Ein Kursziel von 62 Dollar. Ein anderes bei 401 Dollar. Selten haben Analysten bei einer frisch gelisteten Aktie so weit auseinandergelegen wie bei SpaceX.

Die Spanne zeigt: Wenige Wochen nach dem Rekord-Börsengang ist sich die Wall Street völlig uneins, wohin die Reise geht.

Eine Spanne von 339 Dollar

Der Datenanbieter mit dem breitesten Bild zeigt ein Kursziel von durchschnittlich 222,20 Dollar. Der optimistischste Analyst sieht 401 Dollar, der pessimistischste nur 115 Dollar. Andere Anbieter kommen auf einen Mittelwert von 188,17 Dollar, mit einer Bandbreite von 62 bis 310 Dollar.

Den bullishsten Ausreißer liefert Arete Research. Analyst Andrew Beale startete die Coverage am 18. Juni mit einem Kaufrating und einem Kursziel von 401 Dollar – der höchste Wert, den je ein Analyst für die Aktie genannt hat. Seine These stützt sich fast komplett auf unerprobte Technik: Starlink V3, die nächste Satellitengeneration, soll im Vorstadt-Breitband einen großen Markt erschließen. Dort sind Internetoptionen oft begrenzt, schnellere Verbindungen mit mehr Kapazität könnten viele Haushalte umwerben.

Der Haken dabei: Die neuen Satelliten sind zu groß für die bewährte Falcon 9. Nötig ist Starship, die wiederverwendbare Schwerlastrakete, die SpaceX seit Jahren testet – aber noch nie in einer vollständig kommerziellen Mission geflogen hat.

Am anderen Ende steht Morningstar-Analyst Nicolas Owens. Er vergibt ein Verkaufsrating mit einem Kursziel von 62 Dollar. Das entspricht einem Abwärtspotenzial von 61 Prozent gegenüber dem Schlusskurs vom Mittwoch. Seine Begründung: Das künftige Wachstum von SpaceX hänge stark von Starship ab – und von der Fähigkeit, das Programm auch zuverlässig umzusetzen. CFRA-Analyst Keith Snyder sieht es ähnlich kritisch. Sein Kursziel von 115 Dollar ist das niedrigste am Markt, seine Begründung: Die Aktie preise bereits übertriebene Wachstumsannahmen ein.

Mehr Bullen als Bären – vorerst

Trotz der breiten Streuung überwiegt aktuell der Optimismus. Insgesamt haben 13 Analysten eine Meinung zu SpaceX veröffentlicht. Sieben davon, also 63 Prozent, vergeben ein Kauf- oder Übergewichten-Rating. Vier stufen die Aktie neutral ein, zwei raten zum Verkauf.

Im Schnitt liegt das Kursziel bei rund 229 Dollar – das entspricht einem Aufwärtspotenzial von 45 Prozent gegenüber dem aktuellen Kurs. Oppenheimer-Analyst Timothy Horan positioniert sich in der Mitte, aber konstruktiver als Morningstar oder CFRA. Er hob sein Kursziel am 18. Juni – am selben Tag wie Arete – auf 250 Dollar an. Seine Begründung: SpaceX sei „das einzige vertikal integrierte KI-Unternehmen“ mit Kapital und Talent, um im großen Stil mitzuspielen.

Warum sich das Bild bald ändern könnte

Das aktuelle Meinungsbild zeigt nur einen Ausschnitt der Wall Street. Viele große Investmentbanken haben sich bislang zurückgehalten – aus gutem Grund. Banken, die am Börsengang als Underwriter beteiligt waren, unterliegen einer sogenannten Quiet Period. In dieser Zeit dürfen sie keine Analysen, Kommentare oder Kursziele veröffentlichen.

Diese Zurückhaltung hat mit der Größe des Börsengangs zu tun. SpaceX holte für seinen Rekord-Börsengang über 85,7 Milliarden Dollar ein Konsortium von 23 Underwritern an Bord – historisch in mehrfacher Hinsicht.

Diese Schweigepflicht endet nun. Am Dienstag, den 7. Juli, läuft die Quiet Period offiziell aus. Dann dürfen auch die bislang stummen Banken ihre Einschätzungen veröffentlichen. Eine neue Welle an Ratings steht bevor – sie könnte die Kluft zwischen Bullen und Bären schließen. Oder sie noch weiter aufreißen.

Aktie deutlich unter ihrem Hoch

Die gespaltene Analystenmeinung trifft auf eine Aktie, die selbst schwankt. Am 2. Juli notierte SpaceX bei 157,69 Dollar, nach einem Vortagesschluss von 157,54 Dollar. Die Tagesspanne lag zwischen 157,29 und 159,74 Dollar. Die 52-Wochen-Spanne reicht von 135,00 bis 225,64 Dollar.

Der Abstand zum Rekordhoch nach dem Börsengang zeigt, wie stark sich die Aktie seit ihrem Debüt abgekühlt hat – während die Meinungen der Profis weiter auseinanderdriften. Mit dem Ende der Quiet Period und einer erwarteten neuen Analystenwelle dürfte sich in den kommenden Tagen zeigen, ob sich diese Kluft schließt oder ob noch mehr widersprüchliche Stimmen dazukommen.