Rosenblatt Securities hält nach dem jüngsten Ausverkauf an seiner Kaufempfehlung für Super Micro Computer fest. Das Analysehaus bestätigte seine Einschätzung heute. Damit steht dem Vertrauenssignal der Analysten eine angespannte finanzielle Ausgangslage gegenüber: Das Unternehmen wächst kräftig, weist aber einen negativen freien Cashflow aus. Für Anleger ist deshalb entscheidend, wie profitabel sich das Wachstum fortsetzen lässt.

Kaufempfehlung trifft auf Skepsis

Die Bestätigung setzt einen Gegenpunkt zur jüngsten Verkaufswelle. Am Freitag betrug die Tagesveränderung der Aktie -9,9%. Medienberichten zufolge standen dabei Sorgen um das Wachstum und die Finanzierung des KI-Sektors im Vordergrund, nicht die Ernennung eines neuen Finanzchefs.

Rosenblatts positives Urteil ist eine Analysteneinschätzung, keine Entwarnung für die gesamte Branche. Reuters berichtet heute von Bedenken hinsichtlich steigender Finanzierungskosten, eines langsameren Umsatzwachstums und der erzielbaren Preise für KI-Rechenleistung. Diese Fragen prägen das Umfeld, in dem Super Micro seine Serversysteme verkauft.

Für Anleger sind damit zwei Ebenen zu unterscheiden: die Einschätzung des einzelnen Unternehmens und die Risikobereitschaft gegenüber KI-Infrastruktur insgesamt. Eine bestätigte Kaufempfehlung beseitigt die branchenweiten Finanzierungsfragen nicht.

Umsatzwachstum bindet Kapital

Im Geschäftsjahr 2026 erzielte Super Micro einen Umsatz von 39,1 Mrd. USD. Das entsprach einem Wachstum von 77,8% gegenüber dem Vorjahr.

Die starke Expansion ging allerdings nicht mit einem positiven freien Cashflow einher. Das begrenzt die Aussagekraft des Umsatzwachstums als alleinigen Maßstab für die finanzielle Entwicklung.

Der freie Cashflow lag bei −6,97 Mrd. USD, die Schulden beliefen sich auf 8,76 Mrd. USD. Im Schlussquartal des Geschäftsjahres erreichten die Lagerbestände 12,9 Mrd. USD.

Hinzu kommt eine ausgeprägte Kundenkonzentration. Ein Großkunde stellte mehr als ein Viertel des Jahresumsatzes. Damit verdienen neben dem Absatztempo auch die Kapitalbindung und die Verteilung der Erlöse besondere Aufmerksamkeit.

Marge wird zum nächsten Prüfstein

Für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2027 wird eine Bruttomarge von 10,4–10,8% prognostiziert.

Diese Erwartung ist noch kein gemeldetes Ergebnis. Die nächsten Zahlen müssen deshalb zeigen, wie sich das starke Umsatzwachstum in der Profitabilität niederschlägt. Ebenso wichtig ist, ob sich die Belastung durch den negativen freien Cashflow verringert.

Die Veröffentlichung der Ergebnisse wird um den 3. November erwartet. Bis dahin bleibt Rosenblatts bestätigte Kaufempfehlung das aktuelle positive Signal auf Analystenseite.

Für die Beurteilung der Aktie reicht dieses Urteil allein jedoch nicht aus. Der zentrale Prüfstein ist die Verbindung von Wachstum, Marge und Liquidität. Erst daran lässt sich messen, ob Super Micro seine Expansion finanziell tragfähiger gestalten kann.