Die Analysten von BTIG senken ihr Kursziel für Strategy von 350 auf 250 Dollar. Die Einstufung „Buy“ bleibt bestehen. Bemerkenswert ist aber, worauf sich die Analyse jetzt konzentriert: nicht mehr allein auf den Bitcoin-Bestand, sondern auf die Vorzugsaktien und die Finanzierungsstruktur des Konzerns.

Die Strategy-Aktie schloss am Mittwoch bei 82,02 Euro. Das liegt noch immer 79 Prozent unter dem Rekordhoch von 391,80 Euro aus dem Juli 2025. Über sieben Tage steht ein Plus von 9,17 Prozent zu Buche, auf Monatssicht aber ein Minus von knapp 30 Prozent.

Vorzugsaktien legen zu, während Bitcoin schwächelt

BTIG hebt einen Punkt besonders hervor: Die Vorzugsaktien von Strategy sind seit der Ankündigung des sogenannten Digital Credit Capital Framework um rund 12 Prozent gestiegen. Zwei Elemente stehen laut den Analysten im Zentrum dieser Entwicklung. Erstens die Politik des Unternehmens, stets eine Dollar-Reserve für zwölf Monate erwarteter Dividenden- und Zinszahlungen vorzuhalten. Zweitens die Rückkaufprogramme, die helfen sollen, die Stammaktie über ihrem Nettoinventarwert zu halten und die Vorzugstitel näher an ihren Nennwert zu bringen.

Das gesenkte Kursziel spiegelt trotzdem reale Belastungen wider. Bitcoin ist seit den Quartalszahlen im ersten Quartal um 28 Prozent gefallen. BTIG begründet die Anpassung auch damit, dass die neue Bewertung die Dividendenverpflichtungen der kommenden zwölf Monate stärker berücksichtigt. Im Kern bleibt die Frage im Raum, ob die Kreditarchitektur von Strategy einen schwächeren Kryptomarkt verkraftet, ohne zu härteren Kapitalmaßnahmen greifen zu müssen.

Reservepolitik als zentrale Kennzahl

Strategy hat sein Rahmenwerk in einer offiziellen Mitteilung präzisiert. Es besteht aus fünf Bausteinen: einer vom Board genehmigten Dollar-Reservepolitik, einer überarbeiteten Dividendenpolitik für die variabel verzinsten Vorzugsaktien der Serie A, einem Rückkaufprogramm für Digital Credit Securities, einem Rückkaufprogramm für Class-A-Stammaktien sowie einem Bitcoin-Monetarisierungsprogramm.

Die Reservepolitik verpflichtet das Management zu einer Mindestreserve in US-Dollar. Diese muss mindestens zwölf Monate laufender Dividenden- und Zinszahlungen für die Vorzugsaktien abdecken. Jede Unterschreitung dieser Schwelle braucht die Zustimmung des Boards. Zum 28. Juni 2026 meldete Strategy eine Dollar-Reserve von 2,55 Milliarden Dollar, darin enthalten sind erwartete, aber noch nicht abgerechnete Erlöse aus laufenden Aktienverkäufen.

Diese Reserve dient dazu, fällige Dividenden und Zinsen zu bezahlen. Strategy erklärt, die Reserve könne später über Bitcoin-Verkäufe im Rahmen des Monetarisierungsprogramms oder über andere Kapitalmarktaktivitäten wieder aufgefüllt werden. Für Aktionäre macht das die Reservepolitik zu einem zentralen Stabilitätsfaktor im Bitcoin-Treasury-Modell — gleichzeitig aber auch zu einem sichtbaren Gradmesser dafür, wie viel finanzieller Spielraum bei anhaltend schwachen Kryptopreisen noch bleibt.

Rückkäufe und Bitcoin-Verkäufe als Gegengewicht

Strategy hat Rückkäufe von bis zu einer Milliarde Dollar bei den Digital Credit Securities genehmigt. Vorrang haben dabei zunächst die Stretch-Vorzugsaktien, sofern das Management die Rückkäufe als wertsteigernd einstuft. Parallel läuft ein Rückkaufprogramm für Class-A-Stammaktien im Volumen von bis zu einer Milliarde Dollar. Eine feste Verpflichtung zum Kauf bestimmter Mengen oder ein Ablaufdatum gibt es dafür nicht.

Wichtig ist die Herkunft der Mittel. Rückkäufe von Digital Credit Securities und Stammaktien werden nicht aus der Dollar-Reserve finanziert. Erfolgt die Finanzierung stattdessen über Bitcoin-Verkäufe, fällt dies unter das Monetarisierungsprogramm. Dieses erlaubt Bitcoin-Verkäufe für bestimmte Zwecke — darunter bis zu 1,25 Milliarden Dollar zusätzliche Erlöse zur Auffüllung der Dollar-Reserve, zur Zahlung oder Wiederauffüllung von Vorzugsdividenden und Zinsen sowie zur Finanzierung der Rückkäufe.

Das Programm hat kein festes Ablaufdatum. Es verpflichtet Strategy aber auch nicht dazu, tatsächlich Bitcoin zu verkaufen, Dividenden über solche Verkäufe zu finanzieren oder Wertpapiere zurückzukaufen. Für die Stammaktie ist diese Unterscheidung entscheidend: Das Rahmenwerk schafft Optionen, legt aber weder Umfang noch Zeitpunkt oder Preis eines künftigen Bitcoin-Verkaufs fest.

Erholung bleibt fragil

Der jüngste Kursanstieg täuscht über die Gesamtlage hinweg. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von 38,88 Prozent, über zwölf Monate sind es sogar 75,93 Prozent. Die Aktie notiert 34,32 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 124,88 Euro und 45,56 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 150,65 Euro.

Immerhin liegt der aktuelle Kurs 14,06 Prozent über dem 52-Wochen-Tief von 71,91 Euro, das erst am 26. Juni 2026 erreicht wurde. Der jüngste Rebound hat den breiteren Kursverfall damit noch nicht ausgeglichen.

Bitcoin-Bestand und Verkaufsaktivität

In der Woche vom 22. bis 28. Juni verkaufte Strategy 12.669.017 Class-A-Stammaktien und erzielte daraus Nettoerlöse von 1,1524 Milliarden Dollar. Bitcoin kaufte das Unternehmen in dieser Zeit nicht. Zum 28. Juni hielt Strategy insgesamt 847.363 Bitcoin, mit einem Gesamtkaufpreis von 64,10 Milliarden Dollar und einem Durchschnittspreis von 75.651 Dollar je Coin.

Die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei 86,30 Prozent — ein Wert, der die hohe Sensibilität der Aktie gegenüber Bitcoin-Bewegungen unterstreicht. Für die kommenden Wochen bleibt entscheidend, ob sich die von BTIG angeführte Rally bei den Vorzugsaktien zu einem breiteren Vertrauen in die gesamte Kapitalstruktur ausweitet. Das gesenkte Kursziel markiert dabei weniger einen Abgesang als einen neuen Referenzpunkt, an dem sich Reservepolitik, Dividendenverpflichtungen und Bitcoin-Monetarisierung künftig messen lassen müssen.