Selten klaffen Kursziele für dieselbe Aktie so weit auseinander wie derzeit bei SpaceX. Citi sieht mittelfristig Potenzial bis 900 US-Dollar, CFRA rät mit einem Ziel von 115 US-Dollar zum Verkauf. Zwischen diesen beiden Polen bewegt sich aktuell die gesamte Wall Street – und die Aktie selbst notiert bei rund 152 US-Dollar, weit entfernt von beiden Extremen.

Citis Blick auf 900 Dollar

Citi hat SpaceX am Dienstag mit einer Kaufempfehlung und einem Kursziel von 200 US-Dollar in die Coverage aufgenommen. Analyst John Godyn bezeichnet die Summe aber nur als Zwischenschritt: Sein eigentliches Ziel liegt bei mehr als 900 US-Dollar, sofern die Rakete Starship von der Testphase – bislang zwölf Flüge seit 2023 – zum kommerziellen Regelbetrieb wechselt.

Gelingt dieser Sprung, sinken laut Citi die Kosten für den Weltraumtransport drastisch, mit direkten Folgen für das Starlink-Geschäft und geplante orbitale KI-Rechenzentren. Ein Kurs von 900 US-Dollar würde SpaceX auf einen Marktwert von rund 12 Billionen US-Dollar heben – mehr als das Doppelte der aktuellen Marktkapitalisierung von Nvidia von etwa 5 Billionen US-Dollar.

Gemäßigtere Modelle von Morgan Stanley und Cantor Fitzgerald

Morgan Stanley bleibt deutlich vorsichtiger: Das Basisziel liegt bei 300 US-Dollar, im Bull-Case bei 600 US-Dollar, im Bear-Case nur bei 75 US-Dollar. Beide Häuser eint die Zurückhaltung gegenüber Citis Extremszenario.

Cantor Fitzgerald wählt einen anderen Ansatz und rechnet über ein klassisches Gewinnmultiple für das Jahr 2030. Im optimistischen Fall ergibt sich daraus ein Kursziel von rund 740 US-Dollar, im pessimistischen Szenario bleiben nur etwa 100 US-Dollar übrig.

Die Skeptiker halten dagegen

Auf der bärischen Seite argumentiert MoffettNathanson mit dem niedrigsten Kursziel unter den etablierten Häusern: 131 US-Dollar. Die Analysten bezeichnen den von SpaceX selbst genannten adressierbaren Markt von 30 Billionen US-Dollar als „absurd“.

Noch deutlicher wird CFRA-Analyst Keith Snyder: Er initiierte SpaceX mit einer seltenen Sell-Einstufung und einem Kursziel von 115 US-Dollar – unterhalb des Ausgabepreises von 135 US-Dollar und des aktuellen Kursniveaus. Morningstar geht sogar noch weiter und beziffert den fairen Unternehmenswert auf lediglich 780 Milliarden US-Dollar, rund 48 Prozent unter der ursprünglich angestrebten IPO-Bewertung von 1,75 Billionen US-Dollar.

Der Grund für die Skepsis liegt in den Zahlen: SpaceX steigerte den Umsatz 2025 um 33 Prozent auf 18,7 Milliarden US-Dollar, wobei Starlink die einzige nennenswerte Marge des Konzerns lieferte. Unter dem Strich blieb dennoch ein Verlust von rund fünf Milliarden US-Dollar, getrieben von der im Februar übernommenen KI-Einheit xAI – profitabel soll das Unternehmen laut Schätzungen erst 2027 werden.

Bis 2029 fehlen SpaceX nach Analystenschätzungen rund 86 Milliarden US-Dollar an externer Finanzierung. Trotzdem verlangten Investoren bei der ersten SpaceX-Anleihe Ende Juni nur einen Aufschlag von 1,4 Prozentpunkten gegenüber US-Staatsanleihen – ein Vertrauensbeweis trotz roter Zahlen.

Bei aller Uneinigkeit eint die Modelle ein gemeinsamer Nenner: Sie hängen an derselben Variable, ob Starship vom Testbetrieb zur routinemäßigen kommerziellen Nutzung wechselt. Bis dahin bleibt die SpaceX-Bewertung ein Rechenexperiment mit sehr unterschiedlichen Annahmen darüber, wann und ob dieser Sprung gelingt.