Wenige Tage vor ihrem ersten Zahlenwerk als börsennotiertes Unternehmen gerät die SpaceX-Aktie unter Druck. Im US-Handel war das Papier am Donnerstag bis auf 107,01 US-Dollar gefallen, mehr als die Hälfte unter dem Rekordhoch vom 16. Juni. Im deutschen Handel schloss die Aktie am Freitag bei 93,96 Euro, ein Minus von 3,48 Prozent zum Vortag. Der Relative-Stärke-Index von 31,0 Punkten notiert damit nahe der als überverkauft geltenden Marke von 30 – ein Hinweis darauf, wie stark die Verkaufswelle der vergangenen Wochen den Kurs bereits belastet hat.
Short-Seller positionieren sich massiv vor Zahlen und Lockup
Der eigentliche Spannungsbogen der kommenden Woche liegt jedoch nicht im Chart, sondern in der Positionierung institutioneller Investoren. Das Short-Interesse bei SpaceX kletterte laut S3 Partners bis zum 29. Juli auf 219,3 Millionen Aktien, rund 34 Prozent des frei handelbaren Streubesitzes und ein Marktwert von 24,6 Milliarden US-Dollar. Damit übertrifft die gegen SpaceX gerichtete Wette inzwischen sogar die Short-Positionen gegen Tesla. Noch am 16. Juni, dem Tag des Allzeithochs, hatte das Short-Volumen lediglich bei 23,3 Millionen Aktien gelegen. S3-Analyst Sam Pierson bezeichnete die Wette der Leerverkäufer als „big bet on the unlock“ – eine Anspielung auf die am kommenden Donnerstag, dem 6. August, auslaufende Haltefrist, durch die bis zu 911,5 Millionen Aktien zusätzlich handelbar werden könnten. Aktuell befinden sich lediglich rund 640 Millionen Aktien im freien Umlauf, nach dem Lockup-Ende könnten es rund 12 Prozent der Gesamtaktien sein. Die Leihgebühren für Short-Positionen sind bereits spürbar gestiegen, dürften nach dem Unlock nach Einschätzung von Marktbeobachtern aber wieder sinken, sobald mehr Aktien verfügbar sind.
Bereits am kommenden Dienstag, dem 4. August, meldet SpaceX zum ersten Mal Quartalszahlen als Publikumsgesellschaft. Analysten erwarten für das zweite Quartal einen Umsatz von rund 6,8 bis 6,88 Milliarden US-Dollar bei einem Verlust je Aktie von 0,23 US-Dollar. Im Gesamtjahr 2025 hatte das Unternehmen 18,7 Milliarden US-Dollar Umsatz bei einem Nettoverlust von 4,9 Milliarden US-Dollar ausgewiesen. Für die kommenden Jahre rechnen Beobachter mit einem massiven Anstieg der Investitionsausgaben, von 48,7 Milliarden US-Dollar im laufenden Jahr auf 118,4 Milliarden US-Dollar bis 2028, begleitet von einem Anstieg der Verschuldung auf rund 218 Milliarden US-Dollar.
Milliardenauftrag der Space Force als Kontrapunkt
Inmitten der Turbulenzen sorgte SpaceX zuletzt auch für positive Schlagzeilen: Die US Space Force vergab einen Auftrag über 1,6 Milliarden US-Dollar für 18 Falcon-9-Starts mit SBST-Satelliten, die bis Ende 2027 von Vandenberg aus ins All gebracht werden sollen. Pro Start zahlt das Militär rund 89 Millionen US-Dollar, deutlich mehr als der kommerzielle Regelpreis von etwa 70 Millionen US-Dollar. Konkurrenten wie ULA und Blue Origin stehen dem Auftrag nach technischen Problemen derzeit nicht als Alternative zur Verfügung.
Analysten uneins: Kursziel-Spanne von 75 bis 800 Dollar
An der Wall Street gehen die Meinungen weit auseinander. Morgan Stanley bestätigte sein „Overweight“-Rating mit einem Kursziel von 300 US-Dollar und argumentiert, das KI-Geschäft von SpaceX werde unterhalb einer Marke von 120 US-Dollar faktisch mit null bewertet. Phillip Securities hingegen startete die Coverage mit einem „Sell“-Rating und einem Kursziel von lediglich 75 US-Dollar. Die Analysten begründen ihre skeptische Einschätzung mit erwarteten negativen freien Cashflows bis mindestens 2030 und der Abhängigkeit des KI-Wachstums von Compute-Verträgen, die bereits Ende 2029 auslaufen. Der Analystenkonsens aus 30 Häusern liegt insgesamt bei „Moderate Buy“ mit einem Durchschnittskursziel von 239,04 US-Dollar, die Spanne reicht von 115 bis 800 US-Dollar.
Musk dementiert Tesla-Fusion, Starship liefert durchwachsene Bilanz
Zusätzliche Unsicherheit brachte ein Bericht des Wall Street Journal über mögliche Fusionsvorbereitungen zwischen Tesla und SpaceX, verbunden mit Spekulationen über einen Verkauf des China-Geschäfts von Tesla. Elon Musk wies die Berichte als „absurdly fake news“ zurück. Auf dem operativen Feld lieferte der 13. Testflug des Starship-Raumschiffs Ende Juli ein gemischtes Ergebnis: Erstmals setzte SpaceX 20 funktionsfähige Starlink-V3-Satelliten aus, die Oberstufe wasserte kontrolliert im Indischen Ozean. Bei der Landung des Boosters zündeten jedoch nur fünf von 13 Triebwerken, die Rückkehr endete in einer harten Wasserung. Für Anleger bleibt damit vor den anstehenden Terminen am 4. und 6. August eine Gemengelage aus operativem Fortschritt, aggressiver Investitionsplanung und einer historisch hohen Short-Positionierung.
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