Sieben Handelstage in Folge ging es abwärts, mehr als 20 Prozent Verlust, ein Rutsch unter den IPO-Preis. Jetzt kämpft sich die SpaceX-Aktie zurück. Am Donnerstag steht der Kurs bei 102,04 Euro, ein Plus von 0,97 Prozent. Vom Rekordhoch aus dem Juni bei 194,46 Euro trennen das Papier immer noch 47,53 Prozent.

Trotz dieser Talfahrt bleiben mehrere Großbanken bei ihren optimistischen Einschätzungen. Der Widerspruch zwischen Kursverlauf und Analystenmeinung könnte kaum größer sein.

Macquarie sieht KI-Potenzial jenseits der Raketen

Macquarie bestätigte am Dienstag seine Einstufung „Outperform“ und nennt ein Kursziel von 250 Dollar. Die Analysten kombinieren eine Sum-of-the-Parts-Bewertung mit einer Discounted-Cash-Flow-Analyse. Ihre These: SpaceX ist mehr als ein Raketenbauer.

Starlink, die wiederverwendbaren Trägerraketen und der Aufbau eigener Chips und Rechenzentren sollen dem Unternehmen eine seltene Position verschaffen. Macquarie sieht darin knappe, skalierbare Rechenleistung für KI-Anwendungen der nächsten Generation.

Konkret wird es bei einem Deal mit Anthropic. Das KI-Unternehmen hat sich die gesamte Rechenkapazität von SpaceX‘ Colossus-1-Rechenzentrum gesichert – rund 300 Megawatt Leistung und über 220.000 Nvidia-GPUs. Hinzu kommen mehrjährige Milliarden-Vereinbarungen mit Alphabet. Macquarie beschreibt SpaceX damit als Großhandels-Lieferanten für Hochleistungs-Infrastruktur, nicht nur als Anbieter von Raketenstarts.

Macquarie steht mit seiner Einschätzung nicht allein da:

  • Evercore ISI startete am 17. Juli mit „Outperform“ und einem Kursziel von 230 Dollar. Analyst Kutgun Maral erwartet starkes Wachstum bei Starlink, Launch-Services und KI-Infrastruktur.
  • Bernstein-Analyst Douglas Harned bestätigte am selben Tag „Outperform“ bei 239 Dollar.
  • JPMorgan hielt am 15. Juli an „Overweight“ fest, Kursziel 225 Dollar. Analyst Doug Anmuth verweist auf mögliche strategische Vorteile einer Fusion zwischen SpaceX und Tesla in den Bereichen KI, Robotik, Transport, Energie und Raumfahrttechnik.

Erste Quartalszahlen als Termin-Anker

SpaceX hat einen Termin gesetzt, der die Debatte entscheiden soll. Am 4. August 2026 veröffentlicht der Konzern nach Börsenschluss seine ersten Zahlen als börsennotiertes Unternehmen – für das zweite Quartal 2026.

Der Bericht wird zeigen müssen, ob operativer Cashflow die gewaltigen Investitionen in Starship und KI-Infrastruktur auffangen kann. Genau beobachten dürfte der Markt zudem das Verhältnis zwischen Starlink-Nutzerwachstum und Umsatz pro Kunde. Die Umsatzprognosen für das Gesamtjahr 2026 liegen zwischen 34 und 43 Milliarden Dollar.

Starship-Start liefert zusätzlichen Impuls

Parallel zur Berichtssaison rückt das Raketenprogramm Starship wieder in den Blick. Nach einem abgesagten Versuch in der Vorwoche wegen eines Problems bei der Triebwerkszündung ist der nächste Start für diesen Donnerstag angesetzt. Elon Musk hatte das Datum bestätigt, nachdem ursprünglich Montag im Gespräch war. Der Flug Starship 13 gilt als wichtiger Schritt auf dem Weg zur kommerziellen Nutzung des Systems.

Kursziele so weit auseinander wie selten

Wie unterschiedlich Wall Street das Unternehmen bewertet, zeigt eine Umfrage von S&P Global. Die durchschnittliche Einstufung lautet „Buy“, das mittlere Kursziel liegt bei 240,04 Dollar. Die Spanne reicht jedoch von 62 bis 800 Dollar – eine Bandbreite, die selten so groß ausfällt.

Diese Streuung spiegelt die zentrale Streitfrage wider: Ist SpaceX in erster Linie ein Raumfahrtunternehmen oder zunehmend ein KI-Infrastruktur-Anbieter? Der Bericht am 4. August dürfte darauf erste belastbare Antworten liefern.