Ein Verlust in Milliardenhöhe, und trotzdem ein deutliches Kursplus im regulären Handel — diese Diskrepanz prägt das zweite Quartal bei Strategy. Auffälliger als die roten Zahlen ist jedoch, wie offen Firmengründer Michael Saylor inzwischen von einer „gedämpften Stimmung“ und „Marktskepsis“ rund um Bitcoin spricht. Ungewohnte Worte für den sonst unerschütterlichen Optimisten.

Bilanzverlust ohne Kassenwirkung

Der Fehlbetrag geht praktisch komplett auf einen unrealisierten Bewertungsverlust der Bitcoin-Bestände zurück: 8,32 Milliarden Dollar, ausgelöst durch die Fair-Value-Bilanzierung, die jede Kursbewegung von Bitcoin direkt in die Gewinn-und-Verlustrechnung durchschlagen lässt. Im Vorjahresquartal hatte der gleiche Mechanismus noch einen Nettogewinn von 10,02 Milliarden Dollar erzeugt.

Das eigentliche Softwaregeschäft blieb von dieser Buchhaltungslogik unberührt. Der Umsatz kletterte um 6,9 Prozent auf 122,4 Millionen Dollar, bei einer Bruttomarge von 66,6 Prozent.

An der Börse kam die Nachricht differenziert an. Im regulären NASDAQ-Handel legte die Aktie um 4,73 Prozent auf 97,74 Dollar zu — Anleger honorierten offenbar eher die verbesserte Bilanzstruktur als den Buchverlust.

Nachbörslich gab das Papier einen Teil der Gewinne wieder ab und fiel um 0,76 Prozent auf 97,00 Dollar. Seit Jahresbeginn steht bei dem Anteilsschein dennoch ein Kursverlust von rund 35,7 Prozent zu Buche.

Bitcoin-Käufe pausieren, Verkauf für Dividenden

Im Laufe des zweiten Quartals wuchs der Bitcoin-Bestand um 11 Prozent. Strategy hält aktuell 843.775 Bitcoin zu einem durchschnittlichen Einstandspreis von etwa 75.476 Dollar.

Bei einem aktuellen Bitcoin-Kurs von rund 64.900 Dollar klafft daraus eine Bewertungslücke von fast 9 Milliarden Dollar zwischen Kostenbasis und Marktwert. Neue Käufe hat das Unternehmen seit mehreren Wochen nicht mehr getätigt. Stattdessen verkaufte es Ende Juni und Anfang Juli in zwei Tranchen 3.588 Bitcoin für rund 216 Millionen Dollar, um Vorzugsdividenden zu finanzieren.

Es war der erste nennenswerte Verkauf seit einer steuerlich motivierten Transaktion 2022. Seither meldet Strategy der US-Börsenaufsicht wöchentlich unveränderte Bestände.

Saylor und Le setzen auf STRC-Stabilisierung

CEO Phong Le betonte, dass sich die Bilanz im Quartal trotz des Buchverlusts verbessert habe: Die Wandelanleihen sanken um 18 Prozent auf 6,7 Milliarden Dollar, die USD-Reserve wuchs auf zuletzt 3,75 Milliarden Dollar.

Diese Reserve deckt nach Angaben von Finanzvorstand Andrew Kang mehr als zwei Jahre an Dividenden- und Zinszahlungen ab. Insgesamt nahm Strategy über verschiedene Kapitalmarktprogramme in diesem Jahr bereits 17,06 Milliarden Dollar auf.

Besonderes Gewicht legten Saylor und Le auf die Vorzugsaktie STRC, die zuletzt deutlich unter ihrem Nennwert von 100 Dollar handelte. Das Unternehmen erhöhte die Dividende auf 12,00 Prozent und kaufte in der letzten Juliwoche eigene STRC-Anteile mit einem Abschlag von rund 13,5 Prozent zum Nennwert zurück. Le kündigte an, bei Kursen unter dem Nennwert diszipliniert weitere Rückkäufe vorzunehmen, um STRC langfristig in einer Spanne von 99 bis 100 Dollar zu stabilisieren.

Ob diese Maßnahmen reichen, um die von Saylor selbst eingeräumte Marktskepsis zu drehen, hängt maßgeblich davon ab, wie sich der Bitcoin-Kurs gegenüber dem durchschnittlichen Einstandspreis von Strategy entwickelt. Bitcoin selbst notierte zuletzt bei rund 64.300 Dollar und damit seit über 270 Tagen unter seinem 200-Tage-Durchschnitt.