Auf der Wall Street überschlagen sich die Analysten mit Lob. An der Börse hingegen stürzen die Papiere ab. Bei SpaceX klaffen Analysten-Fantasie und Marktrealität derzeit weit auseinander. Der Raketenbauer kämpft mit heftigem Gegenwind.
Unter dem Ausgabepreis
Am Dienstag rückte das Unternehmen in den Nasdaq-100 auf. Das Index-Update brachte massiven passiven Kaufdruck. JPMorgan schätzt dieses Volumen auf rund 4,3 Milliarden Dollar.
Der Kurs fiel trotzdem. Am Mittwoch schloss das Papier bei 148 US-Dollar. Damit rutschte der Wert den zweiten Tag in Folge unter den Ausgabepreis von 150 Dollar.
Der Rekord-Börsengang hatte im Juni noch 85,7 Milliarden Dollar eingebracht. Seit dem damaligen Höchststand verlor die Aktie bereits 35 Prozent.
Analysten sehen massives Potenzial
Der aktuelle Kursrutsch fällt genau mit dem Ende der IPO-Stillhaltefrist zusammen. Seitdem prasseln Kaufempfehlungen auf den Markt ein. Die großen Banken rufen teils extreme Kursziele aus:
- Raymond James: 800 US-Dollar
- Morgan Stanley: 300 US-Dollar (Bull/Bear: 600 / 75 US-Dollar)
- Bernstein & Wells Fargo: 239 und 230 US-Dollar
- RBC, UBS & Goldman Sachs: 225, 210 und 205 US-Dollar
- Citi & Stifel: 200 und 190 US-Dollar
Morgan-Stanley-Analyst Adam Jonas sieht 87 Prozent Aufwärtspotenzial. Allerdings herrscht keine völlige Einigkeit. MoffettNathanson stuft die Papiere neutral ein. CFRA rät Investoren direkt zum Verkauf.
Milliardenlöcher durch xAI
Die Skepsis der Verkäufer hat handfeste fundamentale Gründe. SpaceX verbrennt extrem viel Geld. Im Jahr 2025 stand ein Nettoverlust von 4,9 Milliarden Dollar in den Büchern.
Im ersten Quartal 2026 belief sich das Minus auf weitere 4,3 Milliarden Dollar. Ein massiver Kostentreiber ist das eingegliederte KI-Start-up xAI. Dessen Milliardenumsätze decken die enormen Ausgaben bei Weitem nicht.
Die Pläne des Managements erfordern zudem astronomische Summen. Morgan Stanley warnt vor explodierenden Investitionskosten. Bis 2031 könnten diese auf 300 Milliarden Dollar jährlich ansteigen.
SpaceX bräuchte dann rund 84 Milliarden Dollar an externem Kapital. Wenn die Fremdkapitalmärkte streiken, droht eine massive Verwässerung. Das Unternehmen müsste dann neue Aktien ausgeben. Positive freie Cashflows erwartet die Bank frühestens im Jahr 2035.
Schwache erste Tage sind normal
Ein schwacher Start im Nasdaq-100 ist historisch keine Ausnahme. In den vergangenen zwei Jahren verloren Neuzugänge in der ersten Woche durchschnittlich 3,8 Prozent.
Auf längere Sicht dreht sich dieses Bild oft. Nach drei Monaten verzeichneten neue Index-Mitglieder in der Vergangenheit ein Kursplus von 6,3 Prozent. Ob SpaceX diesem Muster folgt, hängt nun primär am Satelliten-Geschäft. Die weitere Wachstumsrate von Starlink wird den nächsten großen Kursimpuls liefern.
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