Sechs Großbanken, ein Tag, alle mit Kaufempfehlung. Was nach Zufall klingt, ist das Ende einer Pflichtfrist: Die Schweigepflicht der IPO-Konsortialbanken für SpaceX ist ausgelaufen. Das Ergebnis ist eine Kurszielspanne, die von 131 bis 800 Dollar reicht.
Sperrfrist endet, Kursziele explodieren
Fünfundzwanzig Tage nach dem Börsengang von SpaceX lief die Schweigepflicht der Konsortialbanken aus. Am Morgen des 7. Juli veröffentlichten die ersten Analysten ihre Einschätzungen. Noch vor Handelsbeginn hatten sechs große Banken die Coverage gestartet. Jede von ihnen vergab eine Kaufempfehlung.
Laut einem Bericht von Motley Fool gaben 19 Analysten am Dienstagmorgen Kursziele ab. Fast alle stuften die Aktie als Kauf oder starken Kauf ein. Der mittlere Kurszielwert lag bei 250 Dollar. Das entspricht einem Aufwärtspotenzial von 56 Prozent gegenüber dem Montagsschluss.
Die Spanne der Einzelziele ist breit. Das niedrigste Kursziel liegt bei 131 Dollar, das höchste bei 800 Dollar. Vierzehn der 19 Bewertungen bewegen sich zwischen 200 und 250 Dollar, im Schnitt bei 225 Dollar.
Raymond James mit Höchstwert, Morgan Stanley setzt auf KI
Raymond-James-Analyst Brian Gesuale startete die Coverage mit einem Kursziel von 800 Dollar. Das ist der höchste Wert am Markt. Für Anleger würde das ein Kurspotenzial von 435 Prozent gegenüber dem Dienstagsschluss bedeuten.
Gesuale bezeichnet SpaceX als eines der prägenden Industrieinfrastruktur-Unternehmen des 21. Jahrhunderts. Seine These stützt sich stark auf Starship. Die Rakete werde die Transportkosten ins All um 99 Prozent senken und gleichzeitig die Nutzlast um ein Vielfaches steigern, so seine Prognose.
Morgan-Stanley-Analyst Adam Jonas setzt sein Basisszenario bei 300 Dollar an. Das entspricht 87 Prozent Aufwärtspotenzial gegenüber dem Kurs vom 7. Juli bei 160,42 Dollar. Jonas begründet seine Einschätzung mit der Rolle von SpaceX als KI-Infrastruktur.
Er rechnet mit einem Umsatz von 319 Milliarden Dollar bis 2030. Bis 2040 könnte dieser Wert auf 3,3 Billionen Dollar steigen. Morgan Stanley lässt Raum für ein optimistisches Szenario bei 600 Dollar, das pessimistische liegt bei 75 Dollar.
Die übrigen Banken bewegen sich dazwischen. Citi nennt 200 Dollar mit Perspektive auf 900 Dollar oder mehr, UBS setzt 210 Dollar an, Macquarie 250 Dollar. Wells Fargo kommt auf 230 Dollar, Bank of America auf 235 Dollar. Goldman-Sachs-Analyst Eric Sheridan startet mit einer Kaufempfehlung bei 205 Dollar.
Weitere Stimmen kommen von BofA-Securities-Analyst Ronald Epstein mit 235 Dollar und RBC-Capital-Analyst Ken Herbert mit 225 Dollar.
Eine Gegenstimme warnt vor der Bewertung
Nicht jeder Analyst stimmt in den optimistischen Chor ein. MoffettNathanson-Analystin Julie Zhu bleibt als einzige neutral. Ihr Kursziel von 131 Dollar würde für Anleger ein Abwärtsrisiko von 18 Prozent bedeuten.
Ihr Team bezeichnet die von SpaceX genannte Marktgröße von 30 Billionen Dollar als absurd. Kein seriöses Finanzmodell könne die aktuelle Bewertung von rund 2 Billionen Dollar rechtfertigen, schreibt das Team.
Nasdaq-100-Aufnahme verstärkt den Kaufdruck
Am selben Morgen kam ein zweiter Kurstreiber hinzu: SpaceX wurde in den Nasdaq-100 aufgenommen. JPMorgan schätzt, dass allein diese Indexaufnahme passive Käufe von rund 4,3 Milliarden Dollar auslöste.
Die Gewichtung im Index bleibt bei etwa 1,3 Prozent gedeckelt. Grund dafür ist der geringe frei handelbare Anteil der Aktie von nur 4 bis 5 Prozent.
Interessenkonflikt im Hintergrund
Sowohl Morgan Stanley als auch Goldman Sachs waren federführende Konsortialbanken beim Börsengang im Volumen von 85,7 Milliarden Dollar. Banken in dieser Position profitieren finanziell, wenn sich die Aktie am Sekundärmarkt gut entwickelt. Das macht ihre Analysen nicht automatisch falsch. Es bleibt aber ein relevanter Fakt, wenn sechs Kaufempfehlungen ausgerechnet am Tag des Sperrfristendes erscheinen.
Zwischen höchstem und niedrigstem Kursziel liegen fast 700 Dollar. Diese Kluft zeigt, wie unterschiedlich Wall Street die Zukunft von SpaceX einschätzt: als KI- und Raumfahrt-Infrastruktur der nächsten Jahrzehnte auf der einen Seite, als überbewertetes Zukunftsversprechen auf der anderen. Der nächste Starship-Testflug in diesem Monat dürfte zeigen, welches Lager näher an der Realität liegt.
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