Kein Börsengang der jüngeren Geschichte ist so schnell vom Höhenflug in den freien Fall übergegangen wie der von SpaceX. Nur wenige Wochen nach dem Debüt steht das Raumfahrt- und KI-Konglomerat von Elon Musk vor seinem ersten Quartalsbericht als börsennotiertes Unternehmen – und die Vorzeichen könnten kaum angespannter sein.

Vom Rekordhoch in den Ausverkauf

Der Ausgabepreis beim Börsengang am 12. Juni lag bei 135 US-Dollar. Danach schoss die Aktie zeitweise bis auf ein Allzeithoch von 225,64 US-Dollar, bevor sie in vier aufeinanderfolgenden Wochen mit Verlusten abschloss. Aktuell notiert das Papier bei rund 108 US-Dollar – mehr als die Hälfte unter dem Zwischenhoch. Seit dem ersten Handelstag hat SpaceX damit über 500 Milliarden Dollar an Marktkapitalisierung eingebüßt, ein Wertverlust, der selbst den schwachen Facebook-Börsenstart von 2012 in den Schatten stellt.

Der Quartalsbericht kommt am Dienstag nach US-Börsenschluss, der Earnings Call startet um 22:30 Uhr deutscher Zeit. Nach Einschätzung von Bernstein-Analysten dürfte die reine Ergebniszahl dabei fast zweitrangig sein. Entscheidend sei vielmehr, wie überzeugend das Management den Wachstumspfad und die Finanzierung der milliardenschweren Zukunftsprojekte darstellt.

Starlink soll die Rechnung begleichen

Analysten rechnen mit einem Konzernumsatz von rund 6,8 bis 6,9 Milliarden Dollar, getragen vor allem vom Satellitengeschäft Starlink mit einer operativen Marge von knapp 36 Prozent. Beim Gewinn herrscht dagegen Uneinigkeit: Je nach Kostenannahme reichen die Schätzungen von minus 1,26 bis plus 0,33 US-Dollar pro Aktie. Ein verlässlicher Konsens lässt sich daraus kaum ableiten.

Klarer ist die Kapitalbindung. Allein im zweiten Quartal投 investierte der Konzern rund 13,2 Milliarden Dollar, die Gesamtinvestitionen sollen sich bis 2028 nach Analystenschätzungen fast verdreifachen. Parallel dazu könnte die Verschuldung von aktuell rund 42 Milliarden Dollar auf über 200 Milliarden Dollar klettern – Zahlen, die zeigen, wie stark die KI- und Raumfahrtambitionen auf Pump finanziert werden.

Shortseller und Aktiensperre als Wildcard

Die Kursschwäche hat Spekulanten angelockt wie kaum ein anderes Papier zuvor. Das Short Interest liegt bei rund 24,2 Milliarden Dollar und damit bei etwa 32 Prozent der frei handelbaren Aktien – SpaceX hat damit sogar Tesla als am stärksten leerverkaufte Aktie überholt. Enttäuschen die Zahlen, könnte das die Verkaufswelle verstärken. Übertrifft SpaceX jedoch die Erwartungen, drohen Shortsellern schnelle Rückkäufe, die den Kurs kräftig nach oben treiben könnten.

Hinzu kommt eine technische Komponente: Am Donnerstag endet eine erste Verkaufssperre, wodurch Mitarbeiter und frühe Investoren bis zu 911,5 Millionen Aktien freigeben können. Eine weitere Tranche von 455,8 Millionen Aktien bleibt an einen Kurs von mindestens 175,50 US-Dollar gebunden – ein Niveau, das angesichts der aktuellen Kurslage kaum in Reichweite liegt.

Analysten bleiben trotz Ausverkauf mehrheitlich bullish

Trotz der scharfen Korrektur hält die Mehrheit der Analystenhäuser an ihrer positiven Einschätzung fest. Von 30 erfassten Analysten empfehlen 23 den Kauf, sechs raten zu „Halten“, nur einer zum Verkauf. Bernstein und Cantor sehen Kursziele von 239 beziehungsweise 246 US-Dollar, New Street Research liegt mit 165 US-Dollar deutlich vorsichtiger. Als zentralen Werttreiber nennt Bernstein die Wiederverwendbarkeit der Starship-Rakete – beim jüngsten Testflug am 24. Juli gelang zwar die Trennung der Super-Heavy-Booster, die Landung verlief jedoch nicht vollständig kontrolliert.

Auch geopolitisch bleibt Konkurrenzdruck im Blick: China hat mit der Bergung seines Long-March-10B-Boosters einen Fortschritt erzielt, liegt bei nachgewiesener Wiederverwendbarkeit laut Bernstein aber weiterhin deutlich hinter SpaceX zurück, das seine Falcon-9-Booster seit fast einem Jahrzehnt wiederverwendet.

Am Dienstagabend zeigt sich, ob Starlinks Margen den Kapitalhunger der KI- und Raumfahrtsparten auffangen können. Zwei Tage später sorgt die auslaufende Verkaufssperre für einen zusätzlichen Belastungstest – unabhängig davon, wie die Zahlen ausfallen.