Kaum ein Börsengang der jüngeren Geschichte hat für so viel Kursbewegung gesorgt wie SpaceX. Wenige Wochen nach dem Debüt zeigt sich: Die Euphorie der ersten Handelstage weicht zunehmend nüchterner Betrachtung. Selbst TV-Investor Jim Cramer, langfristig bullish für Elon Musks Raumfahrtkonzern, rät aktuell zur Zurückhaltung.
Kursverfall und die Sache mit dem Timing
Die Aktie schloss am Mittwoch bei 112,55 US-Dollar — ein neues Schlusstief. Gegenüber dem Eröffnungskurs von 150 US-Dollar bedeutet das ein Minus von rund 30 Prozent, verglichen mit dem Mitte Juni erreichten Allzeithoch von 225,64 US-Dollar sogar ein Rückgang von etwa 50 Prozent. Der Börsenwert schrumpfte damit von zeitweise drei Billionen auf rund 1,5 Billionen US-Dollar.
Cramer warnte in seiner Sendung Mad Money explizit davor, jetzt größere Positionen aufzubauen. Sein Argument: Am 6. August läuft die erste Sperrfrist für Insiderverkäufe aus, zwei Tage nach den ersten Quartalszahlen als börsennotiertes Unternehmen. Bis zu 911,5 Millionen Aktien könnten dann handelbar werden — rund ein Fünftel der bislang gesperrten Anteile. Bei einem Short-Anteil von bereits mehr als 30 Prozent des Streubesitzes hält Cramer zusätzlichen Verkaufsdruck für wahrscheinlich. Wer einsteigen wolle, solle mindestens diesen Termin abwarten, so seine Botschaft.
HSBC bremst, Deutsche Bank bleibt optimistisch
Auch die Analystenzunft ist sich uneins. HSBC stufte die Aktie in einer Initiationsstudie auf „Hold“ ein und setzte ein Kursziel von 115 US-Dollar — praktisch auf dem aktuellen Niveau. Die Bank rechnete dabei sogar einen doppelten „Innovationsaufschlag“ für Musk ein, orientiert an der Tesla-Performance der ersten zehn Jahre nach deren Börsengang. Selbst mit dieser Prämie sieht HSBC viele langfristige Wachstumshoffnungen für Starlink, Startkapazitäten und KI-Aktivitäten bereits eingepreist. Ein „Blue Sky“-Szenario hält die Bank bei 293 US-Dollar für denkbar, geknüpft an eine kommerzielle Starship-Nutzung ab 2027 und verdoppelte Startkapazitäten.
Die Deutsche Bank sieht das deutlich optimistischer und bleibt bei „Kaufen“ mit einem Kursziel von 255 US-Dollar. Das Analystenbild bleibt damit gespalten — zwischen 115 und 255 US-Dollar liegt eine erhebliche Bandbreite, die unterschiedliche Einschätzungen zur kurzfristigen Bewertung widerspiegelt. Ergänzend sorgt aktuell eine Klage gegen Musks KI-Startup xAI wegen manipulierter Bildinhalte für zusätzliche Rechtsrisiken im Umfeld des Firmengeflechts, auch wenn sie SpaceX selbst nicht direkt betrifft.
Operativ bleibt das Bild durchwachsen: Für 2025 wies SpaceX 18,7 Milliarden US-Dollar Umsatz bei einem Nettoverlust von 4,9 Milliarden US-Dollar aus, profitabel ist vor allem Starlink. Bis zu den Quartalszahlen am 4. August und dem Ablauf der Sperrfrist zwei Tage später dürfte die Aktie damit zwischen operativen Fortschritten und Verkaufsdruck aus dem Insiderlager hin- und hergerissen bleiben.
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