Ron Baron traut SpaceX Unglaubliches zu. Der Gründer von Baron Capital projizierte am Freitag eine Bewertung zwischen 20 und 40 Billionen Dollar innerhalb der kommenden zehn bis fünfzehn Jahre – getrieben durch das Wachstum von Starlink und den Ausbau orbitaler KI-Infrastruktur. Die Aussage reiht sich in eine Serie teils gegensätzlicher Einschätzungen ein, die derzeit um den richtigen Wert des Raumfahrtkonzerns ringen.

Starlink wächst schneller als erwartet

Rückenwind erhält die optimistische Sicht durch handfeste Nutzerzahlen. Die US-Regulierungsbehörde FCC bezifferte die Starlink-Abonnentenzahl in den Vereinigten Staaten in einem Bericht vom Donnerstag auf über 7 Millionen – gegenüber rund 2 Millionen Ende 2025 ein deutlicher Sprung.

Konzernchef Elon Musk hatte zuvor in einer internen Mitarbeiterversammlung sogar von mehr als 13 Millionen Verbraucherabonnenten weltweit sowie 22 Millionen monatlichen Nutzern von „Starlink Mobile“ gesprochen.

Diese Dynamik ist der Kern der Baron-These: Wenn Starlink tatsächlich zum globalen Infrastrukturanbieter für Konnektivität und KI-Rechenleistung im Orbit wird, rechtfertigt das aus seiner Sicht Bewertungen, die weit über dem liegen, was traditionelle Raumfahrtunternehmen je erreicht haben.

Nicht alle teilen diesen Enthusiasmus. Morningstar-Analyst Nicolas Owens hatte die Coverage Anfang August mit einem „Verkaufen“-Äquivalent und einem fairen Wert von nur 63 Dollar je Aktie aufgenommen – er hält die Kapitalrendite der KI-Investitionen für überbewertet eingepreist.

Auch Daiwa Capital Markets senkte am Donnerstag das Kursziel von 175 auf 140 Dollar und verwies auf die hohen Kosten der kapitalintensiven Expansion, blieb aber bei einer neutralen Einstufung.

Zwischen Rekordumsatz und Milliarden-Investitionen

Die fundamentale Basis für solche Spekulationen lieferte SpaceX selbst mit seinen ersten öffentlichen Quartalszahlen. Der Umsatz stieg im zweiten Quartal um 92 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 7,81 Milliarden Dollar, der Nettoverlust verengte sich auf 541 Millionen Dollar.

Zum 30. Juni verfügte der Konzern über eine Kassenposition von 100 Milliarden Dollar und einen Auftragsbestand von 47,5 Milliarden Dollar. Piper Sandler senkte dennoch das Kursziel auf 140 von zuvor 156 Dollar, mit Verweis auf erwartete Investitionsausgaben von 65 Milliarden Dollar im Jahr 2027 – ein Betrag, der die Größenordnung der Baron-Prognose relativiert und zeigt, wie kapitalhungrig das Wachstum bleibt.

Diese Ausgabenlast erklärt auch, warum Analysten trotz starker Nutzerzahlen vorsichtig bleiben: Die Rentabilität der milliardenschweren Investitionen in Starship, Starlink und die kürzlich vereinbarte Übernahme des KI-Codierungsstartups Cursor für 60 Milliarden Dollar in Aktien muss sich erst noch beweisen.

Kurs bleibt volatil

Am deutschen Markt spiegelt sich diese Unsicherheit in erratischen Kursbewegungen. Die Aktie schloss am Freitag bei 120,96 Euro, nach einem Minus von 1,2 Prozent auf Tagessicht, notiert aber auf Wochensicht mit einem Plus von 5,1 Prozent.

Der Abstand zum 52-Wochen-Hoch von 194,46 Euro beträgt derzeit 38 Prozent – ein Hinweis darauf, dass trotz der euphorischen Langfristprognosen von Baron Capital am Markt weiterhin erhebliche Skepsis gegenüber der aktuellen Bewertung herrscht.

Die Spanne der Analystenmeinungen zwischen einem fairen Wert von 63 Dollar und Kurszielen von 300 Dollar zeigt, wie weit die Einschätzungen zur künftigen Rolle von SpaceX in der KI- und Raumfahrtinfrastruktur derzeit auseinanderliegen.