SpaceX steht heute vor der ersten echten Prüfung durch die Wall Street: Nach Börsenschluss, um 16:30 Uhr US-Ostküstenzeit, veröffentlicht das unter dem Kürzel SPCX an der Nasdaq gelistete Unternehmen seine Zahlen zum zweiten Quartal 2026 – die Debütbilanz seit dem Börsengang im Juni. Investoren wollen vor allem wissen, wie stark die Ausgaben für das KI-Geschäft die Kasse belasten und ob Starlink das Wachstum weiter tragen kann.

Analysten erwarten Milliardenverlust trotz Umsatzsprung

Laut LSEG rechnen Analysten mit einem Umsatz von 6,93 Milliarden Dollar und einem Verlust von 26 Cent je Aktie. Nach Schätzungen von StreetAccount dürfte sich der Umsatz auf die Sparten Space mit 835 Millionen Dollar, Connectivity mit 3,83 Milliarden Dollar und das KI-Geschäft mit 2,18 Milliarden Dollar verteilen. FactSet geht von einem Nettoverlust in Höhe von rund 1,9 Milliarden Dollar aus, was etwa 23 Cent je Aktie entspräche. Im Gesamtjahr 2025 hatte SpaceX einen Verlust von 4,9 Milliarden Dollar ausgewiesen.

Der Blick auf die vergangenen Monate liefert den Rahmen für diese Erwartungen. Am 11. Juni ging SpaceX mit einem Ausgabepreis von 135 Dollar an die Börse und sammelte dabei für 4,25 Prozent der Anteile 85,7 Milliarden Dollar ein. Die Aktie legte am ersten Handelstag deutlich zu und markierte am 16. Juni mit 225,64 Dollar ihr Rekordhoch. Seither ging es steil abwärts: Bloomberg berichtete, dass das Papier am Montag im US-Handel bei 114,53 Dollar schloss – 15 Prozent unter dem Ausgabepreis und fast die Hälfte unter dem Höchststand.

Im europäischen Handel zeigt sich heute eine Gegenbewegung: Die Aktie notiert bei 103,30 Euro und legt damit um 4,03 Prozent zu. Zum bisherigen 52-Wochen-Hoch bleibt allerdings ein Abstand von 46,88 Prozent – die Erholung ändert am grundsätzlichen Kursbild bislang wenig.

Starlink trägt, KI-Geschäft belastet

Starlink bleibt die einzige durchgehend profitable Sparte des Unternehmens. Zum Ende des ersten Quartals zählte der Satelliteninternetdienst 10,3 Millionen Abonnenten, für das Gesamtjahr rechnen Analysten mit einem Wachstum von 93 Prozent. Der durchschnittliche Umsatz pro Nutzer ist zugleich spürbar gesunken, von rund 86 auf etwa 65 bis 66 Dollar im Monat.

Das KI-Segment liefert das Gegenstück: hohe Erwartungen, aber auch hohe Ausgaben. Anthropic zahlt seit Juli monatlich 1,25 Milliarden Dollar für Rechenkapazität im Colossus-Rechenzentrum, ein Vertrag, der bis Mai 2029 läuft. Google zahlt ab Herbst monatlich 920 Millionen Dollar über eine Laufzeit von drei Jahren. Beide Abkommen lassen sich mit einer Frist von 90 Tagen kündigen, was ihre langfristige Verlässlichkeit einschränkt. Für das KI-Investitionsvolumen im zweiten Quartal werden rund 10,2 Milliarden Dollar erwartet – sechsmal so viel wie im Vorjahresquartal.

Starship-Test und Lockup-Ablauf setzen zusätzlichen Druck

Beim 13. Testflug der Starship-Rakete am 24. Juli setzte SpaceX erfolgreich Satelliten der Starlink-V3-Generation aus, verpasste jedoch die kontrollierte Wasserung der Booster-Stufe. Der nächste Flug ist für Ende August oder September geplant.

Parallel zu den Zahlen rückt ein zweiter Termin in den Fokus: Am Donnerstag läuft die Haltefrist für frühe Investoren aus, wodurch 911,5 Millionen Aktien im Wert von etwa 104,4 Milliarden Dollar handelbar werden – der frei handelbare Anteil dürfte sich damit annähernd verdoppeln. Leerverkäufer sitzen laut S3 Partners bereits auf Buchgewinnen von 8,3 Milliarden Dollar. Der Fernsehmoderator Jim Cramer riet Anlegern jüngst, vor dem Ablauf der Sperrfrist nicht aggressiv einzusteigen.

Kursziele der Analysten liegen weit auseinander

Die Einschätzungen zum fairen Wert klaffen ungewöhnlich stark auseinander. Morningstar-Analyst Nicolas Owens sieht den fairen Wert bei lediglich 63 Dollar, während New Street Research eine Kaufempfehlung mit Kursziel 165 Dollar ausspricht. Weitere Häuser bewegen sich dazwischen und darüber, die Zielspanne über den gesamten Analystenkreis reicht von 62 bis 800 Dollar. Diese Bandbreite spiegelt die Unsicherheit über den Wert der KI-Wette und die aktuelle Bewertung, die nach Berechnungen von ts2.tech bei etwa dem 77-Fachen des erwarteten Umsatzes liegt. Ob die heutigen Zahlen und der Lockup-Ablauf am Donnerstag die Talfahrt beenden oder verschärfen, dürfte sich in den kommenden Handelstagen zeigen.