Strategy-Aktionäre erleben gerade einen freien Fall. Die Aktie notiert bei 73,42 Euro — knapp über dem 52-Wochen-Tief von 71,91 Euro, das erst am Freitag markiert wurde. Seit Jahresbeginn hat das Papier fast 46 Prozent verloren. Wer vor zwölf Monaten einstieg, sitzt auf einem Minus von rund 79 Prozent.
STRC: Das Finanzierungsvehikel bricht ein
Im Zentrum der Krise steht STRC, Strategys variabel verzinsliche Vorzugsaktie der Serie A. Sie dient als wichtigstes Instrument, um frisches Kapital für Bitcoin-Käufe zu beschaffen. Das Problem: STRC handelt aktuell rund 25 Prozent unter dem Nennwert von 100 Dollar — das Allzeittief von 71,25 Dollar wurde am 26. Juni erreicht. Weil Neuemissionen unter Nennwert wirtschaftlich nicht sinnvoll sind, hat Strategy sein ATM-Programm für STRC faktisch pausiert. Der Kapitalzufluss für weitere Bitcoin-Käufe stockt.
Das strukturelle Missverhältnis dahinter ist erheblich. Bei einem Kupon von 12 Prozent auf rund 5 Milliarden Dollar ausstehende STRC-Aktien fallen jährlich fast 603 Millionen Dollar Dividende an. Der Unternehmensumsatz liegt bei rund 477 Millionen Dollar. Die Lücke schließt Strategy nicht durch das operative Geschäft, sondern fast ausschließlich über Kapitalmarktaktivitäten.
30. Juni: Zinssatz-Reset unter Beobachtung
Am Montag, dem 30. Juni, steht ein monatlicher Dividenden-Reset für STRC an. STRC startete im Juli 2025 mit einem Jahreszins von 9 Prozent. Strategy hat den Satz seitdem siebenmal angehoben — zuletzt auf 11,50 Prozent. Da die effektive Marktrendite von STRC inzwischen bei rund 15 Prozent liegt, erwarten Investoren eine weitere Anhebung auf mindestens 12 bis 12,50 Prozent.
Parallel dazu gilt der 30. Juni als Ex-Dividenden-Tag. Berechtigte Halter erhalten am 15. Juli 0,48 Dollar je Aktie. Bei weniger als 0,7 Prozent des aktuellen Kurses ist das kaum ein Kurstreiber.
Saylor kauft weiter — und Anwälte schauen zu
Michael Saylor bleibt unbeirrt. Am Wochenende signalisierte er weitere Bitcoin-Käufe. Strategy hält aktuell 847.363 Bitcoin im Wert von rund 50,9 Milliarden Dollar — zu einem durchschnittlichen Einstandspreis von 75.653 Dollar je Coin. Bitcoin notiert derzeit deutlich darunter.
Die aggressive Akkumulationsstrategie zieht inzwischen rechtliche Aufmerksamkeit auf sich. Die Rosen Law Firm untersucht, ob Strategy und bestimmte Führungskräfte Anleger mit irreführenden Aussagen über das Geschäftsmodell und die Bitcoin-Strategie getäuscht haben. Die Untersuchung betrifft mehrere Strategy-Wertpapiere, darunter MSTR, STRC, STRK, STRF und STRD. Separat hat die Signal Law Group am 27. Juni einen Risikohinweis mit einem Vigilant Risk Score von 65 (Gelb) veröffentlicht — kein Rechtsbefund, aber ein Signal, dass das Modell unter Beobachtung steht.
Puffer vorhanden, aber begrenzt
Strategy verfügt nach eigenen Angaben über liquide Mittel von 2,21 Milliarden Dollar. Damit lassen sich die STRC-Dividenden noch rund zehn Monate finanzieren. Ferner stehen im ATM-Programm für MSTR-Stammaktien noch 25,4 Milliarden Dollar zur Verfügung — Kapazität, die Strategy bei Bedarf anzapfen kann.
Eine echte Erholung von STRC hängt letztlich weniger am Dividendensatz als am Bitcoin-Kurs. Solange der unter dem Einstandspreis von 75.653 Dollar verharrt, bleibt das Geschäftsmodell unter Druck — und der Rate-Reset am 30. Juni ist allenfalls ein Pflaster, kein Heilmittel.
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