Während das Unternehmen auf einem gewaltigen Auftragsbestand sitzt, belasten Sorgen über künftige Investitionsschübe der großen Cloud-Anbieter und regulatorische Hürden die Stimmung der Anleger. Der aktuelle Kurs von 24,98 USD spiegelt die wachsende Skepsis wider, mit der Investoren derzeit auf den gesamten Sektor blicken.

Auftragsboom und Margendruck

Trotz der jüngsten Kursverluste meldet Super Micro Computer eine starke Nachfrage nach seinen KI-Server-Lösungen. Medienberichten zufolge beläuft sich der Bestand an nicht bindenden Aufträgen von mehr als 20 Kunden auf insgesamt 39 Milliarden USD. Diese Summe übersteigt die aktuelle Marktkapitalisierung (Umgerechnet) von 15,62 Milliarden € deutlich. Parallel dazu konnte das Unternehmen seine Bruttomarge im dritten Quartal auf 9,9 Prozent steigern, nachdem sie im Vorquartal noch bei 6,3 Prozent gelegen hatte.

Allerdings werfen die Finanzierungsmodalitäten dieser Expansion Fragen auf. Die jüngsten Kapitalmaßnahmen, darunter ein Aktienangebot und Wandelanleihen im Juni, könnten zu einer Verwässerung des Kapitals um bis zu 33 Prozent führen. Zudem belasten die hohen Investitionskosten die Bilanz: Im dritten Quartal wies das Unternehmen einen operativen Cashflow von minus 6,6 Milliarden USD aus, während die Schuldenlast auf 8,8 Milliarden USD beziffert wurde.

Risiken durch Patentstreitigkeiten und Marktsättigung

Zusätzlicher Druck entsteht durch eine Untersuchung der US-Handelskommission ITC. Hintergrund ist eine Prüfung möglicher DRAM-Patentverletzungen, die auch Super Micro Computer betrifft. Gleichzeitig trüben sich die Aussichten für den breiteren Markt ein. Die Analysten der UBS prognostizieren eine signifikante Verlangsamung der Investitionsausgaben (Capex) bei großen Hyperscalern. Während das Wachstum im Jahr 2026 noch bei 76 Prozent liegen soll, könnte es bis 2028 auf lediglich 6 Prozent zurückgehen.

Ein einjähriges Moratorium für den Bau großer Rechenzentren in New York, das am 16. Juli 2026 in Kraft trat, verstärkt die Befürchtungen vor regionalen Markthemmnissen. In diesem Umfeld notiert die Aktie mit einem Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt von -22,07 % weiterhin in einem technisch angeschlagenen Bereich.

Geteilte Meinungen unter den Analysten

Die Bewertung des Unternehmens sorgt in der Finanzwelt für unterschiedliche Einschätzungen. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) wird derzeit auf etwa 12 bis 13 geschätzt, was deutlich unter dem Niveau von Wettbewerbern wie Dell oder Hewlett Packard Enterprise liegt. Dennoch bleiben die Experten vorsichtig. Während Needham ein Kauf-Rating mit einem Kursziel von 40 USD beibehält, stufen die Analysten von JPMorgan den Wert mit „Neutral“ und einem Ziel von 32 USD ein. Barclays vergibt ebenfalls ein „Equal Weight“-Rating bei einem Ziel von 34 USD, während die Bank of America das Papier mit „Underperform“ und einem Kursziel von 24 USD bewertet.

Super Micro Computer reagiert auf die technologischen Anforderungen mit einer Erweiterung seines Portfolios. CEO Charles Liang stellte Mitte Juli neue Wärmetauscher für Flüssigkühlungen vor, die speziell für Hochleistungs-KI-Infrastrukturen entwickelt wurden. Ob diese technologische Offensive ausreicht, um sich dem allgemeinen Abwärtstrend der Chip-Werte zu entziehen, bleibt angesichts der volatilen Marktlage offen.