Während sich der Kurs von SpaceX von seinem jüngsten Tiefpunkt erholt, richtet sich der Blick am Terminmarkt auf ungewöhnlich große Wetten institutioneller Anleger. Zwei umfangreiche Options-Kombinationen zeigen, dass erfahrene Trader den jüngsten Ausverkauf für überzogen halten und auf deutlich höhere Kurse in den kommenden Jahren setzen.
Große Risk-Reversal-Trades sorgen für Aufsehen
Am Terminmarkt für SpaceX-Aktien (SPCX) wechselten zuletzt Optionen im Volumen von rund 600 Millionen Dollar den Besitzer, davon entfielen 316 Millionen Dollar auf Put-Optionen. Auffällig: Allein 166 Millionen Dollar davon stammten aus Put-Verkäufen – ein Signal, dass Adressaten eher auf steigende als auf fallende Kurse setzen. Zwei einzelne Transaktionen fielen besonders groß aus. In einem Fall verkaufte ein Händler Put-Optionen mit einem Basispreis von 90 Dollar für 12 Millionen Dollar und kaufte gleichzeitig Call-Optionen mit einem Basispreis von 220 Dollar für 4,3 Millionen Dollar, mit Laufzeit bis Juni 2027. Im zweiten Fall wurden Puts mit Basispreis 75 Dollar für 3,5 Millionen Dollar verkauft und Calls mit Basispreis 185 Dollar für 5 Millionen Dollar bis Januar 2028 erworben. Solche Risk-Reversals gelten unter Optionshändlern als klassische Wette auf eine mittelfristige Bodenbildung. Parallel dazu fiel die implizite Volatilität der Optionen auf ihren niedrigsten Stand seit Ende Juni – ein weiteres Indiz dafür, dass der Markt Panikverkäufe für vorerst beendet hält.
Kursrallye nach Lockup-Ablauf und Quartalszahlen
Der Hintergrund dieser Wetten liegt in zwei Ereignissen der vergangenen Woche. Am vergangenen Dienstag hatte SpaceX seine erste Quartalsbilanz nach dem Börsengang vorgelegt – seither steht die Aktie mit 4,3 Prozent im Plus. Gestern lief zudem die Sperrfrist für Insider-Aktienverkäufe aus, wodurch erstmals rund 911,5 Millionen Aktien im Wert von etwa 100 Milliarden Dollar handelbar wurden. Statt des befürchteten Verkaufsdrucks setzte eine Kaufwelle ein: Seither hat sich der Kurs um 14,0 Prozent erholt. Im deutschen Handel springt die SpaceX-Aktie am heutigen Freitag auf 113,52 Euro, ein Plus von 14,03 Prozent. Binnen einer Woche summiert sich die Erholung auf 20,80 Prozent. Vom Jahrestief, das am Montag markiert wurde, hat sich der Kurs damit bereits um knapp ein Viertel gelöst. Getragen wird die Erholung auch von den Quartalszahlen selbst: Der Umsatz kletterte im zweiten Quartal auf 7,8 Milliarden Dollar, ein Plus von 92 Prozent gegenüber dem Vorjahr, während der ausgewiesene Verlust pro Aktie die Analystenschätzungen unterbot. Kritiker verweisen allerdings auf Investitionen von 18,37 Milliarden Dollar in die KI-Infrastruktur, die das Unternehmen in einen negativen freien Cashflow trieben.
Analysten uneins über das faire Kursziel
Das Analysehaus Argus stufte die Aktie am Freitag von Hold auf Buy hoch und nannte als Kursziel 160 Dollar. Begründet wird das Upgrade damit, dass sich die milliardenschweren KI-Investitionen langfristig auszahlen dürften und man gegen Elon Musk nicht wetten solle. Bei Morgan Stanley sieht Analyst Adam Jonas im Ablauf der Sperrfrist eine Einstiegschance und bezeichnet SpaceX als potenziellen „Generationen-Compounder“ – sein Kursziel liegt bei 300 Dollar. Weitere Häuser gehen deutlich optimistischer vor: Bernstein taxiert das Kursziel auf 248 Dollar, Citi auf 200 Dollar. Der Analystenkonsens liegt bei rund 232 Dollar und damit klar über den aktuellen Notierungen an der Nasdaq.
Weitere Aktienfreigaben stehen bevor
Anleger sollten den Ablauf der ersten Sperrfrist nicht als Endpunkt begreifen. Bereits am 20. August werden weitere 319 Millionen Aktien handelbar, am 9. September folgen erneut 319 Millionen, am 10. September 59 Millionen und am 24. September weitere 328 Millionen. Bis zum 8. Dezember sollen insgesamt mehr als 4,6 Milliarden Aktien frei gehandelt werden können. Der Anteil von Elon Musk selbst bleibt bis Juni 2027 gesperrt. Für institutionelle Investoren scheint das kein Hindernis: Der Staatsfonds Temasek hält nach jüngsten Angaben 9,8 Millionen SpaceX-Aktien im Wert von rund 1,26 Milliarden Dollar. Die kommenden Freigabetermine dürften damit zum entscheidenden Test werden, ob sich die aktuelle Bodenbildungs-These am Optionsmarkt bestätigt.
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