Der Börsenhype hat sich nach einer Woche merklich abgekühlt. SpaceX, das vor wenigen Tagen mit dem größten IPO der Börsengeschichte an die Nasdaq kam, kämpft nun mit dem typischen Post-Euphorie-Phänomen: Der Kurs ist von seinem Hoch bei 225,64 Dollar auf rund 185 Dollar zurückgefallen — damit liegt der durchschnittliche Käufer der ersten Handelswoche nur noch knapp im Plus.
Wo der Druck herkommt
Als Referenzpunkt dient der volumengewichtete Durchschnittspreis (VWAP) der ersten fünf Handelstage, der bei rund 181,71 Dollar lag. Institutionelle Investoren beobachten diesen Wert genau, weil er den effektiven Einstiegspreis der breiten Käuferschicht widerspiegelt. Wer nicht zum IPO-Preis von 135 Dollar zeichnen konnte, sondern im freien Handel kaufte, sitzt nun an einer psychologisch wichtigen Schwelle.
Hinzu kommt die Ankündigung einer Anleihe über mindestens 20 Milliarden Dollar — koordiniert von Goldman Sachs, JPMorgan, Bank of America, Citigroup und Morgan Stanley. Die Frage, warum ein Unternehmen, das gerade 85,7 Milliarden Dollar eingenommen hat, sofort wieder den Kapitalmarkt anzapft, verdient eine nüchterne Antwort.
Refinanzierung, nicht Notfall
Der Bond soll keinen akuten Liquiditätsbedarf decken. Vielmehr geht es darum, einen bestehenden Brückenkredit über 20 Milliarden Dollar abzulösen, der im Zusammenhang mit der xAI-Integration aufgenommen wurde und bis September 2027 läuft. IPO-Erlöse sind Eigenkapital — Anleihen sind Fremdkapital. Beides parallel zu nutzen, ist in der Unternehmensfinanzierung Standard, besonders wenn man günstige Konditionen für langfristige Schulden sichern will.
Moody’s hat SpaceX bereits mit „Baa1“ bewertet — Investment-Grade-Niveau. Eine erfolgreiche Platzierung wäre damit mehr als eine Refinanzierung: Sie würde zeigen, dass auch der nüchternere Anleihemarkt die Cashflow-Qualität des Unternehmens anerkennt.
Welche Kursziele kursieren
Das Analystenbild ist gespalten. Arete Research setzt das Kursziel bis Ende 2027 auf 401 Dollar — das wäre mehr als eine Verdopplung gegenüber dem aktuellen Niveau. Begründung: Kostensenkungen durch wiederverwendbare Starship-Raketen, weiteres Starlink-Wachstum und weltraumbasierte Rechenzentren als neues Geschäftsfeld. Andere Marktteilnehmer verweisen dagegen auf ein Kurs-Umsatz-Verhältnis von rund 130, einen Free-Float von unter fünf Prozent und die konzentrierte Stimmrechtsmacht von Elon Musk mit 84,3 Prozent — strukturelle Faktoren, die eine hohe Bewertungsprämie schwer rechtfertigen.
Die anstehende Anleiheemission, die laut Berichten bereits kommende Woche mit Investorengesprächen beginnen könnte, wird zum ersten großen Test. Gelingt die Platzierung zu attraktiven Konditionen, wäre das ein starkes Signal — und könnte die Kursdiskussion neu entfachen.
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