit.
Der Investor James Foord beschreibt SpaceX als eine der binärsten Wetten am Markt: Gelingt es dem Unternehmen, seine KI-Rechenkapazität bis 2027 auf zehn Gigawatt auszubauen und damit rund 300 Milliarden Dollar Jahresumsatz zu erzielen, sieht er ein Kursziel von 250 Dollar gerechtfertigt. Bleibt der Ausbau hinter den derzeit 0,4 Gigawatt Zubau im zweiten Quartal zurück, hält er einen Kurs von nur 25 Dollar für möglich. Foord selbst positioniert sich vorerst neutral und votiert für Halten.
Gestützt wird die KI-Wachstumsstory durch neue Geschäftsbeziehungen: Google zahlt SpaceX monatlich 920 Millionen Dollar für die Anmietung von rund 110.000 Nvidia-Grafikprozessoren, ein Vertrag mit einem Gesamtwert von knapp 30 Milliarden Dollar bis Juni 2029. Zusätzlich investieren SpaceX und Tesla gemeinsam 16,8 Milliarden Dollar in eine texanische Chipfabrik mit dem Namen Terafab, die rund 3.000 Arbeitsplätze schaffen soll. Ob diese milliardenschweren Wetten auf künstliche Intelligenz die hohe Volatilität der Aktie rechtfertigen, bleibt die zentrale Frage für Anleger in den kommenden Quartalen.
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