Super Micro Computer hat am 21. Juli 2026 vorläufige Zahlen zum vierten Quartal des Geschäftsjahres 2026 veröffentlicht, die an der Börse für Bewegung sorgten. Der Server-Spezialist reichte dazu ein Form 8-K bei der US-Börsenaufsicht ein und meldete gleich mehrere überraschende Entwicklungen: eine deutlich höhere Bruttomarge, einen Rekord-Auftragseingang und einen personellen Umbau im Compliance-Bereich. Die Aktie schloss am Dienstag bei 25,50 US-Dollar und legte im regulären Handel um 7,01 Prozent zu, bevor die Nachrichten nachbörslich für weitere Kursausschläge sorgten.
Bruttomarge fast verdoppelt, Umsatz am unteren Ende
Im Zentrum der Mitteilung steht die Bruttomarge für das am 30. Juni 2026 beendete Quartal. Super Micro rechnet nun mit einer GAAP- und Non-GAAP-Bruttomarge von 15 bis 17 Prozent – deutlich mehr als die zuvor ausgegebene Prognose von 8,2 bis 8,4 Prozent. Der Grund liegt laut Unternehmensangaben in einer günstigeren Kunden- und Produktmischung. Rechnerisch entspricht die neue Margenspanne bei einem Quartalsumsatz von rund 11 Milliarden US-Dollar einem Bruttogewinn von etwa 1,76 Milliarden US-Dollar – rund 847 Millionen US-Dollar mehr, als der bisherige Prognose-Mittelwert von 913 Millionen US-Dollar implizierte. Zuvor hatte Super Micro in früheren Quartalen mit Margen von 6,3 Prozent im zweiten und 9,9 Prozent im dritten Quartal zu kämpfen.
Der Umsatz selbst bleibt allerdings gedämpft: Er soll am unteren Ende der bisherigen Spanne von 11 bis 12,5 Milliarden US-Dollar liegen und damit unter dem Analystenkonsens von rund 11,67 Milliarden US-Dollar. Wall-Street-Analysten hatten zudem einen Gewinn je Aktie von 0,70 US-Dollar erwartet, was einem Plus von 71 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspräche. Der aktuelle Analystenkonsens lautet auf „Halten“, mit einem durchschnittlichen Kursziel von 37,38 US-Dollar. Die endgültigen Zahlen und der Ausblick sollen im Rahmen einer Telefonkonferenz am 11. August 2026 vorgestellt werden.
Rekord-Backlog von über 60 Milliarden US-Dollar
Für die eigentliche Überraschung sorgte der Auftragseingang: Super Micro verzeichnete im vierten Quartal neue Bestellungen von mehr als 60 Milliarden US-Dollar – nach eigenen Angaben ein Rekordwert für den Backlog des Unternehmens. CEO Charles Liang verwies dabei ausdrücklich auf eine neue Zusammenarbeit mit SpaceX. Er sprach von einem gemeinsamen Aufbau eines Gigawatt-großen KI-Rechenzentrums mit SpaceX und xAI. Reuters berichtete unter Berufung auf das Unternehmen, dass Super Micro bereits im Juni eine Kapitalerhöhung über 7 Milliarden US-Dollar durchgeführt hatte, um Aufträge im Volumen von 39 Milliarden US-Dollar zu finanzieren – der neue Backlog übertrifft dieses Volumen nun deutlich. CNBC berichtete zudem, dass auch die Aktien von Dell und HPE nachbörslich zulegten, nachdem die Nachricht die Erwartungen an die gesamte KI-Server-Branche angehoben hatte.
Handelsblatt ordnete die Entwicklung in den breiteren Kontext des KI-Booms ein, von dem Server-Anbieter wie Super Micro derzeit profitieren.
Personelle Veränderungen im Compliance-Bereich
Parallel zu den Geschäftszahlen kündigte Super Micro einen Wechsel im Führungsgremium an. Board-Mitglied Yih-Shyan „Wally“ Liaw legte sein Mandat nieder, wodurch sich der Vorstand auf acht Direktoren verkleinert. Als neue kommissarische Chief Compliance Officer wurde DeAnna Luna berufen, die laut Unternehmensangaben über mehr als 20 Jahre Erfahrung im globalen Handels-Compliance-Bereich verfügt und zuvor bei Intel und Teledyne tätig war. Der Wechsel wurde mit Wirkung zum 21. Juli 2026 vollzogen. Im selben Zusammenhang verwies das Unternehmen in der Mitteilung auf eine laufende unabhängige Prüfung des Boards zu Fragen der Exportkontrolle, die sich auf die endgültigen Ergebnisse auswirken könnte.
Einordnung für Anleger
Die Kursreaktion auf die vorläufigen Zahlen fiel deutlich aus, auch wenn der offizielle Handelsschluss vom Dienstag mit 25,50 US-Dollar diese nachbörsliche Bewegung noch nicht vollständig abbildet. Der Titel notiert damit rund 31 Prozent über seinem 52-Wochen-Tief von 19,48 US-Dollar, das erst im März markiert wurde, bleibt aber nach einem Rückgang von 28,09 Prozent in den vergangenen 30 Tagen weiterhin deutlich unter seinen Höchstständen vom Sommer 2025. Für die kommenden Wochen dürfte entscheidend sein, ob sich der Rekord-Auftragsbestand tatsächlich in Umsatz und Cashflow übersetzen lässt und wie das Board die offene Prüfung der Exportkontrollfragen abschließt. Klarheit darüber sollen die endgültigen Zahlen und der Ausblick am 11. August bringen.
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