Elf Milliarden Dollar Umsatzsprung, ein Startrekord bei den Falcon-9-Raketen und ein Milliardenverlust, der sich fast halbiert hat: SpaceX liefert als frisch börsennotiertes Unternehmen einen ungewöhnlichen Mix aus operativer Wucht und finanzieller Zerbrechlichkeit. Die Aktie notiert am Freitag bei 116,08 Euro, ein Plus von 1,1 Prozent zum Vortag. Nach einer volatilen Phase seit dem Börsengang wirkt das wie eine kleine Verschnaufpause.

Starlink knackt die 11.000er-Marke

SpaceX hat diese Woche die Schwelle von 11.000 Satelliten in der Erdumlaufbahn überschritten. Das Starlink-Netzwerk bildet damit eines der zentralen Standbeine des Konzerns. Nur wenige Tage zuvor hatte SpaceX einen operativen Rekord aufgestellt: Zwei Falcon-9-Raketen starteten für die Missionen USSF-366 und Globalstar im kürzesten je gemessenen Abstand zwischen zwei Orbitalflügen.

Der Doppelstart am vergangenen Samstag brachte die Zahl der Falcon-9-Starts im laufenden Jahr auf 96. Rund drei Viertel davon transportierten Starlink-Satelliten. Die wiederverwendbare Falcon-9-Flotte bleibt damit das Rückgrat des Geschäfts, auch wenn sich die Aufmerksamkeit zunehmend auf das nächste große Projekt verschiebt: Starship.

Erster Orbitalflug für Starship geplant

Investoren blicken auf Flight 14, den ersten echten Orbitalflug-Versuch des Starship-Systems. Bei der Telefonkonferenz zu den Quartalszahlen am 4. August bestätigte CEO Elon Musk, dass dieser Start noch im laufenden Monat stattfinden soll. SpaceX will dabei erstmals verbesserte Starlink-Satelliten über Starship in die Umlaufbahn bringen.

Musk kündigte zudem an, die Oberstufe der Rakete am Startplatz auffangen zu wollen. Dieses Manöver hat SpaceX bisher noch nie versucht, es steht noch unter dem Vorbehalt behördlicher Genehmigung. Gelingt es, wäre das ein wichtiger Schritt in Richtung vollständiger Wiederverwendbarkeit.

Beim Ausblick auf die künftige Startfrequenz zeigte sich Musk selbstbewusst. Er rechnet damit, dass sich die Taktung rasch erhöht. In einem Jahr soll Starship mindestens einmal täglich starten, möglicherweise öfter.

Umsatz verdoppelt, Verlust bleibt

Die Starship-Neuigkeiten fielen mit den ersten Quartalszahlen als börsennotiertes Unternehmen zusammen. Im zweiten Quartal erzielte SpaceX einen Umsatz von 7,8 Milliarden Dollar, fast doppelt so viel wie die 4,1 Milliarden Dollar im Vorjahresquartal. Der Nettoverlust sank deutlich auf 541 Millionen Dollar, nach einer Milliarde Dollar Verlust im Vorjahr.

Das Startgeschäft bremst die Profitabilität weiterhin aus, auch wenn es für die meisten Schlagzeilen sorgt. Das Segment Space, das kleinste der drei Geschäftsbereiche und zuständig für die Raketenstarts, verbuchte 962 Millionen Dollar Umsatz bei einem operativen Verlust von 542 Millionen Dollar.

Hebelprodukte verstärken die Ausschläge

Die Aktie notiert derzeit rund 40 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 194,46 Euro aus Mitte Juni, aber 28 Prozent über dem erst Anfang August erreichten Tief von 91,04 Euro. Diese Spanne zeigt, wie stark der Kurs seit dem Börsengang schwankt.

Verstärkt wird diese Volatilität durch gehebelte Handelsprodukte. Der Anbieter Direxion bietet inzwischen sowohl Long- als auch Short-Zertifikate auf SpaceX an, gepaart mit ähnlichen Instrumenten auf Tesla. Das Short-Produkt kam just in dem Moment auf den Markt, als SpaceX seine ersten Quartalszahlen als börsennotiertes Unternehmen veröffentlichte und die erste Lock-up-Frist nach dem Börsengang auslief.

Die kommenden Wochen bringen zwei Belastungsproben zugleich. Zum einen den Starship-Flug mit dem riskanten Fangmanöver der Oberstufe. Zum anderen die schrittweise Freigabe weiterer Aktienpakete aus der Lock-up-Periode, die zusätzliches Angebot in den Markt bringen könnte.